Bei unrast:
Glossar - Rebellion X
APdel Asamblea Plural de Investigadores. Versammlung der in dem Forschungsbereich Tätigen.
Asociación de Padres de Familia Zusammenschluß von Eltern zur Unterstützung des Streiks der Studierenden. Insbesondere kämpften die Eltern für die Freilassung der Studierenden aus dem Gefängnis. AUA Asamblea Universitaria de Academicos und die Magna Asamblea Academica (MAA): Versammlungen, in denen sich während des Streiks die ProfessorInnen an der UNAM zusammenschlossen, die die Studierenden unterstützten, die aber niemals repräsentativ für die Gesamtheit des akademischen Sektors waren. Auditorio Che Guevara Größte Räumlichkeit in der Philosophischen Fakultät, wo die großen Versammlungen stattfinden. Dieser Raum wurde 1968 symbolisch nach Che Guevara benannt, ist seitdem in erster Linie ein Versammlungsort der Linken an der UNAM. BIP Siehe: En Lucha Brigaden Gruppen von StudentInnen, Brigadisten, die auf die Straße gingen, um die Leute über die Streikbewegung und ihre Ziele zu informieren und um finanzielle Unterstützung zu bitten. BUI Bloque Universitario Independiente: ›Unabhängiger‹ universitärer Block: Zusammenschluß verschiedener politischer Strömungen der ›Megaultras‹. CCH Colegios de Ciencias y Humanidades: Oberstufenzentren (im Text als Schulen bezeichnet), die selbst Teil der Universität sind und deren Besuch bis 1997 automatisch zum Studium an der UNAM berechtigte (siehe Ceneval). Diese Colegios wurden nach 1968 geschaffen mit einem Konzept einer offenen Universität für Studierende, die arbeiten müssen und zugleich nachmittags 3 bis 4 Stunden an der Universität studieren. Dafür wurden auch didaktische Alternativen entwickelt. SchülerInnen der CCHs beteiligten sich sehr aktiv am Streik. CEM Coordinación de los Estudiantes Metropolitanos: Koordination der StudentInnen von Mexiko-Stadt. An dessen Spitze steht Higino Muñoz, der auch für das Buch interviewt wurde. Ceneval Centro Nacional para la Evaluación: eine private Organisation, an der die verschiedenen Akteure des neoliberalen Bildungsprojekts beteiligt sind, wie Vertreter der Wirtschaft, Funktionäre aus der Universitätsleitung einschließlich des Rektors der UNAM, Vertreter der privaten Hochschulen. In ihrer Hand liegt seit 1997 die Bewertung und Evaluierung der höheren Ausbildung, die Anerkennung von Prüfungen, die Auslese der Studierenden für den Zugang zur Universität in der Form einer Aufnahmeprüfung im Multiple Choice Verfahren (Bisherige Erfahrungen zeigen, daß die Fragen auf Studierenden zugeschnitten sind, die aus Familien mit mittleren und höheren Einkommen, mit höherer Bildung und aus Privatschulen kommen. Insbesondere diskriminieren sie weibliche Studierende und Jugendliche aus den Prepa Populares). Diese private Organisation ist ein wichtiges strategisches Element in dem Prozeß der Privatisierung der höheren Ausbildung. Ihr Wirken verletzt die Autonomie der UNAM und wertet allgemein das Abiturzeugnis ab, das vom Erziehungsministerium selbst als Dokument ausgestellt wird. CEU Consejo Estudiantil Universitario: Entstand als Streikrat in der Streikbewegung von 1987. Teilnehmer am CEU waren und sind von der Bedeutsamkeit der ›Führung‹ in einer Bewegung überzeugt. Eine Reihe ihrer ›Anführer‹ traten später in die PRD ein. Seit dem Wahlsieg der PRD in Mexiko-Stadt betätigen sich viele aus dem CEU als Funktionäre im Rahmen der städtischen Regierungsarbeit. CGH Consejo General de Huelga: Zentraler Streikrat, repräsentatives Organ, in dem die Hauptentscheidungen bzgl. des Streiks getroffen wurden. Wichtig ist die Struktur des CGH: Er bestand aus jeweils fünf Delegierten der 43 Fachbereiche und Schulen (CCHs, Prepas) der UNAM sowie aus Delegierten der PromotionsstudentInnen und der KünstlerInnen. Die Delegierten wurden jeweils in einem Rotationsverfahren von ihrer Basis gewählt und waren an diese mit ihrem Mandat gebunden. clases extramuros Unterricht außerhalb der Universität. Durch dieses Vorgehen, Vorlesungen und Seminare ›nach draußen‹, außerhalb der Mauern der UNAM, zu verlegen, versuchten die Autoritäten der Universität nicht nur die Universität geschlossen zu halten, sondern auf diese Weise auch den Streik zu demontieren. CNTE Coordinadora Nacional de Trabajadores de la Educación: Gewerkschaft im Erziehungs- und Bildungsbereich, die über lange Zeit eng mit der PRI verbunden war, in der Zwischenzeit sehr viel unabhängiger agiert. contracorriente Politische Gruppierung der radikaleren Linken, vor allem bei den Politischen- und Sozialwissenschaften verankert. Coordinación Nacional des Estudiantes – RED Gruppe von Studierenden, die der PRD nahe steht. CU Consejo Universitario: siehe UNAM. eméritos Professoren der höchsten Stufe. ENEP Escuela Nacional de Estudios Profesionales: Zur UNAM gehörende Universitätsbereiche, die auf verschiedene Stadtteile verstreut sind. en Lucha Linke politische Gruppierung, die vor allem bei den Natur- und Wirtschaftswissenschaften vertreten ist. U.a. gehören die Studentin Leticia Contréras und die Professorin Guadelupe Carrasco dazu, führende Persönlichkeiten, die beide in Haft saßen und für das Buch interviewt wurden. Ein anderer Name für diese Gruppierung ist BIP: Buró de Información Politica. extramuros Siehe clases extramuros EZLN Ejército Zapatista Liberación Nacional: Zapatistische Armee der nationalen Befreiung. Subcomandante Marcos: Militärischer Führer der EZLN, der den politischen Beschlüssen der zapatistischen Gemeinden unterworfen ist.Mit den fundamental unterschiedlichen Diskursen der indigenen Welt und der westlichen Welt vertraut – ist er Sprachrohr und Übersetzer der indigenen Forderungen. El Fisgon Karikaturist der mexikanischen Tageszeitung La Jornada Fobaproa Fondo Bancario de Protección al Ahorro: Einlagensicherungsfond, der gesetzeswidrig zur Deckung von Bankschulden eingesetzt wurde und wird, um dem Zusammenbruch der Banken zuvorzukommen. Das sind Schulden einer Gruppe von Banken und Unternehmen in Höhe von etwa 60 Milliarden Dollar, die in Staatsschulden übergingen und die über einen Zeitraum von 25 Jahren abgetragen werden sollen. Diese ›Rettung‹ wurde im Abgeordnetenhaus gebilligt. Nach Schätzungen könnte dieser Betragdie UNAM über 95 Jahre finanzieren. Frente Francisco Villa Radikalere linke Organisation, benannt nach dem Revolutionär Francisco Villa aus der Zeit der mexikanischen Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts. Juan Ramón de la Fuente Rektor der UNAM ab 12. November 1999. Er trat an die Stelle von Francisco Barnés. Fuente kam als Gesundheitsminister direkt aus dem Kabinett des Präsidenten Zedillo. históricos Teilnehmer der Bewegung von 1986/87. La Jornada Mexikanische Tageszeitung, stellt einen Raum für nicht offizielle, in der Gesellschaft stattfindene Diskussionen dar, ist eine Art Barometer für gesellschaftliche Prozesse. MAA Magna Asamblea Academica (siehe AUA). Mandar obedeciendo Prinzip des ›Gehorchenden Befehlens‹, das Repräsentanten zum Gehorsam verpflichtet, d.h. die von einer Versammlung gewählten VertreterInnen sind an die Beschlüsse dieser Versammlung gebunden und sind dieser in jeder Beziehung rechenschaftspflichtig, sonst werden sie abgewählt. (Siehe im Buch: Die zapatistische Bewegung.) Maquiladoras Fabriken, in denen völlig rechtlose ArbeiterInnen mit niedrigsten Löhnen für die arbeitsintensive Endfertigung von Exportgütern abgespeist werden; vor allem im Norden Mexikos, an der Grenze zu den USA konzentriert. El Mexe Hochschule für die Ausbildung von OberschullehrerInnen, die sich dem Volk sehr verpflichtet fühlt. Gegen sie richtete sich immer wieder die Aggression der Polizei, der jedoch die ganze Gemeinde ›El Mexe‹ ihren Widerstand entgegensetzte. Palacio de Mineria Historisch- Klassischer Bau, errichtet 1813 für die akademische Ausbildung von Bergbau-Ingenieuren. Das Gebäude gehört heute zur Fakultät für Ingenieurswissenschaften und war Ort des Dialogs zwischen den Studierenden und der Universitätsleitung. PAN Siehe Parteien Parteien: PAN Partido de Acción Nacional: rechtskonservative Partei, die insbesondere seit den 80er Jahren immer mehr Verbindungen zu dem großen nationalen Kapital (wichtige Gruppe von Monterrey) und Vertretern des Auslandskapital aufgebaut hat. Die PAN hat Fox – ehemaliger Coca-Cola Manager in Mexiko – für die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 zu ihrem Kandidaten ernannt, der schließlich zum Präsidenten gewählt wurde. Zum ersten Mal nach 71 Jahren wurde mit Fox ein Präsident gewählt, der nicht der PRI angehört. PRD Partido de la Revolución Democratica: Diese Partei ist unter Cauthemac Cardenás (Sohn des Präsidenten Cardenás, der in den 30er Jahren regiert hat und durch das Vorantreiben der Landreform bis heute ein bestimmtes Ansehen im Land genießt) 1988 aus einer Sammlungsbewegung von Stadtteil-, Campesino-, kulturellen … Bewegungen in der Form eines oppositionellen Wahlbündnisses hervorgegangen. In all den basisorientierten Aktivitäten dieser Zeit drückte sich das wachsende Selbstbewußtsein der Bevölkerung aus. Die PRD verkörperte das Bild eines radikalen Wandels, einer oppositionellen Kraft, was sie nicht einlösen konnte. Es gelang ihr nicht, die sozialen Bewegungen an wesentlichen Entscheidungen zu beteiligen und eine klare gesellschaftliche Alternative zu entwickeln. Durch interne Machtauseinandersetzungen und parteipolitisches Gehabe verstrickt sie sich immer mehr in eigene Widersprüche. PRI Partido Revolucionario Institucional: Partei, die 71 Jahre lang – von 1929 bis 2000 – als Staatspartei regierte und das politische System Mexikos geprägt hat. Sie hat es über lange Zeit verstanden, durch ihr korporativistisches System die wichtigsten Säulen der Gesellschaft, die Gewerkschaften, die Bauern, die Mittelschicht, das Militär … mit Versprechen zu ködern und an sich zu binden. Die Mitgliedschaft in einer dieser Verbände bedeutete automatisch die Parteimitgliedschaft in der PRI. Durch sie war der Staat allgegenwärtig. Je mehr dieses System auch ökonomisch ins Wanken geriet, der Schein des wechselseitigen Gebens und Nehmens nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte, je mehr das neoliberale Projekt sich durchsetzt, umso mehr verschärfte sich die Legitimationskrise der PRI; was dazu führte, dass ihr Präsidentschaftskandidat im Juli 2000 nicht mehr zum Präsidenten gewählt wurde. PFP Policia Federal Preventiva: Präventionspolizei, Spezialeinheit der Bundespolizei, die durch ein Dekret vom 4. April 1999 geschaffen wurde und die alle nur erdenklichen Aufgaben zur Überwachung der Bevölkerung in sich vereinigt. Sie hat weitgehende Handlungsfreiheit bei der Ermittlung, Verfolgung und Festnahme von Tatverdächtigen. Die umfangreichen Gerichtsakten, die der Generalstaatsanwaltschaft dazu dienen, Haftbefehle gegen streikende Studierende zu rechtfertigen und sie wegen »Terrorismus, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Landfriedensbruch, schweren Raubes…« anzuklagen (gegen einige laufen noch Verfahren), bezogen sich auf Videos, Telefongespräche, Fotografien, private Notizen von Treffen … Daraus haben sie ihre Montagen fabriziert. PGR Procuradoria General de la Republica: Generalstaatsanwaltschaft. porros Schlägertruppen PRD Siehe Parteien Preparatoria Prepa I, II, III Abteilungen der Escuela Nacional Preparatoria: Oberstufenzentren, die zur UNAM gehören und deren Abschluß bis 1997 (siehe Ceneval) automatisch zum Studium an der UNAM berechtigte. Im Unterschied zum CCH gehen die SchülerInnen ganztags zur Schule. Viele von ihnen haben sich sehr aktiv am Streik beteiligt. Prepa Popular Selbstverwaltete Oberschulen, die 1968 von linken Bewegungen in verschiedenen Stadtteilen gegründet wurden, die sehr kämpferisch sind und dadurch immer wieder erreicht haben, daß ihr Abitur für den Zugang zur UNAM anerkannt wurde. Der Ceneval hat auch für sie die Situation verändert. Die Prepas Populares besuchen vor allem diejenigen, die keinen Zugang zu den UNAM-Prepas haben. PRI Siehe Parteien Proceso Politische Wochenzeitschrift, die auch einen gewissen Raum für nicht offizielle Diskussionen zuläßt. Reclusorio Norte Gefängnis im Norden von Mexiko-Stadt RED Siehe Coordinación Nacional des Estudiantes; der PRD nahestehend. RGP Reglamento General de Pagos: Allgemeine Regelung zur Zahlung von Studiengebühren. San Andrés Abkommen von San Andrés: Abkommen, das im Februar 1996 von der zapatistischen Armee der nationalen Befreiung (EZLN) und Regierungsvertretern unterzeichnet wurde und das die indigenen Völker als Subjekte mit autonomen Rechten anerkennt. Ein Abkommen, das bis jetzt in dieser Form nicht vom Parlament gebilligt, geschweige denn in irgendeiner Form umgesetzt wurde. (Ende April 2001 wurde im Parlament eine Vorlage verabschiedet, die die wesentlichen Punkte von San Andrés nicht mehr enthält.) Sechs-Punkte Katalog Sechs Grundforderungen der Studierenden im Streik: 1. Aufhebung der ›Allgemeine Zahlungsregelung von Studiengebühren‹, RGP (Reglamento General de Pagos), wegen ihrer Verfassungswidrigkeit. 2. Aufhebung der Reformen von 1997, die nicht mehr den automatischen Zugang von den Oberstufenzentren (siehe Prepas, CCH) zur UNAM zulassen und auch deren Dauer verändert haben. 3. Aufholen und Anerkennung der Streiksemester. 4. Verpflichtung der Autoritäten, nicht gegen Streikende vorzugehen. 5. Beendigung der Unterordnung der UNAM unter die Organisation des ›Ceneval‹ (siehe oben). 6. Einberufung eines Allgemeinen demokratischen Kongresses (mit der Beteiligung aller Gruppierungen der Universität), dessenEntscheidungen verpflichtend sein sollen für den Consejo Universitario (siehe UNAM). SEP Secretaría de Educación Pública: Erziehungsministerium. SME Gewerkschaft der Elektrizitätarbeiter – eine der ältesten (1914) und kämpferischsten Gewerkschaften – insbesondere auch gegen Privatisierungen. STUNAM Gewerkschaft der UniversitätsarbeiterInnen. UAM Universidad Autónoma Metropolitana: Öffentliche Universität, die in den 70er Jahren gegründet wurde. Ultras y Moderados Linksradikale und Gemäßigte: Eine von außen (Regierung, Parteien, Medien…) in die Bewegung hineingetragene Klassifizierung mit dem Ziel der Spaltung der Bewegung (siehe Interview -Teil : Eine falsche Zweiteilung: ultras und moderados) UNAM Siehe Vorspann La Voz de Cerro Hueco ›Die Stimme von Cerro Hueco‹: Zeitung, die die zapatistischen Gefangenen im Gefängnis ›Cerro Hueco‹ in Chiapas herausgeben. |