jour fixe initiative (Hg.)

Wie wird man fremd?

ISBN 978-3-89771-405-2
Erscheinungsdatum: Oktober 2001
Seiten: 255
Ausstattung: softcover
16,00 €

Beschreibung

Unter den Bedingungen eines hochentwickelten Kapitalismus in den Metropolen, zunehmender Zivilisationsverluste in den Peripherien und weltweiter Migrationsbewegungen zwischen Peripherien und Metropolen ist „Der Fremde“ bis zum Rand gefüllt mit Inhalten und Diskursen. Der Fremde wird zur Zielscheibe rassistischer und antisemitischer Projektionen. Wie wird man fremd? ist die Frage, die die AutorInnen unter Bezugnahme auf die Kritische Theorie, die Psychoanalyse und Theorien posstrukturalistischer Provenienz zu klären versuchen.
»Intellektuelles Futter für die linke und antirassistische Praxis!« terz


Entschuldigung für die längere Lieferpause

Liebe Leserinnen und Leser,

aufgrund der Androhung eines Gerichtsverfahrens seitens des Julius Meinl-Konzerns mussten wir die den Titelgestaltung von „Wie wird man fremd?“ (jour fixe initiative berlin hg.) ändern. Die Restauflage des Buches erscheint ab sofort mit einem neuem Titel ohne die bisherige künstlerisch entfremdende Zitierung einer kolonialistisch geprägten Symbolik, die der des „MEINL-Mohrs“ ähnelt. Wir haben einer dahingehenden außergerichtlichen Einigung zugestimmt, obwohl wir hier das Grundrecht auf Meinungsäußerung geltend machen. Die Frage, wie rassistische Projektionen über diskursive Praktiken sich zur Herrschaft verfestigen, ist Gegenstand des rassismustheoretischen Sammelbandes. Die exotisierende kolonial Symbolik ist ein markantes Beispiel für die in „Wie wird man fremd?“ behandelten Diskurse.

Dagegen sieht die JULIUS MEINL Austria GmbhH den Markenwert durch das bisherige Titelbild aufgrund von „negativen Assoziationen in Bezug auf Fremdenfeindlichkeit nachhaltig beschädigt“. Allerdings bestätigt der Konzern uns gegenüber den in „Wie wird man fremd?“ untersuchten Diskurs wie folgt:

Der „MEINL-Mohr“ gilt als Symbol für die Weltoffenheit des Julius Meinl-Konzerns. Er stand seit jeher für Exotik und Internationalität. Er ist als Kunstfigur geschaffen worden, welche Tradition aus dem türkischen Sultanat und Arabien mit denen der Barockengel der zentraleuropäischen Architektur verbindet. Kaffee wurde bekanntlich 1683 mit der belagernden türkischen Armee Pasha Kkara Mustafa nach Wien gebracht. Der Fez, die rote Kopfbedeckung mit schwarzer Quaste, wurde in den türkischen Landen verbreitet getragen und war ein Symbol der Herrschaft des Sultans. Die europäische Komponente des „MEINEL-Mohrs“ spiegelt sich hingegen in den sympathischen barockengelähnlichen Gesichtszügen wider. Der Mohr ist Inbegriff dieser internationalen Werte und Symbol für Qualität und Service des international tätigen Meinl-Konzerns.

Wir bitten hiermit um Verständnis für den monatelangen Auslieferungsstopp des Buches und freuen uns über Unterstützung.

Ihr Unrast-Team


Bücher der jour fixe initiative berlin:

Theorie des Faschismus – Kritik der Gesellschaft
Wie wird man fremd
Geschichte nach Auschwitz
Kunstwerk und Kritik
Fluchtlinien des Exils
Klassen und Kämpfe
Gespenst Subjekt

Autor_innen

jour fixe initiative

jour fixe initiative berlin: Hartmut Amon, Titus Engelschall, Klaus Holz, Elfriede Müller, Kerstin Schoof, Alexander Ruoff, Klaus Viehmann und Stefan Vogt.

www.jourfixe.net


Hito Steyerl

Hito Steyerl arbeitet als Filmemacherin, Videokünstlerin und Autorin. Dr. phil, lehrt gegenwärtig am Goldsmiths College (London) Cultural Studies und postkoloniale Theorie. Gastprofessuren und Lehraufträge u.a. in Berlin, Wien, München, Hannover; Schwerpunktthemen: kulturelle Globalisierung, globaler Feminismus, Kultur und Migration im Rahmen einer Übertragung postkolonialer Kritik in den deutschsprachigen Raum; mehrere Auszeichnungen für Filme; arbeitet gegenwärtig an einem künstlerischen Beitrag für die Documenta 12; Herausgeberin (mit Encarnación Gutiérrez Rodriguez) von Spricht die Subalterne deutsch? Postkoloniale Kritik und Migration. Münster: Unrast 2003. Im Erscheinen: Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld. Wien: Turia und Kant 2006.


Helmut Dietrich

Helmut Dietrich, Mitglied der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration und Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung.


Stephan Gregory

Stephan Gregory lebt in München und arbeitet an der Merz-Akademie in Stuttgart.
Thema des Beitrags: Flüssige Subjekte. Romantische Revolte und ökonomische Flexibilisierung


Klaus Holz

Klaus Holz, Dr. habil., geboren 1960, Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland e.V. Arbeitsschwerpunkte: Antisemitismusforschung, Sozial- und kulturwissenschaftliche Theorie. Veröffentlichungen u.a.: Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz (hrsg. mit Klaus-Michael Bogdal und Matthias N. Lorenz), Stuttgart 2007; Die Gegenwart des Antisemitismus. Islamistische, demokratische und antizionistische Judenfeindschaft, Hamburg 2005; Subjekte und Gesellschaft. Zur Konstitution von Sozialität, (hrsg. mit Ulrich Wenzel und Bettina Bretzinger), Weilerswist 2003

Weitere ausgewählte Veröffentlichungen:
Die Gegenwart des Antisemitismus. Islamistische, demokratische und antizionistische Judenfeindschaft. Hamburger Edition, Hamburg 2005; Nationaler Antisemitismus. Wissenssoziologie einer Weltanschauung
Hamburg. 2001; Herausgeber des Bandes »Staatsbürgerschaft. Soziale Differenzierung und politische Inklusion in der modernen Gesellschaft«, Wiesbaden 2000.


Angelika Magiros

Angelika Magiros, 1967 geb., ist Politikwissenschaftlerin und lebt in Marburg. 1995 erschien ihre Studie zu »Foucaults Beitrag zur Rassismustheorie«, seither forscht und veröffentlicht sie zu den Themen Aufklärungskritik, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Theorien der Moderne und der Postmoderne, ferner zur Oral History der NS-Zeit.

Ausgewählte Veröffentlichungen/Selected Publications

Foucaults Beitrag zur Rassismustheorie. Hamburg/Berlin 1995.
"Foucaults Beitrag zur Rassismus-Diskussion. Mögliche Debatten", in: kultuRRevolution Nr. 31, April 1995.
"Rationalitätskritik als Werkzeug für die Analyse moderner Fremdenfeindlichkeit", in: Frank Deppe/Georg Fülberth/Rainer Rilling (Hg.), Antifaschismus. Heilbronn 1996.


Michael T. Koltan

Michael Koltan lebt in Freiburg. Seine unguten Vorlieben für Bewegungsgeschichte, Philosphie und Rock'n'Roll finanziert er, indem er seine Arbeitskraft als Softwareentwickler verkauft.


Elfriede Müller

Elfriede Müller, Dr., Jg. 1957, Historikerin, Literaturwissenschaftlerin, Buchhändlerin, Verlagskauffrau, Übersetzerin. Von 1980 bis 1987 im Pariser Kunstbuchhandel tätig, von 1987 bis 1993 Studium in Freiburg/Br., ab 1993 in Berlin. Seit 1994 im Büro für Kunst im öffentlichen Raum tätig. Seit dem 17. Lebensjahr politisch aktiv, zunächst in der Schüler/innen- und Frauenbewegung, dann bei der GIM (Gruppe Internationale Marxisten, IV. Internationale), in Frankreich bei der LCR (Ligue Communiste Révolutionnaire), ab Ende der 80er Jahren bei den Freiburger Autonomen und Mitbegründerin der jour fixe initiative berlin, zahlreiche Publikationen zu linker Theorie und Praxis.


Sylvia Pritsch

Sylvia Pritsch, Kulturwissenschaftlerin, lebt in Hamburg und promoviert an der Universität Bremen über feministische Subjekt- und Textrepräsentationen.


Enzo Traverso

Enzo Traverso lehrt Ideengeschichte an der Cornell Universität in Ithaca, USA. Vorher lebte er lange Zeit in Paris und war dort in der
radikalen Linken aktiv. Zahlreiche Veröffentlichungen zur linken und jüdischen Geschichte und zur Kritischen Theorie.


Ela Wünsch

Ela Wünsch lebt in Berlin und studiert Kulturwissenschaften und Gender-Studies.

Mitarbeiterin bei: b_books. buchhandlung und verlag. berlin
www.bbooks.de

Ela Wünsch beschäftigt sich in ihrem Beitrag »Differenzen testen« mit den politischen und künstlerischen Praktiken, mit denen ›weiße‹ Akteure und Akteurinnen versuchen, »nicht rassistisch zu sein.« Anhand von Portraitphotographien von Robert Mapplethorpe wird die Bedeutung von Differenzen und die Funktion psychoanalytischer Kategorien wie Fetischismus, Trauer und Melancholie untersucht.


Robert Mapplethorpe

(*New York, 4.11.1946; gest. Boston, 9.03.1989). American photographer, sculptor and collagist.

Zur Rezeption:
Ela Wünsch, Differenzen testen. In: jour fixe initiative berlin (hg.). Wie wird man fremd?
Auszug:

»... Der Bezugspunkt dieses Textes, der als Teil des Vortrags diesen Koexistenzen nachging, sind die Portraitfotografien Robert Mapplethorpes in denen u.a. sadomasochistische sexuelle Praktiken, Homosexualität und schwarze Männerkörper ausgestellt werden.
Anhand der Rezeption dieser Fotos durch den Kulturkritiker Kobena Mercer gehe ich Begehrensströmen nach, die den blinden Fleck einer stets vorausgesetzten weißen Ethnizität durchlaufen, die sich in Identifikationen mit und Abgrenzung von dem Anderen formiert. Dabei will ich verdeutlichen, wie sich ethnische und sexuelle Kategorien, Fremd- und Selbstzuschreibungen in diesen kulturellen und sprachlichen Praxen, einschließlich Mercers Kritik, konstituieren.
Da sich die Lektüre von Mapplethorpes Bildern an psychoanalytischen Kategorien orientiert, diese aber auch hinterfragen will, werden die Muster einiger Begehrensformen wie Fetischismus, Trauer und Melancholie ausführlicher erörtert.«


Udo Wolter

Udo Wolter ist freier Autor und Dokumentar und lebt in Berlin. Bei Unrast erschien zuletzt »Das obskure Subjekt der Begierde. Franz Fanon und die Fallstricke des Subjekts der Befreiung«.  Er war langjähriges Mitglied der 'jour fixe initiative berlin'.


Alexander Ruoff

Alexander Ruoff, von der jour fixe initiative berlin ist Historiker und lebt und arbeitet in Berlin.

Website: history-house


Bernhard Jensen

Bernhard Jensen lebt als Philosoph in Berlin. Mitarbeiter der 'jour fixe initiative berlin'.


Titus Engelschall

Berlin, arbeitet aktuell zum Thema Migration und Widerstand, Mitarbeiter der 'jour fixe initiative berlin'


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