Christian Riechers

Die Niederlage in der Niederlage

Texte zu Arbeiterbewegung, Klassenkampf, Faschismus

Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Felix Klopotek
ISBN 978-3-89771-453-3
Erscheinungsdatum: März 2009
Seiten: 576
Ausstattung: softcover
28,00 €

Beschreibung

Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Felix Klopotek

Reihe: Dissidenten der Arbeiterbewegung Band 1

Im Mittelpunkt dieses Bandes stehen die linkskommunistische Kritik am beginnenden Stalinismus und mehr noch der Zusammenhang von Arbeiterbewegung und Faschismus.
Inhalt
Der Faschismus wird nicht übermächtig aus eigener Stärke, sondern aus der Schwäche seiner Gegner. Man kann dies als Leitsatz der Essays Christian Riechers’ verstehen. Welchen Anteil haben taktische Fehlentscheidungen und ideologische Phraseologie, exemplarisch verdichtet in den Maßnahmen stalinistischer Gängelung, an der welthistorischen Niederlage der Arbeiterbewegung in den 20er Jahren? Im Mittelpunkt stehen die linkskommunistische Kritik am beginnenden Stalinismus und mehr noch der Zusammenhang von Arbeiterbewegung und Faschismus. Faschismus, womit zunächst der italienische gemeint ist, analysiert Riechers als Ergebnis eines verloren gegangenen – und verloren gegebenen (!) Klassenkampfes. Der Marxismus, so stellt Riechers in der Nachfolge Amadeo Bordigas (erster, noch konsequent kommunistischer Vorsitzender der italienischen KP) fest, ist nicht die Lehre von der Revolution, sondern von der Konterrevolution. Revolutionen machen – das kann jeder! Aber die Niederlagen verkraften, sie verstehen, sich in ihnen zurechtzufinden – dazu bedarf es der feinen Sensoren der Marxschen Kritik. Das ist Riechers’ Credo. In den 70er Jahren, als bundesdeutsche Linksstudenten im fleißigen Parteiaufbau alles taten, um – wahrhaft un-marxistisch – nicht über diese welthistorische Niederlage nachdenken zu müssen, kommt Riechers auf die Frühgeschichte des Faschismus, sozusagen: die italienische Eröffnung, zurück. Er entdeckt Ignazio Silone als brillanten Analytiker, und vor allem rehabilitiert er Amadeo Bordiga: Weder macht Riechers den Bordiga-Kult bizarrer Splittergruppen mit noch schließt er sich dem Mainstream an, in dem Bordiga bloß als halsstarriger Dogmatiker vorkommt. Tatsächlich ist die Penetranz, mit der Bordiga immer wieder der Kommunistischen Internationale ihre Fehleinschätzungen vorwirft, ist das Misstrauen, das er sozialdemokratischen Bündnispartnern im Kampf gegen den Faschismus entgegenbringt, im hohen Maße realistisch.

Christian Riechers (1936-1993) kann man mit Fug und Recht als ersten westdeutschen Gramsci-Forscher bezeichnen. Während Ende der 70er Jahre enttäuschte Linke ihre letzte Zuflucht in den Schriften Antonio Gramscis suchen, geht es Riechers um radikale Kontextualisierung: um die Verortung Gramscis in einem Geflecht aus italienischer Geistesgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts und prä-stalinistischer Parteipolitik. Der erste Gramsci-Forscher ist zugleich der erste Gramsci-Kritiker. Riechers, ein Schüler des Rätekommunisten Willy Huhns, leitete von 1971 bis zu seinem frühen Tod das »Projekt Arbeiterbewegung« an der Universität Hannover. Er lebte zuvor acht Jahre in Italien, wo er Gelegenheit fand, mit Amadeo Bordiga in Kontakt zu kommen. 1978 gab er Ignazio Silones »Der Fascismus« neu heraus.

Felix Klopotek, 1974, lebt und arbeitet als Journalist und Autor (u.a. für Jungle World, KONKRET, WDR) in Köln.

Aus dem Inhalt

Vorwort von Felix Klopotek

Einleitung

Editorischer Bericht

1 Autobiographische Notizen (achtziger Jahre)

2 Übung: »Arbeiterklasse und Faschismus« (I) (1972)

3 Die Ideologie des italienischen Faschismus (1960)

4 Spaniens Mythos des 20. Jahrhunderts (1962)

5 Portugals Kolonialsystem (1962)

6 Das Elitenproblem in vorwissenschaftlich-essayistischer Betrachtung (1962)

7 Arbeitsprogramm (1964)

8 Theorie und Praxis der PCI (1965)

9 Gramscis Gefängnisbriefe (1968)

10 Thesen zur Gramsci-Legende (1970 oder 1971)

11 Antonio Gramsci – eine nicht notwendige Legende (1970)

12 Ottorino Perrones »Die Taktik der Komintern von 1926 bis 1940« (1970 oder 1971)

13 Nachruf auf Amadeo Bordiga (1970)

14 Amadeo Bordiga: Die ökonomische und gesellschaftliche Struktur des heutigen Rußland (1971)

15 Pisa 1971 (1971)

16 Was einem nach längerer Abwesenheit so ein- und auffällt, überfällt (1971)

17 p-mäßiges verhalten (1972)

18 Brief von Amadeo Bordiga an Karl Korsch. Übersetzung und Kommentar (1973)

19 Anmerkungen zum Kampf der italienischen Arbeiterbewegung gegen den Faschismus (1974)

20 Volksfrontpolitik und nationale Frage bis heute (1975)

21 »die sozialwissenschaftler hatten schon längst jeglichen kontakt mit der exakten wissenschaftlichkeit abgebrochen.« (1975)

22 Arbeiterbewegung und Faschismus. Das Beispiel Italien (1976)

23 Rezension: »Arbeiterklasse und Volksgemeinschaft« (1976)

24 Die Ergebnisse der Revolution ›Stalins‹ in Rußland: Romantischer Sozialismus in der Ideologie, gesellschaftlicher Kolchiosianismus anstelle der klassenlosen Gesellschaft (1977)

25 Von welcher Revolution soll die Rede sein, von der Oktoberrevolution oder der Staatsrevolution Stalins? (1977)

26 Ignazio Silones »Der Fascismus« (1978)

27 Replik (1980)

28 Antonio Gramsci und die Intellektuellen (1978)

29 Gramscis ›unbegrenzt haltbare‹ Intellektuellentheorie (1978)

30 Betrieb (1979)

31 Rezension: »Herrschaft und Klassen in der Sowjetgesellschaft« (1980)

32 Der italienische Generalstreik gegen die Faschisten, August 1922 (1981)

33 Willy Huhn (1909-1970) (1981)

34 Gestrige Sitzung zur russischen Außenpolitik (1981)

35 Viel Betrieb (1982)

36 Italienische Landarbeiterbewegungen gegen die Arbeitslosigkeit (1982)

37 Arbeiterbewegung, Kultur und Antimilitarismus (1983)

38 Rezension:»Die Klassenstruktur fortgeschrittener Gesellschaften« (1985)

39 Wunschbilder und Furchtbilder. Über Utopien (1985)

40 Rezension: »Vom Scheitern der deutschen Arbeiterbewegung« (1985)

41 Thesen zum industriellen konstitutionalismus (achtziger Jahre)

42 Der Betrieb (1986)

43 »Glücklich die Publizisten mit der Stirn, die alle Gedanken abstößt, die das ›Ende der Ideologien‹ dekretieren« (1987)

44 Gramsci, die wissenschaftliche Betriebsführung und die Irrtümer der Rationalisierung (1987)

45 Versuch, einem Vielseitigen auf seiner Seite sich zu nähern. Für Karl Nasemann (1988)

46 Über die Permanenz der Kriegsökonomie (1988)

47 »Bei Ferienende kehrt, wer noch nicht erwerbslos ist, in den Betrieb zurück« (1988)

48 Nikolai Bucharins »Theorie des Historischen Materialismus«: Kritiken, marxistische Traditionen, Vermutungen (1988)

49 Filippo Buonarroti: Verschwörer und Gleichheitskommunist (1989)

50 »… und der Staat ihr Unterernährer« (1991)

51 Causa Finita oder von Paris dazulernen? Überlegungen zu einer kritischen Gesamtausgabe der »Gefängnishefte« Antonio Gramscis (1991)

52 »Antonio Gramsci. Marxismus in Italien« – 24 Jahre später (1991 oder 1992)

53 Amadeo Bordiga: Unperson, Abweichler, Altmarxist (1992)

Bibliographie

Thematisches Inhaltsverzeichnis

Personenindex

Abkürzungen

Autor_innen

Christian Riechers

Christian Riechers (1936-1993) kann man mit Fug und Recht als ersten westdeutschen Gramsci-Forscher bezeichnen. Während Ende der 70er Jahre enttäuschte Linke ihre letzte Zuflucht in den Schriften Antonio Gramscis suchen, geht es Riechers um radikale Kontextualisierung: um die Verortung Gramscis in einem Geflecht aus italienischer Geistesgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts und prä-stalinistischer Parteipolitik. Der erste Gramsci-Forscher ist zugleich der erste Gramsci-Kritiker. Riechers, ein Schüler des Rätekommunisten Willy Huhns, leitete von 1971 bis zu seinem frühen Tod das »Projekt Arbeiterbewegung« an der Universität Hannover. Er lebte zuvor acht Jahre in Italien, wo er Gelegenheit fand, mit Amadeo Bordiga in Kontakt zu kommen. 1978 gab er Ignazio Silones »Der Fascismus« neu heraus.


Felix Klopotek

Felix Klopotek, 1974, lebt und arbeitet als Journalist und Autor (u.a. für Jungle World, KONKRET, WDR) in Köln.


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