A.G. GENDER-KILLER (Hg.)

Antisemitismus und Geschlecht

Von ›effeminierten Juden‹, ›maskulinisierten Jüdinnen‹ und anderen Geschlechterbildern

ISBN 978-3-89771-439-7
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Seiten: 286
Ausstattung: softcover
18,00 €

Beschreibung

»Eine außergewöhnliche Publikation. Wir brauchen mehr davon!« – Rosa Reitsamer, Malmoe 31, Frühjahr 2006


Die Beiträge dieses interdisziplinären Sammelbandes erkunden den Zusammenhang verschiedener antisemitischer Geschlechterbilder. Sie zeigen, mit welchen Codierungen und Normvorstellungen gearbeitet wurde, um den ›jüdischen‹ Körper als anderen zu stigmatisieren. Verdeutlicht wird so, dass sich Antisemitismus und Geschlecht nicht nur am Rande berühren, sondern dass Geschlecht zentral für das Funktionieren antisemitischer Stereotype und Hassfiguren war. Einheitliche Stereotype vom ›deutschen‹ Mann und von der ›deutschen‹ Frau standen widersprüchlichen Bildern des ›Jüdischen‹ gegenüber. Der ›jüdische‹ Körper sei paradox gespalten: männlich und weiblich zugleich. Die Folge sind Bilder, die vom effeminierten ›jüdischen‹ Mann bis zum ›jüdischen Vergewaltiger‹ und Mädchenhändler, von der ›schönen Jüdin‹ bis zum ›jüdischen Mannweib‹ reichen. Dabei wird deutlich, dass diese Bilder nicht als singuläre existieren können, sondern dass sie aufeinander angewiesen sind und ihre Kraft nur durch ihr Zusammenspiel entfalten. Geschlechterbilder, so zeigen die Untersuchungen u.a. aus historischer, kunst- und sozialwissenschaftlicher Perspektive, ziehen sich nicht zufällig als roter Fadern durch die antisemitischen Darstellungen. Gerade mit ihrer Hilfe kann die (biologische) ›Andersheit‹ von Juden und Jüdinnen artikuliert und (re-)produziert werden.


Aus dem Inhalt:

A.G.Gender-Killer
Geschlechterbilder im Nationalsozialismus. Eine Annäherung an den alltäglichen Antisemitismus

Christina von Braun
Der Körper des "Juden" und des "Ariers" im Nationalsozialismus

Klaus Hödl
Genderkonstruktion im Spannungsfeld von Fremd- und Selbstzuschreibung. Der "verweiblichte Jude" im diskursiven Spannungsfeld im zentraleuropäischen Fin de Siècle

Meike Günther
Wider die Natur: Zur Verkörperung antisemitischer Stereotype durch Geschlechterkonstruktionen

Hildegard Frübis
Repräsentationen "der“ Jüdin – Konzepte von Weiblichkeit und Judentum in der Jüdischen Moderne

Eva-Maria Ziege
Die Bedeutung des Antisemitismus in der Rezeption der Mutterrechtstheorie

Elke Frietsch
Der trojanische Königssohn im Polohemd. Sind die Darstellungen des "Parisurteils" aus der Zeit des 'Dritten Reiches' 'spezifisch nationalsozialistisch'?

Jeanette Jakubowski
Walsers Griff in die antisemitische Mottenkiste oder die verführerische Macht der jüdinnen- und judenfeindlichen Stereotype

Bini Adamczak
Antisemitismus dekonstruieren? Essentialismus und Antiessentialismus in queerer und antinationaler Politik

Michael Moreitz
Judenfeindschaft in der Deutschen Geschichte und Gegenwart

Autor*innen

A.G. GENDER-KILLER

A.G. GENDER-KILLER ist der Versuch seit 2001 mit Vorträgen, Filmvorführungen und Aktionen zu den Themenkomplexen Sexismus und Geschlechterkonstruktion sowohl theoretisch als auch praktisch zu intervenieren. Es geht uns vor allem darum, den politischen Gehalt und die Funktion der Geschlechtsidentitäten innerhalb gesellschaftlicher Strukturen zu entlarven, zu destabilisieren, ihre scheinbare "Natürlichkeit" in Frage zu stellen und sie in Verschränkung mit anderen Verhältnissen zu analysieren.


Michael Moreitz

Michael Moreitz, Politikwissenschaftler (Studium der Politischen Wissenschaft, Philosophie und Psychologie), Gastdozent für Interkulturelle Sozialarbeit, Politik und Soziologie an der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin, unterrichtet Soziologie an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Deutsche Geschichte der Neueren und Neuesten Neuzeit, Geschichte des Antijudaismus/Antisemitismus, Geschichte des Rassismus, Nationalsozialismus, Rechtsradikalismus.


Bini Adamczak

Foto: Chris Grodotzki / jib collectiveBini Adamczak, 1979, arbeitet als freie (lies: prekäre) Autorin und Künstlerin in Berlin. 2004 erschien Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird, dessen englische Übersetzung 2017 einen antikommunistischen Shitstorm in der US-Rechten auslöste. 2007 veröffentlichte sie Gestern Morgen. Über die Einsamkeit kommunistische Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft. 2017 folgten Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom möglichen Gelingen der Russischen Revolution sowie Beziehungsweise Revolution, 1917, 1968 und kommende. Bini Adamczak ist Mitglied der ›jour fixe initiative berlin‹.


Christina von Braun

CHRISTINA VON BRAUN, Prof. Dr. phil., Kulturtheoretikerin, Autorin und Filmemacherin. l944 in Rom geboren, in Deutschland und England zur Schule gegangen. Studium in den USA und Deutschland. Von l969 bis l98l in Paris ansässig als freischaffende Autorin und Filmemacherin. Ab 1988 Lehrtätigkeit an verschiedenen deutschen, österreichischen, französischen und amerikanischen Universitäten in den Bereichen Philosophie, Theaterwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Literaturwissenschaft. Von 1991-1993 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Seit 1994 Professorin für Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mehr als fünfzig Filmdokumentationen und Fernsehspiele zu kulturgeschichtlichen Themen. Zahlreiche Bücher und Aufsätze über das Wechselverhältnis von Geistesgeschichte und Geschlechterrollen. Forschungsschwerpunkte: Gender, Medien, Religion und Moderne, Geschichte des Antisemitismus.


Elke Frietsch

ELKE FRIETSCH ist Kunsthistorikerin und lebt in Berlin. Promotion 2004 mit einer Arbeit über Geschlechterkonstruktionen in der Kunst des Nationalsozialismus. Lehraufträge und Publikationen zu Körperbildern im deutschen Faschismus, feministischer Theorie und Postmoderne.


Hildegard E. Frübis

HILDEGARD E. FRÜBIS, Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie in Tübingen und Bologna. Magisterabschluss 1988 mit einer "Studie zum Bildprogramm des Exotica-Raumes in den Uffizien". Promotion 1993 in Tübingen mit einer Arbeit über die "Entdeckung Amerikas in den Bildprägungen des 16. Jahrhunderts". Anschließend Assistentin an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Tübingen. Von 1996/97 Postdoktoranden-Stipendium im Rahmen des Graduiertenkollegs "Psychische Energien bildender Kunst", Kunsthistorisches Institut Frankfurt/Main; Januar 1998 bis März 2004 wissenschaftliche Assistentin am Kunsthistorischen Seminar der Humboldt Universität zu Berlin; Habilitation Februar 2005 an der Humboldt-Universität Berlin mit der Habilitationsschrift "Die Illustrationen Max Liebermanns zu Heinrich Heines 'Rabbi von Bacherach'. Bilder der Jüdischen Moderne im Kontext von Judenfrage und Kunstwissenschaft". Verschiedene Lehraufträge an den Universitäten von Oldenburg und Wien. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind die Kunst der Frühen Neuzeit und der Moderne, Gendertheorie in den visuellen Medien, Wissenschaftsgeschichte, Bildgeschichte der Jüdischen Moderne sowie die Theorie- und Kulturdiskurse der Darstellung "des" Anderen.


Meike Günther

MEIKE GÜNTHER, Diplomsozialarbeiterin/Sozialpädagogin. Seit 2004 Promotion an der Technischen Universität Berlin, Institut für Gesellschaftswissenschaften und historisch-politische Bildung zum Thema "Erziehung über Auschwitz in Deutschland". Promotionsstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Referentin zum Thema Geschlechterkonstruktionen und Antisemitismus in der Bildungsarbeit auf verschiedenen Tagungen.
1997-2003 tätig als Sozialpädagogin in verschiedenen Einrichtungen der Jugendhilfe, Behinderten- und Bildungsarbeit. Ehrenamtlich und selbständig tätig in verschiedenen Vereinen und Initiativen, insbesondere zu den Themen Geschichtspolitik und intergenerativer Dialog. In diesem Rahmen Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Fahrten an Stätten deutscher Vernichtungspolitik gemeinsam mit Überlebenden des Nationalsozialismus und Auschwitz, Projektorientierte Fahrten v. a. mit Jugendlichen in die Gedenkstätte Ravensbrück, Leitung eines Jugendzentrums mit Schwerpunkt Mädchenarbeit und historisch-politische Bildung. Seit 1999 Mitarbeit bei der kollektiven Sanierung des Hauses von Symbiose e.V. in Berlin und dem unkommerziellen Angebot von Räumen für politisch, kulturell oder sozial engagierte Initiativen.


Klaus Hödl

Klaus Hödl, Historiker, ist wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Jüdische Studien an der Universität Graz und Herausgeber der Zeitschrift transversal. Derzeitige Forschungsinteressen: Jiddisches Theater, jüdische Museen, performative kulturelle Bedeutungskonstituierung im Rahmen jüdisch-nichtjüdischer Interaktionen. Publikationen: Wiener Juden – jüdische Wiener. Identität, Gedächtnis und Performanz im 19. Jahrhundert (2006); Der »virtuelle« Jude. Konstruktionen des Jüdischen (2006).


Jeanette Jakubowski

Jeanette Jakubowski, geb. 1961, Studium der Geschichte und Germanistik an der Freien Universität Berlin. Wissenschaftliche Hilfskraft an der "Stiftung Neue Synagoge-Centrum Judaicum" in Berlin. Magistra Artium 1993 mit einer Arbeit zu "Antisemitismus und Antifeminismus von Johann Andreas Eisenmenger bis Houston Stewart Chamberlain", Fortbildung zur Mediendokumentarin in Bremen. 1997-98 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei "Erinnern für die Zukunft" e.V./Staatsarchiv Bremen.
Ab 1998 Arbeit als Stadtführerin in Bremen, insbesondere Führungen zur jüdischen Geschichte, Nachhilfe im Studienkreis, Beginn eines Zweitstudiums DAZ/DAF (Lehramt, Primarstufe u. Sek. I) an der Universität Bremen, Dozentinnen-Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung, u. a. bei der evangelischen Frauenhilfe u. der VHS, Erzieherin an der verlässlichen Grundschule, Tutorinnen-Tätigkeit im Fachbereich DAZ/DAF der Universität Bremen. Zurzeit und insbesondere: Hausfrau, Putzfrau und Mutter einer dreijährigen Tochter. Veröffentlichungen: wenig, aber zu Themen des Antisemitismus und der jüdischen Geschichte, zuletzt: Der Jüdische Friedhof in Bremen (erschienen im Februar 2002 im Donat-Verlag).


Eva-Maria Ziege

Eva-Maria Ziege, Soziologin, Politologin, Studium in Bonn, Promotion 2001 an der Universität Potsdam, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kulturwissenschaftlichen Seminar, Humboldt-Universität zu Berlin, arbeitet an einer Habilitationsschrift zur Frankfurter Schule im amerikanischen Exil. Forschungsschwerpunkte: Wissenschaftsgeschichte, Antisemitismusforschung, Zeitgeschichte, Kritische Theorie, Gender Studies. Publikationen u. a.: "Sophie Rogge-Börner. Wegbereiterin der Nazi-Diktatur und völkische Sektiererin im Abseits", in: K. Heinsohn u. a. (Hg.), Zwischen Karriere und Verfolgung. Handlungsräume von Frauen in der nationalsozialistischen Diktatur, Frankfurt/Main 1997; Mythische Kohärenz. Diskursanalyse des völkischen Antisemitismus, Diss., Konstanz 2002; "Angekommen bei einer Theorie des Antisemitismus?", in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 4/2003; "Adornos 'Kritik des Weiblichen' und die frühe Kritische Theorie", in: Die Philosophin 4/2004; Das 'bewegliche' Vorurteil. Aspekte des internationalen Antisemitismus, hg. mit Christina von Braun, Würzburg 2004; im Druck: Das Feld der Frankfurter Kultur- und Sozialwissenschaften, hg. mit Richard Faber, Würzburg 2005.


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