Eine aktuelle linke Bestandsaufnahme zur Rolle und zum Selbstverständnis ›Deutschlands‹ im 21. Jahrhundert
Gerhard Hanloser (Hg.)

Deutschland.Kritik

ISBN 978-3-89771-575-2
Erscheinungsdatum: März 2015
Seiten: 368
Ausstattung: softcover
18,00 €

Beschreibung

Deutschland scheint geläutert vor seiner Geschichte zu stehen: man gedenkt routiniert der Vergangenheit, spricht sich staatsoffiziell gegen Antisemitismus aus, preist sich, Lehren aus der jüngsten Vergangenheit gezogen zu haben. Die Deutschen – ein Volk der Gutmenschen?

Einst war es die Aufgabe der historischen Linken, gegen Militarismus, Imperialismus, Nationalismus und Ausbeutung im eigenen Land scharf Stellung zu beziehen. 1990 demonstrierten noch Tausende gegen ein drohendes ›4. Reich‹, das die übelste Tradition Deutschlands wieder aufleben lassen könnte. Doch wo ist die linke Kritik an Deutschland geblieben? Welche Deutschlandkritik wurde historisch formuliert und wie müsste eine aktuelle Gesellschaftskritik beschaffen sein, damit sie die wirklichen Widersprüche in den Blick bekommt? Pegida, Afd, moderner und neuer Antisemitismus, ›Leitdebatte‹, ›Islamkritik‹, Ukraine, Deutschland und die EU, Griechenlandkrise und ihre Folgen ... - was sagt die kritische Linke dazu?

Autorinnen und Autoren der undogmatischen, antiautoritären und an der Kritischen  Theorie geschulten Linken formulieren eine aktuelle Kritik der herrschenden Zustände, lassen vergangene Versuche Revue passieren, sich mit ›Deutschland‹ auseinanderzusetzen, und bieten so eine differenzierte Gesellschaftskritik aktueller deutscher Verhältnisse.

Es schreiben u.a.  Thomas Konicz, Detlef Hartmann, Ulrike Heider, Moshe Zuckermann, Gerhard Hanloser, Bernard Schmid, Philippe Kellermann, Karl Reitter, Michael Koltan, Christoph Jünke, Markus Mohr, Ilse Bindseil.

Autor_innen

Gerhard Hanloser

Gerhard Hanloser hat Soziologie, Geschichte, Pädagogik und Deutsch studiert, lebt und arbeitet in Berlin und vertreibt sich die Zeit mit Privatstudien u.a. zum Antisemitismus, der Neuen Linken und dissidenten Strömungen der Arbeiterbewegung.


Michael T. Koltan

Michael Koltan lebt in Freiburg. Seine unguten Vorlieben für Bewegungsgeschichte, Philosphie und Rock'n'Roll finanziert er, indem er seine Arbeitskraft als Softwareentwickler verkauft.


Bernhard Schmid

Bernhard Schmid, geboren 1971, lebt in Paris, Dr. iur., arbeitete von 2007 bis 2014 als angestellter Jurist bei einer antirassistischen Nichtregierungs-Organisation, danach 2014/15 als juristischer Berater für die CGT (den stärksten französischen Gewerkschaftsdachverband). Im Jahr 2016 arbeitet er an seiner Niederlassung als Anwalt, die voraussichtlich bis Jahresende erfolgt. Daneben ist er nebenberuflich als freier Journalist tätig und Autor mehrerer Bücher, darunter ›Algerien – Frontstaat im globalen Krieg?‹ und ›Das koloniale Algerien und Frankreich in Afrika. Eine Neokolonialmacht in Europa im 21. Jahrhundert.‹ Seine Themenschwerpunkte sind die extreme Rechte in Frankreich und Europa, Algerien und das französischsprachige Afrika, Gewerkschaften und soziale Bewegungen in Frankreich.


Moshe Zuckermann

Moshe Zuckermann, 1949 in Tel-Aviv geboren, lebte zwischen 1960 und 1970 in Deutschland (Frankfurt am Main). Nach seiner Rückkehr nach Israel Studium der Soziologie, Politologie und Geschichte an der Universität Tel-Aviv. Lehrt seit 1990 am Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas (TAU). 2000–2005 Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte (TAU). 2009–2013 akademischer Leiter der Sigmund-Freud-Privatstiftung in Wien. Forschungsschwerpunkte: Geschichte und Philosophie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften; Frankfurter Schule; Ästhetische Theorie und Kunstsoziologie; der Einfluss der Shoah auf die politischen Kulturen Israels und Deutschlands.


Ilse Bindseil

Ilse Bindseil, 1945 geboren, lebt in Berlin als Lehrerin und Autorin, Redakteurin bei „Ästhetik und Kommunikation“. Philosophie, Gesellschaftstheorie und "schöner" Literatur gilt ihr Interesse. Veröffentlichungen u.a. "Elend der Weiblichkeit, Zukunft der Frauen", "Marielle und die Revolution. Ein utopischer Schelmenroman". Sie ist Mitherausgeberin von "Frauen 1-6" (sämtlich beim ça ira-Verlag Freiburg).


Detlef Hartmann

Detlef Hartmann, Jg. 1941, seit Ende der 1960er ununterbrochen aktiv in sozialen, insbesondere Häuserkämpfen, immer in offener Gegnerschaft gegen formelle Parteibildungen, marxistische Orthodoxie und den Glauben an die Möglichkeit kampfunabhängiger objektiver wissenschaftlicher Erkenntnis.
Nach Studium in Hamburg und Berkeley, einem Zentrum der 68er Revolten und Bewegung gegen den Vietnamkrieg, Anwaltstätigkeit in Köln vor allem im Kontext der Kämpfe gegen Stadtsanierung, Vertreibung, Psychiatrie, Ausländerpolitik. Ehemaliger Mitarbeiter der Zeitschrift Autonomie und danach bis heute im Redaktionskollektiv der Materialien für einen neuen Antiimperialismus.
Buchveröffentlichungen u a. Leben als Sabotage, »Empire« – linkes Ticket für die Reise nach rechts, Cluster – Die neue Etappe des Kapitalismus, Krisenlabor Griechenland. Ausgewählter Überblick über sonstige Publikationen in www.materialien.org


Markus Mohr

Markus Mohr kam etwa drei Monate, bevor Adolf Eichmann in Ramla gehenkt wurde, auf die Welt. Hat das in der Schule gelernte Lied »Hevenu shalom alejim« bis auf den heutigen Tag nicht verlernt. Verteidigte die besetzten Häuser in der Hamburger Hafenstrasse wie ein kleiner Satan, auch wenn ihm dort das wie die DDR zuvor in Anführungsstriche gesetzte »Israel« schon damals »spanisch« vorkam. Hatte deswegen mit einer begehrenswerten Genossin großen Krach. Demonstrierte Ende 1988 für die Intifada in den besetzten Gebieten Palästinas. Wünscht sich auch heute noch sehr, dass alle Christen, Juden und Muslime oder im Quantensprung noch besser: alle Ungläubigen in der Region Israel / Palästina, wenn auch nicht immer frei von Konflikten, so aber doch – ob mit oder ohne Staat – irgendwie notfalls auch im faulen Frieden und ohne jede Form von Apartheid leben können.


Karl Reitter

Karl Reitter: Seit Jahren externer Lektor an der Universität Wien, Institut für Philosophie. Mitherausgeber der Zeitschrift grundrisse, www.grundrisse.net. Autor zahlreicher Artikel zu sozialphilosophischen und politischen Themen. E-Mail: k.reitter (ät) gmx.net


Philippe Kellermann

Philippe Kellermann, geb. 1980, lebt in Berlin. Neben diversen Texten, hauptsächlich in den Zeitschriften ›Grundrisse‹ (Wien) und ›Graswurzelrevolution‹ (Münster), veröffentlichte er das Buch ›Marxistische Geschichtslosigkeit‹ (Edition AV, 2011) und ist Herausgeber von: Begegnungen feindlicher Brüder, ›Anarchismus, Marxismus, Emanzipation‹ und fungiert als Herausgeber diverser klassischer Schriften des Anarchismus in der Unrast-Reihe Klassiker der Sozialrevolte (u.a. Bakunin, Malatesta, Mühsam).


Tomasz Konicz

Tomasz Konicz ist freier Journalist und schreibt u.a. regelmäßig für Konkret und Telepolis.


Christoph Jünke

Dr. Christoph Jünke, Jg.1964, lebt in Bochum, Historiker und Publizist , zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrgebiet Neuere deutsche und Europäische Geschichte an der Fern-Universität Hagen und Vorsitzender der Leo Kofler-Gesellschaft e.V. (www.leo-kofler.de).
Er war viele Jahre Redakteur der sozialistischen Zeitung SoZ sowie der Sozialistischen Hefte. Als Historiker hat er nicht nur eine umfangreiche Monografie über einen ost-westlichen Dissidenten des Sozialismus, Leo Kofler vorgelegt, sondern neben einem wichtigen Tagungsband zum Linkssozialismus auch eine publizistische Attacke gegen die stalinoiden Sympathien des linken Feuilletons mit den absurd-altstalinistischen Thesen des italienischen Historikers Luciano Canfora geritten. Autor von Sozialistisches Strandgut. Leo Kofler – Leben und Werk (1907-1995), Hamburg 2007, sowie Der lange Schatten des Stalinismus. Sozialismus und Demokratie gestern und heute, Köln 2007. Als Herausgeber erschienen zuletzt Linkssozialismus in Deutschland. Jenseits von Sozialdemokratie und Kommunismus?, Hamburg 2010, sowie Begegnungen mit Leo Kofler. Ein Lesebuch, Köln 2011.


Anne Seeck

Anne Seeck, geb. 1962, nach Abbruch eines staatlich zugewiesenen Studiums subkulturell in Dresden-Neustadt und Ostberlin unterwegs, 1988 Ausreiseantrag, 1989 Übersiedlung nach Westberlin, von 1990-1996 Studium an der Freien Universität, Diplompädagogin und in der politischen Bildung aktiv, ebenso in der Erwerbslosen- und anderen sozialen Bewegungen.


Ulrike Heider

Ulrike Heider, geb. 1947, wuchs in Frankfurt am Main auf und studierte dort Politik und Germanistik. 1978 promovierte sie an der J.-W.- Goethe-Universität Frankfurt. Von 1976 bis 1982 war sie Lehrbeauftragte an der Gesamthochschule Kassel und der J.-W.-Goethe-Universität Frankfurt. 1988 zog sie nach New York und war Visiting Scholar an der Columbia University. Seither lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin und New York. Sie schrieb Bücher, Essays und Radiosendungen zu den Themen Schüler- und Studentenbewegung, Anarchismus, afroamerikanische Politik und Sexualität. Der autobiographische Roman „Keine Ruhe nach dem Sturm“ gilt als authentischer Beitrag zur Geschichte der 68er-Bewegung. Letzte Veröffentlichung: ›Vögeln ist schön. Die Sexrevolte von 1968 und was von ihr bleibt.‹


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Hintergrundinfos


Jens Wernicke spricht mit Gerhard Hanloser über dessen Buch Deutschland.Kritik – »einer differenzierten Bestandsaufnahme dringend notwendiger undogmatischer und antiautoritärer Kritik an jenen deutschen Verhältnissen, die man uns ob ihrer Grausamkeit so gern als ›alternativlos‹ zu verkaufen sucht und deren Analyse und Kritik seit jeher zu den Kernaufgaben der NachDenkSeiten gehört.« –  Zum Interview ...