Das Eindringen völkischer Ideologie in die „Mitte“ der Gesellschaft
Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn, Jobst Paul (Hg.)

Völkische Bande

Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie

ISBN 978-3-89771-737-4
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Seiten: 254
Reihe: Edition DISS Band: 8
Ausstattung: softcover
18,00 €

Beschreibung

Edition DISS Bd. 8
Das Interesse, sich kritisch mit Entwicklung, Struktur und Erscheinungsformen völkischen Denkens auseinanderzusetzen, ist in den letzten Jahren sichtlich gewachsen.
Diese „Konjunktur“ ist in einem erheblichen Maße als Reaktion auf die Renaissance rechtsextremistischer und rechtspopulistischer Parteien in Deutschland und Europa seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und auf das Eindringen völkischer Ideologie in die „Mitte“ der Gesellschaft zu verstehen. Auch wenn die Erfolgsbilanz dieses Denkens im europäischen Vergleich insgesamt gesehen recht unterschiedlich ausfallen mag, so ist der Trend einer wachsenden Einflussnahme auf das politische System einzelner europäischer Staaten ungebrochen. Gleichermaßen ernst zu nehmen sind die Versuche der so genannten Neuen Rechten, ihr völkisch-nationalistisches Weltbild im Denken und Fühlen der Menschen zu verankern und die öffentliche Meinung mittels einer metapolitischen Strategie nach rechts zu verschieben.
Völkisches Denken gewinnt an Bedeutung und Massenwirksamkeit in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs, in denen sich ökonomische, soziale, politische und kulturelle Krisenphänomene verstärken und von interessierter Seite ideologisch zu „Schicksalsfragen“ der Nation überhöht werden. Dabei lässt sich ein Zusammenspiel von Tradition und Transformation feststellen: Der traditionsstiftende Rückgriff auf klassische Texte völkischen Denkens ist verbunden mit ihrem Zuschnitt auf aktuelle innen- und außenpolitische Konstellationen. Neue Problemstellungen werden verarbeitet, neue Ideenkomplexe amalgamiert und neue Feindbestimmungen fixiert. So unterliegt völkisches Denken bei allen sich durchhaltenden Ideologieelementen erheblichen Transformationen, die es zu analysieren gilt.
Mit dem Band soll ein Beitrag zur Analyse völkischen Denkens und aktueller völkischer Bewegungen geleistet werden. Dabei wird Begriff des Völkischen in einem weiten Sinne aufgefasst und nicht allein auf die „völkische Bewegung“ bzw. die von den Nationalsozialisten propagierte „völkische Weltanschauung“ bezogen. Auch der Weimarer Jungkonservatismus beispielsweise weist eine völkische Grundierung auf. Die Beiträge schlagen programmatische und biographische Brücken: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Deutschland und Europa, so dass das Wechselspiel zwischen Tradition und Transformation deutlich werden kann.

Aus dem Inhalt

Heiko Kauffmann/Helmut Kellershohn/Jobst Paul
Völkische Bande.
Dekadenz und Wiedergeburt:
Komponenten des Faschismus
Roger Griffin
Völkischer Nationalismus als Wegbereiter
und Fortsetzer des Faschismus:
Ein angelsächsischer Blick auf ein nicht nur deutsches Phänomen
Kurt Lenk
Das Problem der Dekadenz
seit Georges Sorel


Zwischen Tradition und Transformation
Helmut Kellershohn
Zwischen Wissenschaft und Mythos
Einige Anmerkungen zu Armin Mohlers „Konservative Revolution“
Volker Weiß
Dostojewskijs Dämonen
Thomas Mann, Dmitri Mereschkowski und Arthur Moeller van den Bruck im Kampf gegen „den Westen“
Ulrich Prehn
Die wechselnden Gesichter eines „Europa der Völker“ im 20. Jahrhundert
Ethnopolitische Vorstellungen bei Max Hildebert Boehm, Eugen Lemberg und Guy Héraud


Rechtsaussen und die Mitte
Stefanie Mayer
“Totes Unrecht“?
Die „Beneš-Dekrete“ im medialen Diskurs – zwischen völkischem Denken und kritisch-wissenschaftlicher Aufarbeitung
Moshe Zuckermann
Die Ideologie der israelischen Rechten
Martin Dietzsch
Zur jüngsten Entwicklung der NPD
Heiko Kauffmann
Zuwanderung im Schatten der Sicherheit
Flüchtlingsschutz zwischen Völkerrecht und Anti-Terror-Krieg
Marei Pelzer
Reformruine Zuwanderungsgesetz:
moderne Fassade – marode Substanz.
Mit dem Zuwanderungsgesetz zurück zum Ausländerpolizeirecht
Ute Kurzbein
Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und
ihre tödlichen Folgen (1993 bis 2004)

Dokumentation der Antirassistischen Initiative Berlin

Presse
"Der Sammelband Völkische Bande schlägt eine gelungene Brücke zwischen Theorie und Praxis, angefangen bei Überlegungen zum Faschismusbegriff, endend beim aktuellen Zuwanderungsgesetz und der bundesdeutschen Flüchtlingspolitik. Er skizziert zudem eindrucksvoll die Virulenz völkischen Denkens vom extrem rechten Rand bis in den gesellschaftlichen Mainstream hinein. Gleichzeitig wird überdeutlich, dass einer weiteren Etablierung dieses Denkens nachhaltig entgegengetreten werden muss." Ralph Kummer, redok 11/05 Die ganz Rezension lesen

Autor*innen

Heiko Kauffmann

Heiko Kauffmann, Pädagoge und Sozialwissenschaftler, Mitbegründer und Vorstandsmitglied von PRO ASYL und Sprecher von PRO ASYL 1994 bis 2002, Träger des Aachener Friedenspreises 2001, Träger des Deutschen Kinderrechtspreises „Blauer Elefant“ 2001, Arbeitsschwerpunkte: Friedens- und Asylpolitik


Helmut Kellershohn

Helmut Kellershohn studierte Geschichte und Katholische Religion in Bonn und unterrichtete bis zur Pensionierung an einem Gymnasium in Moers. Er ist Gründungs- und Beiratsmitglied des DISS und Mitarbeiter im AK Rechts. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Neuen Rechten, insbesondere zur Jungen Freiheit und zum Institut für Staatspolitik, zum Neokonservativismus und völkischen Nationalismus.


Jobst Paul

Jobst Paul ist promovierter Sprach- und Literaturwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Seine Arbeitsschwerpunkte sind die ideologischen Grundlagen westlicher Ausgrenzungskonstrukte. Er veröffentlichte Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Ethik, u.a. zum Menschenbild in den Biowissenschaften. 2005/06 leitete er das Forschungsprojekt ›Staat, Nation, Gesellschaft‹, das sich mit den gesellschaftspolitischen Interventionen der deutsch-jüdischen Publizistik im 19. Jahrhundert beschäftigte. Derzeit koordiniert er das Editionsprojekt ›Deutsch-jüdische Autoren des 19. Jahrhunderts. Schriften zu Staat, Nation, Gesellschaft‹.


Martin Dietzsch

Martin Dietzsch ist seit 1987 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Archivar des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Er war 1997 bis 2005 Herausgeber des Hintergrund-Informationsdienstes »Archiv-Notizen« und publizierte zahlreiche Veröffentlichungen zur extremen Rechten.


Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann, 1949 in Tel-Aviv geboren, lebte zwischen 1960 und 1970 in Deutschland (Frankfurt am Main). Nach seiner Rückkehr nach Israel Studium der Soziologie, Politologie und Geschichte an der Universität Tel-Aviv. Lehrt seit 1990 am Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas (TAU). 2000–2005 Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte (TAU). 2009–2013 akademischer Leiter der Sigmund-Freud-Privatstiftung in Wien. Forschungsschwerpunkte: Geschichte und Philosophie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften; Frankfurter Schule; Ästhetische Theorie und Kunstsoziologie; der Einfluss der Shoah auf die politischen Kulturen Israels und Deutschlands.


Kurt Lenk

Kurt Lenk, o. Prof., geb. 1929, Studium der Soziologie, Politischen Wissenschaft und Philosophie 1951 – 1956 an der Universität Frankfurt a. Main; dort Promotion 1956; Habilitation 1964 an der Universität Marburg/Lahn, venia legendi für Politische Wissenschaft und Politische Soziologie; Privatdozent; 1966 – 1972 Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg; 1972 – 1994 Professor an der RWTH-Aachen; Emeritierung 1994; lebt seitdem in Erlangen

Publikationen u.a.:(Hg.) Ideologie. Ideologiekritik und Wissenssoziologie, Neuwied und Berlin 1961, 9. Aufl. Frankfurt a. Main 1984; Marx in der Wissenssoziologie, Neuwied und Berlin 1972, 2. Aufl. Lüneburg 1986; Deutscher Konservatismus, Frankfurt a. Main 1989; Vordenker der Neuen Rechten (zus. mit G. Meuter / H.R.Otten) Frankfurt a. Main 1997


Roger Griffin

Prof. Dr. Roger Griffin: Professor für Moderne Geschichte, Brookes University, Oxford, Faschismus-Forscher. Griffin’s viel beachtete Interventionen erschienen im Jahr 2004 in sechs Bänden versammelt bei Routledge, London (The nature of Fascism; The social dynamics of Fascism; Fascism and culture; The „Fascist Epoch“; Post-war fascisms). Unter dem Titel Fascism’s new faces (and new facelessness) in the ‘post-fascist’ period steuerte der Autor den Hauptartikel zum Heft 15(2004)3 von Erwägen-Wissen-Ethik (EWE) bei.


Ute Kurzbein

Ute Kurzbein: Mitarbeiterin der Antirassistischen Initiative e.V. (ARI) Berlin, die eine jährlich aktualisierte Dokumentation über die „Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen“ – inzwischen in der 12. Auflage – herausgibt. Ute Kurzbein lebt in Berlin.


Stefanie Mayer

Stefanie Mayer: Politikwissenschafterin in Wien. Sie schloss ihr Studium im Herbst 2004 mit einer eingehenden Analyse der Berichterstattung der Tageszeitung Der Standard zu den so genannten „Benes-Dekreten“ ab. Publikationen in der Zeitschrift Context XXI in Wien; sucht die Auseinandersetzung mit rechtsextremen und völkischen Ideologemen auf wissenschaftlicher und politischer Ebene.


Marei Pelzer

Marei Pelzer: Juristin, Referentin im Arbeitsbereich Rechtspolitik bei PRO ASYL, Mitglied der Humanistischen Union, stellv. Bundesvorsitzende von JungdemokratInnen/Junge Linke 1999-2001, Mitherausgeberin des Grundrechte-Report 1997 und 1998.


Ulrich Prehn

Ulrich Prehn M.A.: Studium der Geschichte, der Neueren Deutschen Literatur sowie der Sprache, Literatur und Kultur Nordamerikas in Hamburg. Magisterarbeit: „‘Volksgemeinschaft im Abwehrkampf’. Zur Politik und Organisation des Vereins für das Deutschtum im Ausland (VDA) in der Weimarer Republik“. Bis Oktober 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Zur Zeit Promotionsstipendiat zum „Volkstumsforscher“ Max Hildebert Boehm.


Volker Weiß

Dr. Volker Weiß (Hamburg), Historiker und Publizist.
Mitglied im Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e.V.
Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin.

Auswahl der wichtigsten Schriften:
Nachwort zu Theodor W. Adorno, Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Ein Vortrag. Suhrkamp/Berlin 2019
Die Autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Klett-Cotta/Stuttgart 2017. Nominiert für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse 2017, übersetzt ins Japanische bei Shinsensha/Tokyo 2019
Moderne Antimoderne. Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservatismus. Schöningh/Paderborn 2012
Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten – von Spengler bis Sarrazin. Schöningh/Paderborn 2011


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