Warenkorb
Ihr Warenkorb ist noch leer.

Evidenzen im Fluss

Drucken
Beschreibung

Modell D - Geschlechter - Rassismus - PC
DISS - Backlist

Immer deutlicher tritt in der BRD die Tendenz hervor, daß seit ihrer Gründung gültige Maßstäbe ins Rutschen geraten: Soziale Sicherheit, sozialer Frieden, die Bundeswehr als eine Versammlung von Bürgern in Uniform, Ausländer als Gäste - wenn auch als Gastarbeiter - Gleichberechtigung der Frauen - alle diese positiven Perspektiven und die damit verbundenen Hoffnungen und Wünsche erfahren Rückschläge. Dadurch werden auch selbstverständlich gewordene Lebensperspektiven fragwürdig, aber auch überlieferte Normen und Werte geraten ins Wanken. Sind alle Sicherheiten und Evidenzen in Fluß geraten?

Der vorliegende Band versammelt eine Fülle von Aufsätzen, die sich mit der derzeitigen diskursiven Situation der Bundesrepublik auseinandersetzen und aktuelle Themen und Entwicklungen zu analysieren versuchen. Die AutorInnen nehmen Stellung zu folgenden Themen: Sex-Gender-Debatte und Geschlechterkonstituierung, Standort und "Modell" Deutschland, Rassismus - Einwanderung - Asyl und Political Correctness.



Evidenzen im Fluß - mit Beiträgen von: Hannelore Bublitz, Andrea Bührmann, Gabriele Cleve, Birgit Dahlke, Alex Demirovic, Antke Engel, Mark Galliker/Kurt Immiger/Herbert Bock/Daniel Weimer, Adi Grewenig, Kai Hafez, Brigitta Huhnke, Rainer Jogschies, Helmut Kellershohn, Ursula Kreft/Hans Uske, Andreas Musolff, Thomas Niehr, Martin Ramstedt, Mark Terkessidis und Rainer Wimmer.


Inhalt
Andreas Disselnkötter / Siegfried Jäger / Helmut Kellershohn / Susanne Slobodzian
Zur derzeitigen diskursiven Situation der Bundesrepublik Deutschland.
Vorbemerkungen zu diesem Band
I. Modell Deutschland
Helmut Kellershohn
Freier Markt, nationale Gemeinschaft, starker Staat.
Die Botschaft des Neokonservatismus
Ursula Kreft / Hans Uske
Wieviele Arbeitslose verträgt der Standort Deutschland? 42
Alex Demirovic
Böse Welt - gute Nation
Wie Globalisierung als Bedrohung die Eliten stabilisiert
Adi Grewenig
Deutsche Jahrestage im Rahmen mediatisierter Politik
Das 'Unternehmen' Bundesrepublik
Andreas Musolff
Modell Deutschland: Vorbild oder Alptraum?
Zur Diskussion um die Rolle der BRD als neue europäische 'Supermacht' in der britischen Öffentlichkeit
Mark Galliker / Kurt Imminger / Daniel Weimer / Herbert Bock Intensivierung des Diskurses durch Verneinung
Quantitative und qualitative Analyse der Co- Occurrences von'Soldaten' und 'Mörder' in der FAZ im Vergleich mit der NZZ
II. Geschlechterkonstitution
Hannelore Bublitz
Gen- und Reproduktionstechnologien als Killer der Geschlechter-Kategorie?
Andrea Dorothea Bührmann
Geschlecht als Dispositiv
Antke Engel
Geschlechterkonstituierung jenseits der Zweigeschlechtlichkeit
Birgit Dahlke
Leerstelle oder Lehrstellle? Nebenbemerkung einer Ostdeutschen
III. Rassismus
Mark Terkessidis
Woven into the texture of things
Rassismus als praktische Einheit von Wissen und Institution
Kai Hafez
öffentlichkeitsbilder des Islam
Kultur- und rassismustheoretische Grundlagen ihrer politikwissenschaftlichen Erforschung
Martin Ramstedt
Interkulturelle Kommunikation - wozu?
Thomas Niehr
Ausländerfeindlichkeit im Deutschen Bundestag
Vorläufige Überlegungen zur Interpretation spezifischer Lexemverwendungen in der politischen Kommunikation
Gabriele Cleve
Völkisches Denken im Alltag
IV. Political Correctness
Brigitta Huhnke
"pc" - Das neue Mantra der Neokonservativen
Rainer Wimmer
"Political Correctness" - ein Fall für die Sprachkritik
V. Deutsches Vergnügen
Rainer B. Jogschies
Fünfzig Meter Große Freiheit
Deutsches Vergnügen. Eine Versuchsanordnung

Zur derzeitigen diskursiven Situation der Bundesrepublik Deutschland:
Vorbemerkungen zu diesem Band
In Deutschland sind viele Jahre gültige Maßstäbe ins Wanken geraten: soziale Sicherheit und sozialer Frieden; die Bundeswehr als Armee 'in area', getragen von Bürgern in Uniform; Ausländer als Mitbürger, nicht nur reduziert auf ihre Rolle als Gastarbeiter; das langsame aber stetige Fortschreiten der Gleichberechtigung der Frauen. Alle diese Perspektiven einschließlich der Hoffnung auf ihre Entwicklungsfähigkeit haben herbe Dämpfer erhalten. Selbstverständlich gewordene Optionen erscheinen als fragwürdig, überlieferte Normen und Werte geraten ins Schlingern.
Sind also alle Sicherheiten und Evidenzen im Fluß? Eine solche Einschätzung erfordert Präzisierungen. Haben wir es doch in Deutschland - und darüber hinaus - mit einem viel konkreter zu fassenden Prozeß zu tun: dem globalen Durchmarsch des Kapitalismus par excellence und dem regionalen Gerangel beim Kampf um eine Neuverteilung der Profite nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Wiedervereinigung.
Es ging den Veranstaltern des Kolloquiums Evidenzen im Fluß im Winter '96, dessen Ergebnisse - erweitert um einige Gastbeiträge - wir in diesem Band präsentieren, nicht primär darum, einen kritischen Rundumschlag zur Lage der Bundesrepublik vorzunehmen, obwohl dazu genügend Anlaß bestünde. Vielmehr handelt es sich hier um Diskussionsbeiträge zu Themen, die uns für das Verständnis der derzeitigen diskursiven Situation der Bundesrepublik Deutschland relevant erscheinen. Sie zeigen Ansätze zur Resistenz gegen den Abbau von Demokratie sowie Wege auf denen dem Projekt Zivilgesellschaft zugearbeitet werden kann. Daß es dabei zu inhaltlichen Kontroversen kommt - was hier insbesondere an konträren Einschätzungen der Bedeutung von 'political correctness' ablesbar ist - wird von uns ebenso begrüßt wie die Heterogenität bei den Vorstellungen, wie kritische wissenschaftliche Arbeit zu verfahren habe; zeigt sich doch ein gemeinsamer Nenner etwa von Mentalitätsgeschichte der Gegenwart, angewandter Diskurstheorie und Ideologiekritik darin, daß solche Ansätze wie die hier versammelten den hegemonialen Diskurs dieser Gesellschaft an verschiedenen brisanten Stellen analysieren und intellektuell angreifen. In dieser Perspektive werden Foucaults Überlegungen zur Kritik der Macht virulent: Ihm zufolge können wir die Machtmechanismen fokussieren; die Produktion von Wahrheiten und das Regelwerk ihrer Vermittlung und Kontrolle vor allem über Universität, Armee, Presse und Massenmedien" (Foucault 1978, S. 52) . Wenn Macht eine allgemeine Matrix der Kräfteverhältnisse zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Gesellschaft ist und es keine Machtbeziehungen ohne Widerstand gibt, kann dies für eine widerständige Praxis bedeuten, daß sie auf vielfältige Weise die Verhältnisse zu irritieren vermag. Die Formierung der Gesellschaft, die Art, wie in ihr gedacht, gebaut, produziert und reproduziert wird, hängt wesentlich davon ab, wie die diskurstragenden Kategorien beschaffen sind, die sie stützen. Stärkste Waffe der Hegemonie ist die Rede von der Unveränderbarkeit, der Festigkeit und Unangreifbarkeit ihrer Definition von Wahrheit. Diese Festlegungen unterliegen fortlaufender Veränderung. In der derzeitigen diskursiven Situation geht die Tendenz deutlich in Richtung eines weiteren Abbaus des demokratischen Status quo, was - auf die Verfassung bezogen - besonders an den Änderungen im Artikel 16 GG sowie der (Um-)Deutung des Artikel 24a GG (Out-of-area Urteil) ablesbar ist.
Doch gerade in der Labilität von Machtverhältnissen besteht für Kritische Wissenschaft allgemein und insbesondere für angewandte Diskurstheorie die Chance zu politischen Interventionen. Um dafür brauchbare Instrumentarien zu entwickeln, stehen auch die etablierten Theorien und Methoden auf dem Prüfstand. Der Fragekomplex, der sich au

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.