gruppe demontage (Hg.)

Postfordistische Guerrilla

Vom Mythos nationaler Befreiung

ISBN 978-3-928300-77-3
Erscheinungsdatum: Mai 1999
Seiten: 292
Ausstattung: softcover
16,00 €

Beschreibung

2. Auflage

"Die gruppe demontage legt [...] ein Buch vor, daß sich detailliert mit Geschichte und Gegenwart der internationalen Solidarität auseinandersetzt. Ihr Versuch der Kategorisierung nationaler Befreiungsbewegungen [...] birgt die Möglichkeit, neue Perspektiven einer kritischen Solidarität zu entwickeln."
Gottfried Oy, express
Ausgehend von der Feststellung, daß sich seit Anfang der 80er Jahre gravierende ökonomische Verschiebungen von der nationalen zur internationalen Ebene bemerkbar machen (Stichwort: Globalisierung), fragen die Autoren der Gruppe Demontage nach den veränderten Perspektiven und den neuen politischen Spielräumen von Befreiungsbewegungen in Europa und im Trikont. An den Beispielen ETA, PKK, IRA, EZLN und der korsischen FLNC werden die verschiedenen politischen Konzepte von Nation, Befreiung und Sozialismus analysiert und hinsichtlich einer kritischen Solidarität unter die Lupe genommen.


Rezension Südwind
Nach dem Abschluß der Friedensverträge in Nordirland und dem Waffenstillstand der ETA im Baskenland scheint in den letzten Konfliktzonen Westeuropas, wie schon Ende der achtziger Jahre in Zentralamerika, der bewaffnete Kampf bald der Vergangenheit anzugehören. Für die Hamburger Gruppe Demontage eine Folge der veränderten Rahmenbedingungen für nationale Befreiungsbewegungen im Postfordismus, die sie in dem vorliegenden Buch untersuchen.
Im ersten Kapitel werden die ökonomischen Umstrukturierungen durch die Brille der Regulationstheorie analysiert und das Dilemma der Befreiungsbewegungen benannt. Wollen sie ihr Land fit für den Weltmarkt machen, wie die korsische FLNC, die mittlerweile eine Freihandelszone für die Mittelmeerinsel anstrebt? Oder orientieren sie sich wie die mexikanische EZLN an einem antistaatlichen Kampf?
Den Zapatistas gehört die Sympathie der Autoren, auch wenn sie von Kritik ebensowenig verschont bleiben wie die algerische FLN, die baskische ETA, die irische IRA oder die kurdische PKK. Die Öcalan-Gruppe fällt mit ihrem völkischen Nationbegriff beim Emanzipations-TÜV glatt durch. Solidarität mit den von Repression bedrohten Kurden und Kurdinnen ist für die Autoren nur ohne positiven Bezug auf die PKK vorstellbar.
Die "Demonteure" legen das Konzept eines linken Kosmopolitismus dar, das sich von Bezügen auf Staat und Nation emanzipiert und die nationalistischen Fallstricke des "Traditionsinternationalismus" meidet.


Bücherauswahl zum Thema:
Biopiraterie
Torsten Bewernitz - global x. Kritik, Stand und Perspektiven der Antiglobalisierungsbewegung
Politik und Postmoderne
Krieg ist Frieden
Der Mythos vom Krieg der Zivilisationen
La Lucha sigue - Der Kampf geht weiter
Postfordistische Guerrilla
Ben Diettrich -Klassenfragmentierung im Postfordismus. Geschlecht Arbeit Rassismus Marginalisierung

postkoloniale Kritik
Udo Wolter – Das obskure Subjekt der Begierde Neue Fragen an Fanon
Spricht die Subalterne deutsch? - Gesellschaftstheorie und postkoloniale Kritik


Bücher zum Thema Mexiko im Überblick

Luz Kerkeling - La Lucha sigue - Der Kampf geht weiter. Ursachen und Entwicklungen des zapatistischen Aufstands
Markus Kampkötter - Emiliano Zapata
Enrique Rajchenberg S., Carlos Fazio (Hg.) - Rebellion X. Das Jahr des Streiks an der Universität in Mexiko-Stadt
Helmut Reinicke - Verdammtes Mexiko. Notizen aus dem Gefängnis
gruppe demontage (Hg.) - Postfordistische Guerrilla. Vom Mythos nationaler Befreiung
Torsten Bewernitz - global x. Kritik, Stand und Perspektiven der Antiglobalisierungsbewegung
demnächst:
Mexiko im Fokus
Ein politisches Reisebuch
: hier


Direkte Solidarität und aktuelle Nachrichten aus Chiapas:
Gruppe B.A.S.T.A.
www.chiapas.ch
www.revistarebeldia.org

Autor_in

gruppe demontage

"Unsere kleine Gruppe entstand im Herbst 1995 im Zuge der Auflösung der Gruppe K. Einige von uns waren Mitglieder der Gruppe K, die nach einer Spaltung aus dem antinationalen Flügel des KB (Kommunistischer Bund) hervorging, und waren in den 80er Jahren bereits im KB organisiert. Andere haben sich früher in der Autonomen Linken mit Patriarchatskritik, Stadtteilkämpfen und Antirepressionsarbeit beschäftigt. Ein dritter Teil kommt aus der Nach-89er-Linken, die geprägt ist von den Umbrüchen nach 1989.
Von außen werden wir häufiger als antinationale Gruppe etikettiert, weil vielen unserer Aktivitäten die Kritik am Konzept der Nation anzumerken ist. Wir selbst packen uns nicht in eine Schublade. Die Kritik am Konzept der Nation ist für uns eine Facette der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wir basteln uns daraus keinen neuen Hauptwiderspruch.
Den Abschied vom Antiimperialismus lehnen wir ab, kritisieren das Vergöttern der Theorie gegenüber einer angeblich automatisch reformistischen Praxis, wie es in antinationalen Kreisen Mode ist. Umgekehrt pfeifen wir auf den traditionslinken Leistungssport einer oft aktionistischen Praxis. Eine solche Praxis wird besonders gern hochgehalten, um unbequeme Kritik an eingefahrener Politik abzublocken. (...)"
aus: Postfordistische Guerrilla, Vorbemerkungen.

Die seit dem Oktober 1995 bestehende gruppe demontage hat sich im Mai 2004 aufgelöst. Die internen Differenzen waren, trotz mehrmonatiger Klärungsversuche, nicht zu überbrücken. Einig sind wir uns aber darin, an der Notwendigkeit politischer Organisierung festzuhalten. In Nachfolge der gruppe demontage haben sich die "gruppe commode" und die "gruppe bricolage" gegründet.

Kontakt und Infos:
www.demontage.org

Hier geht es zu den beiden neuen Gruppen:
www.gruppe-bricolage.org www.gruppe-commode.org


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