Das Buch analysiert Dissidenz in der DDR, beginnend mit den Protesten gegen den Einmarsch in Prag 1968, über die Punkbewegung in den 1980er Jahren bis hin zu rebellischen Aktivitäten von Betriebsbelegschaften im Herbst 1989.
Anne Seeck (Hg.)

Das Begehren, anders zu sein

Politische und kulturelle Dissidenz von 68 bis zum Scheitern der DDR

ISBN 978-3-89771-530-1
Erscheinungsdatum: Oktober 2012
Seiten: 304
Ausstattung: softcover
18,00 €

Beschreibung

Ohne Angst verschieden sein – Freiräume und Eigensinn in der DDR


Der Band entwirft einen Spannungsbogen der DDR-Realität, der der heutigen Linken weitgehend unbekannt ist. Dieser reicht vom DDR-Punk als ›großartigem Experimentierfeld‹ bis zur Biografien zerstörenden Stasi-Methode der Zersetzung, vom „anders sein“ als Abwehr DDR-spezifischen Stumpfsinns industriegesellschaftlicher Arbeit bis zu kaum bekannten Migrationserfahrungen.

"Die Linke hat sich in den letzten zwanzig Jahren kaum mit der DDR beschäftigt, dieses Buch richtet sich an eine linke Öffentlichkeit. Die Linke hat so gut wie nichts zur Aufarbeitung der DDR beigetragen. Sie reagiert nur mit Abwehr auf den Vergleich 'der zwei deutschen Diktaturen'. Es ist mir ein inneres Bedürfnis, mit Geschichtsmythen, mit denen auch ich in der Linken konfrontiert bin, aufzuräumen."
Aus dem Vorwort

"Das Buch zeigt insgesamt eine faszinierende Bandbreite von kulturellem dissidenten Verhalten. Der Herausgeberin ist es hoch anzurechnen, dass sie wirklich alle subkulturellen Wege nachzeichnet."

wildcat '94, Frühjahr 2013

Autor_innen

Anne Seeck

Anne Seeck, geb. 1962, nach Abbruch eines staatlich zugewiesenen Studiums subkulturell in Dresden-Neustadt und Ostberlin unterwegs, 1988 Ausreiseantrag, 1989 Übersiedlung nach Westberlin, von 1990-1996 Studium an der Freien Universität, Diplompädagogin und in der politischen Bildung aktiv, ebenso in der Erwerbslosen- und anderen sozialen Bewegungen.


Uta Beth

Uta Beth, Jg. 1941, studierte Germanistik, Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte, Soziologie und Psychologie in Hamburg und Wien. Von 1981-1997 war sie Redaktionsleiterin für Kinderprogramme bei RIAS und Deutschlandradio Berlin. Ihre Arbeit als Autorin, Regisseurin und Redakteurin wurde mit diversen Auszeichnungen gewürdigt.


Bernd Eisenfeld

Bernd Eisenfeld, Jg. 1950, Bankkaufmann, Studium an der Fachschule für Finanzwirtschaft in Gotha. 1968 protestierte er gegen die Niederschlagung des 'Prager Frühlings', Verurteilung und Inhaftierung in Berlin-Rummelsburg, Cottbus und im Gelben Elend Bautzen I. 1975 folgte die Ausreise nach Westberlin. Ab 1985 arbeitete er beim Gesamtdeutschen Institut, gefolgt von der Arbeit bei der Bundeszentrale für politische Bildung, seit 1992 bei der Gauck-Behörde. Er verstarb am 12. Juni 2010.


Bernd Gehrke

Bernd Gehrke, Jg. 1950, Politökonom. 1978 wegen oppositionelle-kommunistischer Gruppenbildung von der Akademie der Wissenschaften der DDR geflogen, SED-Ausschluss und Berufsverbot. Mitbegründer der Grünen Liga und der Initiative für eine vereinigte Linke. Seit 2003 im AK Geschichte sozialer Bewegung Ost/West engagiert. Veröffentlichte zahlreiche Artikel und Bücher zur DDR. Publikationen: Artikel und Bücher zur DDR-Geschichte, Mitherausgeber von 1968 und die Arbeiter. Studien zum »proletarischen Mai« in Europa (2007 mit Gerd-Rainer Horn).


Henryk Gericke

Henryk Gericke, Jg. 1964, lebt und arbeitet in Berlin als Autor, DJ und Betreiber der Staatsgalerie Prenzlauer Berg. War in den achtziger Jahren Sänger der ostberliner Punkband Die Leistungsleichen und zur gleichen Zeit Autor und Herausgeber unabhängiger Editionen in der DDR unter dem Pseudonym Vrah Toth. 1990 Mitbegründer des Berliner Verlags Druckhaus Galrev. Seit 1993 ist er freier Autor, schreibt zahlreiche Bücher und kuratiert Ausstellungen zur Künsterlszene in Ostberlin.


Renate Hürtgen

Dr. Renate Hürtgen, Jg. 1947, Ostberlin, Ausbildung am Institut für Lehrerbildung (1964 – 1967), Studium der Kulturwissenschaft und Ästhetik an der Humboldt-Universität zu Berlin (1970 – 1974), Promotion Dr. phil., Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR, Bereich Philosophiegeschichte, aktiv in der Opposition, 1989 Mitbegründerin der Initiative für eine Unabhängige Gewerkschaft, bis heute in verschiedenen betrieblichen und sozialen Bewegungen tätig, Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam (bis 2012), zahlreiche Publikationen zu den Themen: Sozialgeschichte der DDR, Gewerkschaften, Frauen, Betriebsalltag, Arbeitergeschichte, Angestellte im DDR-Industriebetrieb, Stasi in der Produktion, betriebliche Wende, Antragsteller auf Ausreise aus der DDR und Alltag in der DDR-Provinz und Herrschaft im DDR-Betrieb, Mitglied des Arbeitskreises Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West, der regelmäßig Veranstaltungen im Haus der Demokratie und Menschenrechte abhält.


Thomas Klein

Dr. Thomas Klein, geb. 1948, Mathematikstudium an der Humboldt-Universität Berlin, 1976 Promotion, seit 1973 an der Akademie der Wissenschaften derDDR, 1979/ 80 Haftstrafe wegen oppositioneller Tätigkeit. Nach Haftentlassung Berufs- und Publikationsverbot sowie Arbeitsplatzbindung im VEB Möbelkombinat, 1989 Gründungsmitglied der Vereinigten Linken, ab März 1990 fraktionsloser Abgeordneter in der Volkskammer, von Oktober bis Dezember 1990 im Bundestag, 1991/92 Mitarbeiter im Bundestag, seit 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Publikationen: U.a. »Für die Einheit und Reinheit der Partei« – Die innerparteilichen Kontrollorgane der SED in der Ära Ulbricht (2002), »Frieden und Gerechtigkeit« – Die Politisierung der unabhängigen Friedensbewegung in Ost-Berlin während der 80er Jahre (2007), SEW – Die Westberliner Einheitssozialisten. Eine »ostdeutsche« Partei als Stachel im Fleische der »Frontstadt«? (2009).


Sven Korzilius

Dr. Sven Korzilius, Jg. 1973, Rechtsanwalt und Historiker, Studium der Rechtswissenschaften und der Geschichte an der Universität Saarbrücken und Lissabon. Thema seiner 2005 veröffentlichten Dissertation war: 'Asoziale' und 'Parasiten' im Recht der SBZ/DDR. Randgruppen im Sozialismus zwischen Repression und Ausgrenzung. Seit 2011 DAAD-Fachlektor in der Universität von Saõ Paulo.


Dirk Moldt

Dirk Moldt, Historiker, in den achtziger Jahren Engagement in Offene Arbeit, Kirche von unten Berlin und Veröffentlichung von Texten und Karikaturen in DDR-Samisdat. Ab 1997 Studium der Geschichte und Osteuropastudien/Soziologie in Berlin und Jena mit anschließender Promotion. Seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Museum Berlin.


Bert Papenfuß

Bert Papenfuß, Jg. 1956, Elektronikfacharbeiter, Ton- und Beleuchtungstechniker, seit 1980 freischaffend, arbeitet als Dichter seither mit Malern und Musikern zusammen. Erhielt für seine Arbeit mehrere Preise und ist derzeit Mitbetreiber der Kulturspelunke Rumbalotte continua.


Sandra Pingel-Schliemann

Dr. Sandra Pingel-Schliemann ist Politikwissenschaftlerin aus Schwerin, freiberufliche Autorin, Lektorin, Kuratorin, nach dem Studium Dissertation zum Thema: Zersetzen. Strategie einer Diktatur (2002).


Michael Rauhut

Dr. phil. Michael Rauhut, Jg. 1963, studierte Musik- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität mit anschließender Promotion. Seit 2008 ist er Professor für populäre Musik am Institut für Musik der Universität Agder in Kristiansand (Norwegen). Er hat zahlreiche Publikationen zur DDR-Rockgeschichte veröffentlicht.


Reinhard Schult

Reinhard Schult, Jg. 1951, Maurerausbildung und Abitur, 1979-80 Freiheitsstrafe wegen 'Verbreitung illegaler Literatur', in den achtziger Jahren Engagement in der Bürgerrechtsbewegung. Gründungsmitglied des Neuen Forums, dessen Bundesvorstand er heute noch angehört. Er berät Opfer des DDR-Unrechts in Rehabilitationsfragen.


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