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Das Plagiat

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17,50 €
Beschreibung

DISS - Backlist

Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Sammelbandes sind »tief eingestiegen in den rechtsextremen Sumpf, um dort die intellektuelle Szene wissenschaftlich auszuleuchten, die organisatorischen Vernetzungen sowie die Rezensions- und Zitierkartelle aufzuspüren«
(Die Zeit).

Inhalt:

Kurzchronologie der Jungen Freiheit 1986 bis 1994
Helmut Kellershohn: Das Projekt Junge Freiheit. Eine Einführung
Helmut Kellershohn: Die selbsternannte Elite. Anmerkungen zum Personal der Jungen Freiheit
Anton Maegerle: Criticon: Die Junge Freiheit im Zeitschriftenformat. Strategieorgan rechtskonservativer Intellektueller
Exkurs: Thule-Netz und Junge Freiheit
Martin Dietzsch: Kader gegen die Fünfundvierziger. Die völkische Gesinnungsgemeinschaft Witikobund
Heinz Hachel: Poor Impact: Werbeträger Junge Freiheit
Siegfried Jäger: Die Debatte um den Kulturbegriff in der Jungen Freiheit. Eiertanz um den heißen Brei
Klaus Kriener: Plettenberg - Freiburg - Potsdam. Über den Einfluß Carl Schmitts auf die Junge Freiheit
Sebastian Reinfeldt / Richard Schwarz: "Ethnopluralismus" made in Germany
Sabine van den Bruck / Renate Schmitz: "Emanzipation der Frau von der Frauenemanzipation" - oder: Bevölkerungspolitik à la Junge Freiheit
Alfred Schobert: Geschichtsrevisionismus à la carte. Mit Nolte und Zitelmann gegen "Westextremismus"
Alfred Schobert / Ronald Papke: Ab durch die Mitte. Der Mitteleuropa-Gedanke in der Jungen Freiheit


Vorwort
Das Superwahljahr 1994 ist auf dem Zeitungsmarkt durch ein beachtenswertes Ereignis eingeläutet worden. Seit dem 21. Januar erscheint in Potsdam die jungkonservative Wochenzeitung Junge Freiheit (JF).
Unser Interesse gilt der Jungen Freiheit aus folgendem Grund: Die JF verkörpert in prägnanter Weise eine neue politisch-weltanschauliche Konstellation, an deren Entwicklung und Verbreitung sie selbst, seit ihrer Gründung, aktiv, wenn auch lange Zeit eher randständig, mitgewirkt hat. Diese neue ideologische Konstellation, deutlich sichtbar geworden z.B. im Fall Heitmann, hat sich in den letzten Jahren in den Kontroversen um die internationale Rolle und die innere Verfassung der Bundesrepublik herangebildet. Sie ist der geistige Ausdruck zweier sich gegenseitig bedingender politischer Prozesse, auf der einen Seite eines Rechtstrends der offiziellen Politik und gewichtiger Teile der bürgerlichen Öffentlichkeit, auf der anderen Seite eines Rechtsdrucks in die bürgerliche "Mitte" hinein. Den Kern bildet, salopp ausgedrückt, ein 'Ideologiebrei', in dem rechtskonservative und nationalliberale Essentials und das Gedankengut des intellektuell modernisierten Rechtsextremismus - teilweise bis hin zur Ununterscheidbarkeit - vermengt sind. Wir bezeichnen dieses Gebilde als Völkischen Nationalismus.
Der völkisch 'begründete' Nationalismus ist zweifellos die die moderne deutsche Geschichte dominierende Version des Nationalismus, in der Vergangenheit mal stärker, mal schwächer ausgeprägt (vgl. Alter 1985). Er ist Bestandteil des "Kältestroms" (Ernst Bloch), der die deutsche Geschichte besonders seit 1878, dem Jahr der großen innenpolitischen Wende im Kaiserreich, durchzieht und im Faschismus seine barbarische und zugleich seine vorläufig modernste Ausdrucksform gefunden hat. Nach 1945 trat diese vorherrschende ideologische Tradition zwar in den Hintergrund, konnte jedoch nicht nur im rechten Parteienspektrum politisch gleichsam 'überwintern'. Weitaus wichtiger war, daß völkische Essentials im Grundgesetz verankert und damit Bestandteil der offiziellen Staatsideologie blieben. Dieter Oberndörfer, einer der vehementesten Kritiker des Völkischen Nationalismus, spricht mit Blick auf den Art. 116 GG von "einem völkischen Kern des Grundgesetzes" (Oberndörfer 1992, S. 25; vgl. auch ders. in FR 20.11.1993 u. Die Zeit 4.2.1994).
Es war das historische Verdienst der Studentenbewegung und der Reformära der 70er Jahre, einer geistigen Haltung bis in die Tiefen des Alltagsbewußtseins hinein Geltung verschafft zu haben, die dem Anliegen des Völkischen Nationalismus diametral entgegensteht. Der Geist der 68er war der eines sinnlichen Materialismus, der die Institutionen der Gesellschaft und die Gesellschaft als Ganzes nur gelten lassen wollte, sofern sie sich vor den Bedürfnissen der Individuen und ihrem Anspruch nach selbstbewußter und gleichberechtigter Regelung ihrer Lebensverhältnisse legitimieren können.
Dieser sinnliche Materialismus war das erklärte Feindbild, mit dem die bürgerliche Wende-Regierung zu Beginn der 80er Jahre antrat (vgl. Dubiel 1985, S. 21ff.). Ökonomische Modernisierung war angesagt, eine kulturelle Restauration als Kompensation für die negativen Folgen einer marktradikalen Wirtschaftspolitik im Angebot. Der "völkische Kern" der Staatsideologie wurde in diesem Sinne reaktiviert und zusammen mit anderen nationalistischen Motiven systematisch zu einem Kampffeld konservativer Politik ausgebaut, bis hin zum vorläufigen Höhepunkt, der Asyldebatte. Der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, die sog. Wiedervereinigung mit ihren z.T. katastrophischen Folgen für den "Industriestandort" Ostdeutschland, der Golfkrieg und die vielerorts beschworene neue Rolle Deutschlands in der Weltpolitik wurden derart thematisiert, daß mittlerweile und in zunehmenden Maße ein völkischer Idealismus zum Grundton (nicht nur) des konservativen Politikerdiskurses geworden ist: Mit Emphase und Pathos werden Volk und Nation herbeizitiert, in Wirklichkeit sind Macht, Herrschaft und die Mehrung des Profits gemeint. Nachdem die Parteilichkeitsapostel des Marxismus-Leninismus mit dem Umbruch von 1989 das Zeitige gesegnet haben, haben nun die Parteilichkeitsapostel des Völkischen Nationalismus Hochkonjunktur. An die Stelle des Bekenntnisses zur "Arbeiterklasse" tritt zunehmend das allgemeine Bekenntnis zur Nation als "Schicksalsgemeinschaft". Nicht das vielbeschworene Ende der Ideologie scheint damit der markante Zug der Zeit zu werden, sondern die Renaissance von Ideologie in ihrer elendigsten Form, nämlich in Gestalt einer sadomasochistischen Ersatzreligion. Diese Entwicklung ist freilich keineswegs abgeschlossen, sie vollzieht sich eher allmählich, zuweilen zugespitzt wie in der Asyldebatte; sie wird immer wieder durchbrochen und durchkreuzt von gegenläufigen Prozessen und Tendenzen. Es gibt eben zur Zeit kein einheitliches Bild, sondern eher eine Art Flickenteppich multipler Kämpfe und Gegenkämpfe.
Nutznießer und zugleich Verstärker der skizzierten Entwicklung, die wohlgemerkt nicht an den Rändern, sondern in der bürgerlichen "Mitte" der Gesellschaft ihren Ausgangspunkt genommen hat, ist das rechtsextreme Lager[1], das immer schon dem Geist des Völkischen Nationalismus pur verpflichtet gewesen ist. Auf dem Hintergrund der sozialen Desintegrationsprozesse und ideologischen Umbrüche, die mit dem neokonservativen Wende-Projekt einhergingen, konnten sich die Republikaner, von ihrem Ursprung her "Fleisch vom Fleische der CDU" (Rohrmoser), als eine Formation herausbilden, in welcher der Völkische Nationalismus eine unverfälschtere, gewissermaßen "integrale" Gestalt annehmen konnte, während er in den Unionsparteien bis heute noch durch gegenläufige Strömungen konterkariert und relativiert wird. Neben diesem Versuch, auf populistischem Wege, über die Bildung von Massenparteien und den Kampf um Parlamentssitze Einfluß zu gewinnen, steht der Versuch des intellektuellen Rechtsextremismus in und außerhalb der rechtsextremen Parteien, in die kulturellen Apparate hineinzuwirken, den Kampf um die kulturelle Hegemonie zu führen.
Wir können und wollen in diesem Buch die Renaissance des Völkischen Nationalismus insgesamt nicht nachzeichnen. Wir konzentrieren uns auf einen Strang innerhalb dieser Entwicklung. Unser Thema ist die Junge Freiheit. Dazu drei Vorbe

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