Bei unrast:
Alison Rice: Transnationales TrekkingÜber die unstillbare Wanderlust des maghrebinischen Subjekts
Auszug aus:
Eine der oft zitierten Eigenschaften des Phänomens, das allgemein »Globalisierung« genannt wird, ist die Bewegungsfreiheit. Die neuen und hyperschnellen Transportmittel, von den Hochgeschwindigkeitszügen bis zur Concorde, haben die Wahrnehmung der Welt verändert. Einst ferne Länder sind nun erreichbar geworden. Reisen, die früher Tage, Wochen oder gar Monate gedauert hätten, sind heutzutage in ein paar Stunden absolviert. Und was die Passagiere freut: Die Preise sind gesunken. Wenn man sich auf eine Reise begibt, spart man nicht nur Zeit, sondern auch noch Geld. War das Reisen früher jenen vorbehalten, die Geld, Zeit und Abenteuergeist hatten, ist es nun zu einem allgemeinen Lebensstil geworden. Im aktuellen Diskurs über Deterritorialisierung und Nomadismus fehlt es nicht an Verweisen, wie einfach das Reisen mit den effizienten und preisgünstigen Transportmitteln geworden ist, die prinzipiell für alle verfügbar sind. In diesem Text wird eine Art des Reisens untersucht, die nicht so einfach ist, wie sie erscheinen mag. Die beiden maghrebinischen Schriftsteller, um die es in dieser Studie geht, die in Algerien geborene Assia Djebar und der aus Marokko stammende Abdelkebir Khatibi, sind begeisterte Reisende. Ihre Arbeiten und ihr Leben reflektieren diese Wanderlust , diesen ständigen Wunsch, unterwegs, neuen Orten und Kulturen ausgesetzt zu sein, Neues zu sehen und zu bezeugen. Das ist nicht immer einfach. Das Wort »Trekking« im Titel weist auf das Schwierige und Anspruchsvolle dieser Reisen durch Länder und Kontinente hin, die diese Schriftsteller und ihre Figuren unternehmen – manchmal so schmerzhaft und mühsam wie das Wandern im Hochgebirge. Wenn immer wieder betont wird, wie einfach das Reisen doch sei, wird übersehen, wie komplex dieses Unterfangen eigentlich ist. Für die, die sich dazu entschließen, sich mit modernen Verkehrsmitteln in ein paar Stunden in ein anderes Land und in einen anderen Sprachkreis transportieren zu lassen, stellt sich das so »einfach« nicht dar. Diese Ortswechsel sind oft hart und kräftezehrend, aber meist lohnen sie das Ergebnis. Reisen kostet Kraft – aber man kann auch daraus schöpfen. Bewegungsfreiheit bedeutet Befreiung aus beengten Räumen und begrenzten Denkhorizonten. Ist man neuen Orten, Perspektiven und Geräuschen ausgesetzt, kann das eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration sein. Ihr fruchtbares literarisches Schaffen mag in vielerlei Hinsicht damit zusammenhängen, dass Djebar und Khatibi so oft »on the go«, auf dem Sprung sind. [...] Zurück zum Titel: |