Bei unrast:
VorspannEinleitung zum Buch
Vorspann
Dem vorliegenden Buch Rebellion X zum fast zehn Monate andauernden Streik an der Autonomen Universität in Mexiko Stadt, der UNAM, liegt das von Enrique Reichenberg und Carlos Facio in Mexiko herausgegebene Buch ›UNAM Presente y Futuro?‹ (›UNAM Gegenwart und Zukunft?‹) zu Grunde. Das Buch hat zwei Teile. Im ersten Teil werden Interviews der Herausgeber mit Studierenden und einzelnen ProfessorInnen wiedergegeben, die sich aktiv am Streik beteiligt hatten. Zum Zeitpunkt der Gespräche (zwischen März und Mai 2000) waren die interviewten Studierenden zum großen Teil im Gefängnis. Der zweite Teil umfasst Analysen von engagierten AkademikerInnen und Intellektuellen. Es ist die Hauptintention der deutschen Ausgabe des Buches, die AkteurInnen des Streiks für sich selbst sprechen zu lassen. Daher haben wir fast alle Interviews aufgenommen – manche in etwas verkürzter Form. Um den Streik für deutsche LeserInnen in seinen Ereignissen sichtbar und verstehbar zu machen, haben wir den Interviews eine Chronologie vorangestellt und durch Teile einer Analyse einer engagierten Professorin an der UNAM ergänzt, die wichtige Punkte deutlich herausstellt. Wir haben zwei Analysen übersetzt, die den Streik noch einmal in einen größeren Zusammenhang stellen und Fragen aufwerfen, die – unserer Meinung nach – auch zu unserem politischen Verständnis beitragen können. Da die studentische Bewegung insbesondere Impulse von den Zapatistas, einer indigenen Bewegung im Süden Mexikos, aufgenommen hat und in diesem Buch immer wieder der Bezug zu ihnen hergestellt wird, haben wir gleich zu Anfang einige Gedanken zu deren Grundverständnis hinzugefügt. Alle an der deutschen Ausgabe Beteiligten mussten immer wieder abwägen, um das Bedeutsame des Streiks für deutschsprachige Studierende in seinem Kontext herauszuarbeiten und sich nicht in den Details der mexikanischen Gegebenheiten und Geschichte zu verlieren. Vieles wäre dann nur mehr für diejenigen verständlich gewesen, die sich intensiv mit Mexiko beschäftigen. An der Übersetzung des spanischen Buches waren MitstreiterInnen aus dem studentischen Bereich, den Solidaritätsgruppen zu Lateinamerika und der Frauen- und Lesbenbewegung beteiligt. Insbesondere die Übersetzungen der Interviews spiegeln nicht nur die Argumentationen und Ausdrucksformen der einzelnen Interviewten wieder, sondern auch die Ausdrucksweise der jeweiligen ÜbersetzerInnen; auch wenn die Redaktion einiges vereinheitlicht hat. Zur UNAM: Universidad Nacional Autónoma de México: Autonome Universität in Mexiko-Stadt. Sie ist die größte und älteste Universität Lateinamerikas. Sie hat 1929 ihre Autonomie erkämpft, d.h. sie untersteht nicht dem Erziehungsministerium. Es besteht eine institutionelle Trennung zwischen dem Lehr- und Forschungsbereich, wobei letzterer sich immer mehr zu einem eigenständigen Bereich entwickelt hat. Eine Forderung der Studierenden besteht darin, dass auch die im Forschungsbereich Tätigen zur Lehre verpflichtet werden. Die Verfassung der UNAM, in der die Autonomie der Universität verankert ist, ist die Ley Organica. An der Spitze steht der Rektor, umgeben von einem Rat von 15 ausgesuchten Professoren, die Junta de Gobierno. Im Consejo Universitario (CU), einer Art Parlament, sitzen die Direktoren der Fachbereiche, gewählte ProfessorInnen und gewählte Studierende. Die UNAM hat eine eigene Polizei, den Auxilio UNAM. Hinweis: Wichtige Begriffe und Abkürzungen werden im Glossar am Ende des Buches erklärt. |