Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und virulentes Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt.
Markus End, Kathrin Herold, Yvonne Robel (Hg.)

Antiziganistische Zustände

Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments

ISBN 978-3-89771-489-2
Erscheinungsdatum: Mai 2009
Seiten: 284
Ausstattung: softcover
18,00 €

Beschreibung

Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und virulentes Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt.

Gleichzeitig mangelt es an politischen und theoretischen Analysen. Das gilt auch für eine linke Kritik, die oft nicht über moralische Empörung hinaus geht. Dieser Sammelband soll zu einer breiteren und differenzierteren Diskussion und Kritik des Antiziganismus beitragen. Neben unterschiedlichen gesellschaftstheoretischen Ansätzen werden internationale Fallstudien zu Italien, Kosovo und Rumänien ebenso bearbeitet wie der Bereich medialer Repräsentationen und die Verwerfungen im bundesdeutschen Gedenken an den nationalsozialistischen Massenmord. Eine Kritik der Mehrheitsgesellschaft tritt hierbei an die Stelle eines nicht selten antiziganistischen Schreibens über Roma.

 

"Die verschiedenen Aufsätze machen sehr deutlich, wie stark die antiziganistischen Zuschreibungen und Stereotype auf Projektionen und Zuschreibungen der Mehrheitsgesellschaft an die Minderheit beruhen."
Empfehlung Fachbuch, lernen-aus-der-geschichte.de

"Der Band leistet einen wichtigen Beitrag in der Auseinandersetzung mit der kaum reflektierten Diskriminierung von Sinti und Roma."
Jan Schapira in HUch! #61/Themen-Schwerpunkt Antiziganismus

"Dieses Buch, das die Unzulänglichkeiten der linken Parteien und eine Bilanz der Verbrechen wieder thematisiert, ist bereichert mit historischen, ethnologischen und soziologischen Studien. Mit viel Platz für aktuelle Polemiken."
Lionel Richard in Le Monde Diplomatique, Octobre 2009

"Äußerst empfehlenswert ist der Beitrag von Dirk Auer über die Roma im Kosovo. Die systematische Vertreibung der Roma des Kosovo durch die Mehrheitsbevölkerung und die völlige Zerstörung der Roma-Mahallas, die Quasi-Inhaftierung der Roma im bleiverseuchten Flüchtlingslager nördlich von Mitrovica, dies alles unter Duldung der KFOR nach Ende des bewaffneten Konflikts, sind kaum ins Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit gedrungen. Bis heute ist die Haltung der Internationalen Gemeinschaft inklusive der Europäischen Union zu dieser Katastrophe von mangelnder Wahrnehmung und vollkommenem Versagen geprägt.
Der Beitrag von Auer zeigt wesentlich deutlicher und eindrücklicher als jegliche diskurstheoretische Abhandlung, wie allgegenwärtig und fundamental in Europa die Feindseligkeit gegen Roma und das Desinteresse an ihrem Schicksal tatsächlich ist."

Peziza Cech in: Romano Centro Heft Nr. 67, Mai 2010

Autor_innen

Markus End

Markus End ist Diplom-Politologe und promoviert derzeit an der Technischen Universität Berlin zu Struktur und Funktionsweise des modernen Antiziganismus. Nebenbei arbeitet er in der politischen Erwachsenenbildung und als wissenschaftlicher Autor, u.a. für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, den Amaro Drom e.V. und das Phiren Amenca Netzwerk.
Per Email ist er unter markus.end(at)googlemail.com zu erreichen.


Kathrin Herold

Kathrin Herold, geboren 1977, hat Kulturwissenschaften, Soziologie und Romanistik in Bremen und Madrid studiert. Sie beschäftigt sich mit Theorien und Praxen zu Antirassismus, Antifaschismus und Erinnerungs- und Gedenkpolitik. Sie ist tätig im Bereich politischer Bildungsarbeit, u.a. an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg sowie für die Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen.


Yvonne Robel

Yvonne Robel, geboren 1977, studierte Ethnologie, Kulturwissenschaften und Ost-/ Südosteuropawissenschaften in Leipzig und Halle. Sie beschäftigt sich u.a. mit vergleichender Genozidforschung und der Verbindung von Geschichtspolitik und Antiziganismus. Jüngste themennahe Veröffentlichungen zu Dokumentarfilmen zum Genozid an Roma und Sinti (in: Bruns et.al.: “Welchen der Steine du hebst”, 2011) und zu Johann Trollmann in der gegenwärtigen Erinnerung (gem. mit Kathrin Herold, in: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 14, 2012).


Dirk Auer

Dirk Auer, geboren 1970, Studium der Sozialwissenschaften in Oldenburg und Bremen. Ab 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie und Sozialforschung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Nach der Promotion (2003) Lehrbeauftragter und freie journalistische Arbeit. Lebt seit 2006 als freier Korrespondent in Sofia, von wo aus er über die verschiedenen Länder des Balkans berichtet. Mitgründer von balkan |biro und Mitglied des Korrespondentennetzwerks n-ost. Wiss. Veröffentlichungen u.a.: Arendt und Adorno (hg. mit Julia Schulze Wessel und Lars Rensmann), Suhrkamp: Frankfurt am Main 2003; Politisierte Demokratie. Richard Rortys politischer Antiessentialismus, VS Sozialwissenschaften: Wiesbaden 2004.


Djevdet Berisa

Djevdet Berisa ist Gründungsmitglied und Vorsitzender des Vereins Romane Aglonipe e.V., Delegierter im Forum der Roma, Ashkali und Ägypter bei der GfbV, Mitinitiator des Roma-Forum in Niedersachsen.


Ines Busch

Ines Busch, geboren 1975, studiert Soziologie und Volkskunde an der Universität Hamburg. Ihr Interesse gilt der Analyse gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse sowie Möglichkeiten von Widerstand.


Rafaela Eulberg

Rafaela Eulberg arbeitet als Forschungsmitarbeiterin am Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern gegenwärtig zur Diaspora hinduistischer Tamilinnen und Tamilen in der Schweiz. Bei dieser und weiteren Forschungsarbeiten legt sie ihren Fokus auf genderrelevante Aspekte. In und neben ihrem Studium der Vergleichenden Religionswissenschaft, Psychologie und des Alten Testaments und der Theologischen Frauenforschung an der Universität Bonn beschäftigte sie sich mit Gender-Theorien. Ihre Magisterarbeit hat sie zu den Wallfahrten katholischer Sinti und Roma in Europa verfasst.


Malte Kleinschmidt

Malte Kleinschmidt, geboren 1983 in Oldenburg, studiert Philosophie, Soziologie und Musikwissenschaften in Bremen; antirassistischer Aktivist.


Katrin Lange

Katrin Lange hat in Bremen Psychologie studiert. Sie hat mehrere Jahre in Italien und Albanien verbracht und dort in Gemeindediensten für seelische Gesundheit und zur Reform psychiatrischer Institutionen gearbeitet. Gegenwärtig arbeitet sie bei einem Fortbildungs- und Projekteträger im Bereich ambulanter Psychiatrie in Bremen. Sie ist seit vielen Jahren in antirassistischen Initiativen aktiv, u.a. mehrjährige Mitarbeit im Roma-Bündnis-Nordwest.


Petra Maurer

Petra Maurer, geboren 1969, hat Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaft in Heidelberg und Bremen studiert. Dort lebt sie seit 1998 in einer Stadtkommune. Sie ist Mutter von zwei Kindern und arbeitet als prekär beschäftigte freie Pädagogin in Kindergruppen, Schulen und in einem Kinder- und Jugendbuchladen. Seit 1989 beschäftigt sie sich in verschiedenen Gruppen und als politische Aktivistin mit dem Thema Antiziganismus.


Jan Severin

Jan Severin hat Geschichte, Soziologie und Ethnologie in Berlin studiert und sich in seiner Magisterarbeit mit Antiziganismus in der deutschsprachigen Ethno-logie befasst. Zur Zeit bereitet er ein Dissertationsprojekt zur Bedeutung von Maskulinität in den deutschen Kolonien vor. Er ist Mitglied von reflect! - Asso-ziation für politische Bildung und Gesellschaftsforschung.


Roswitha Scholz

Roswitha Scholz, geboren 1959, Sozialpädagogin, Studium querbeet durch die Sozial- und Geisteswissenschaften, zweiter Bildungsweg, freie Publizistin, Redaktionsmitglied der Theoriezeitschrift EXIT. Buchveröffentlichungen: Das Geschlecht des Kapitalismus (2000), Differenzen der Krise - Krise der Differenzen (2005), etliche Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften, Arbeitsschwerpunkte: Soziale Ungleichheit, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus, Postmoderne und Zeitgeist, zur Zeit arbeitet sie zum Verhältnis: Gesellschaftliche Form – konkrete Totalität – Dialektik.


Klaus Strempel

Klaus Strempel war bis 2002 hauptamtlicher Mitarbeiter im Kulturzentrum Pavillon, er ist ehrenamtlich tätig im Netzwerk Flüchtlingshilfe und Menschenrechte, Mitinitiator des Roma Support Project.


Anda Nicolae Vladu

Anda Nicolae Vladu, geboren 1983 in Braşov (Rumänien), lebt seit ihrem 13. Lebensjahr in Deutschland. Sie studiert Frankoromanistik und Slavistik in Bremen und Oldenburg; antirassistische Aktivistin.


Leserstimmen

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Hintergrundinfos

 

Hier die (umfassendere) Bibliografie zu Band 2


 

Interview unseres Autors Markus End mit der Deutschen Welle vom 11.01.2014: "Antiziganismus prägt Zuwanderungsdebatte"