Rechte Normalität in Hochschule und Wissenschaft

Alte Herren – Neue Rechte
Rechte Normalität in Hochschule und Wissenschaft

Das Vorwort oder "Wie es dazu kam..."

VIER JAHRESZEITEN UND EIN KONGRESS

Manchen ist es vermutlich ein Rätsel, was Studierende aller möglichen Disziplinen dazu bringt, mitten im Sommer bei brütender Hitze einen wissenschaftlichen Kongress zu organisieren. Außerdem könnte sich mancher fragen, warum sich so ein Kongress ausgerechnet mit dem Thema "Alte Herren, Neue Rechte. Schattenseiten der Universität" beschäftigt. Schließlich könnte man sich auch noch die Frage stellen, wieso es diesen Leute dann im darauf folgenden Herbst und Winter einfällt, aus den dort gehaltenen Referaten eine Dokumentation zu erarbeiten, die im nächsten Frühjahr im Buchhandel erscheinen soll. Um diejenigen, die sich solche Fragen stellen, nicht im Dunkeln tappen zu lassen, wollen wir zu Beginn noch einmal kurz die Vorgänge in München und an der Münchner Uni (die wir durchaus nicht als Elfenbeinturm jenseits gesellschaftlicher Prozesse verstehen) schildern, die uns dazu bewogen haben, solche Dinge zu tun.

AM ANFANG WAR DER NOLTE...

Anlass für die Planung des Kongresses "Alte Herren, Neue Rechte" war, wie sollte es anders sein, ein bedenkliches Ereignis an der Münchner Universität: Horst Möller, der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, hielt im Herbst 2000 eine Laudatio auf Ernst Nolte, den Empfänger des Konrad-Adenauer-Preises. Dieser wird von der für ihre rechtsradikalen Umtriebe einschlägig bekannten Deutschland-Stiftung verliehen. Die Würdigung des Geschichtsrevisionisten Nolte, dem Auslöser des Historiker-Streites der 80er Jahre, stieß bei vielen HistorikerInnen und sogar bei PolitikerInnen wie Angela Merkel - sonst nicht bekannt für antifaschistisches Engagement - auf Kritik.
Horst Möller jedoch hatte nichts Besseres zu tun, als in seiner Laudatio die Bedeutung des "Schwarzbuch des Kommunismus" hervorzuheben und damit viele Thesen Noltes aus seinem Buch "Der rote Holocaust und die Deutschen" zu bestätigen. Nolte geht davon aus, dass es eine rationale Erklärung für den Holocaust gibt: Seiner Ansicht nach war dieser eine "Abwehrreaktion" gegen den russischen Bolschewismus. Auch in München hielt sich Nolte mit seinen Thesen nicht zurück: "Wer das welthistorische Phänomen des Bolschewismus als der gewalttätigen Erscheinungsform des Sozialismus ernst nimmt, der kann die stärkste aller Gegenbewegungen [den Faschismus, Anm. der Red.] nicht auf pure Wahnideen reduzieren," erklärte er in seiner Dankesrede. In Fortsetzung der Walser-Debatte übte er auch entsprechend massive Kritik am Holocaust-Mahnmal: "Wie das totale Vergessen, so ist auch eine totale Erinnerung widermenschlich." Möller nannte Nolte in seiner Laudatio einen "Geschichtsphilosophen" und "Geschichtsdenker von hohem Range"...
Wir sahen uns daher veranlasst, uns wissenschaftlich mit der rechten Normalität innerhalb der Wissenschaft zu beschäftigen. Dabei sollten sowohl die Funktion der Universität innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft und die mitnichten vorhandene Unabhängigkeit von Forschung und Lehre beleuchtet werden, als auch rechte Thesen in verschiedenen Einzeldisziplinen, Strukturen wie Burschenschaften und deren rechtsextremes Umfeld sowie Möglichkeiten, dem zu begegnen. Doch während wir noch planten, wurden wir mit weiteren Ereignissen konfrontiert, die die Dringlichkeit unseres Vorhabens noch verdeutlichten.

...UND DAS WAR NOCH NICHT ALLES

An den antifaschistischen Widerstand der Weißen Rose, an Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Hans Leipelt und Kurt Huber erinnert in der Münchner Uni nur eine relativ versteckte "Denkstätte". Entsprechend findet auch die Forderung von AStA und Fachschaften nach der Umbenennung der Universität in Geschwister-Scholl-Universität seit Jahrzehnten kein Gehör. In Sichtweite dieser "Denkstätte" entdeckte ein aufmerksamer Student Anfang 2001 eine Gedenktafel ganz anderer Ausrichtung, auf der sich folgende lateinische Inschrift findet:

PIAE MEMORIAE MONUMENTUM
MORTIS SACRUM TRIUM BELLORUM
FATO OPRESSIS NON IN VANUM
1959

Die Übersetzung lautet: "Frommer Erinnerung Denkmal, den Toten geweiht dreier Kriege, die ihrem Schicksal nicht umsonst erlegen sind." Gedacht werden soll damit den deutschen Soldaten, die beim deutschen Überfall auf Frankreich 1870/71 und in den beiden Weltkriegen starben. Doch was ist in diesem Zusammenhang gemeint, wenn dieser Tod als "nicht umsonst" proklamiert wird? Der Tod von Millionen von Menschen war umsonst, und da dies nicht so gesehen wird, heißt das wohl, dass die damit vertretenen deutschen Interessen dieses Opfer aufwiegen. Es stellte sich heraus, dass diese Tafel eine noch längere Geschichte hat: 1958, bei der Wiedereröffnung des Lichthofs, prangte am selben Platz folgendes Horaz-Zitat: DULCE ET DECORUM EST PRO PATRIA MORI - "es ist süß und ehrenvoll, fürs Vaterland zu sterben." Aufgrund massiver Proteste der Studierenden musste diese Inschrift entfernt werden. Ein Jahr später jedoch wurde - auf Initiative von Burschenschaften - die heutige Tafel angebracht.
Damit nicht genug: Im Mai 2001 erhielt die Sudetendeutsche Landsmannschaft auf Druck führender CSU-Politiker die Möglichkeit, innerhalb der Universität die Ausstellung "Odsun. Vertreibung der Sudentendeutschen" zu zeigen. Für diese geschichtsrevisionistische Ausstellung warb sie unter anderem mit dem Satz, die Sudetendeutschen seien "Opfer der schlimmsten ethnischen Säuberung in der ganzen Weltgeschichte" gewesen. Natürlich konnten weder Gespräche mit der Unileitung noch unser schriftlicher Protest etwas gegen den Druck der CSU-Spitzen ausrichten. Also stürmten etwa 100 Studierende die Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung, die dadurch um eine Stunde verzögert wurde. Da auch hier die anwesenden CSU-Politiker erheblich Druck auf den Rektor der Uni ausübten, ließ er tatsächlich Polizei aufmarschieren, um die Protestierenden "abzuräumen". Wer in den folgenden Wochen den Saalschutz für die Veranstaltungen der SL stellte, ist nicht schwer zu erraten: Burschenschaftler.
Doch die Unendliche Geschichte ging weiter: Die Verbindungen der Studentenverbindungen zur Universitätsleitung ließen sich an einem "schönen" Beispiel beobachten. Der AStA hatte einen Semesterkalender herausgegeben, in dem sich unter anderem auch ein burschenschaftskritischer Artikel befand. Als der Arbeitskreis Münchner Corporationen (AMC) die zwei Alten Herren in der Uni-Leitung auf diesen Artikel hinwies, wurde uns prompt von der Universität die weitere Verteilung des Kalenders verboten. Erfreulich jedoch war, dass der AMC mit zwei Klagen vor Gericht scheiterte und so keine einstweilige Verfügung gegen den AStA erwirken konnte. Aber es gibt auch dafür eine mögliche Erklärung:
Zur selben Zeit waren die Burschenschaften in München ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, da sich ein Nazi, der bei einem Mord-Überfall auf einen griechischen Mitbürger beteiligt war, bei der Deutschen Burschenschaft Danubia versteckt hatte. Wenn alle Welt gerade über die Burschenschaften herzieht, kann man, ohne negative Presse zu riskieren, dem AStA kaum verbieten, sich mit diesen auseinanderzusetzen. Also wurde der Kalender verteilt und auch in der folgenden Ausgabe erschien derselbe Text.

ALTE HERREN - NEUE RECHTE?

An den AStA ergeht nicht selten die Beschwerde, er würde sich zu sehr um Politik und zu wenig um die Belange der Studierenden kümmern. Und richtig: ständische Vertretung der Interessen der zukünftigen Standortelite ist nicht unsere Sache. Doch müssen die linken Zecken im AStA wegen der paar Burschen gleich eine ganze Armee von Nazis und das Vierte Reich aufziehen sehen, wo es doch so viel andere Themen gäbe, derer man sich annehmen könnte? Bedürfen die wenigen Nazis an der Uni wirklich unserer Aufmerksamkeit?
In diesem Band geht es darum nachzuweisen, dass eben nicht braune Schlägertrupps die Hauptgefahr für die Demokratie darstellen, sondern deren intellektuelle Vordenker - und damit auch der Ort, an dem diese ausgebildet werden, die Hochschule. Es geht auch weniger um die Entlarvung der "schwarzen Schafe", der Adlers, Eibl-Eibesfelds und Alten Herren in den Hochschulleitungen; vielmehr gilt es zu zeigen, dass diese eine logische Konsequenz des bürgerlichen Bildungssystems sind. Dessen Aufgabe ist es, die Elite, die Ideologien und die Herrschaftsmethoden zu produzieren, mit deren Hilfe der Staat im internationalen Konkurrenzkampf seine Mitbewerber ausstechen kann.
Die Versuche aus den 60er Jahren, breiten Bevölkerungsschichten den Zugang zu Bildung und damit sozialen Aufstieg zu ermöglichen, sind gescheitert. Auch seit Rot-Grün den Staat regiert, hat sich daran nichts geändert: Die BAföG-Reform ist nicht gekommen, Studiengebühren werden eingeführt und die Studierendenzahlen aus unteren Einkommensschichten gehen stetig zurück. Das deutsche Bildungssystem ist wieder auf dem Weg, sich konsequent und ohne störende Elemente seinen originären Aufgaben zuzuwenden: der Reproduktion der herrschenden Elite. Mit der Ausbildung dieses Nachwuchses an Führungskräften werden auch Trends, Ideologien und "wissenschaftliche" Wahrheiten erarbeitet, die ihren Weg vom Hörsaal auf die Straßen finden. Gerade das Credo von der "Objektivität der Wissenschaft" bewirkt, dass deren "Erkenntnisse" meist unhinterfragt als "wissenschaftlich" und daher "wahr" akzeptiert werden. Auch die meisten Studierenden haben heute kein Interesse daran, sich kritisch mit dem Lehrstoff auseinanderzusetzen: Was von den Kathedern erklingt, ist die Wahrheit in ihrer reinsten Form. Seit 1974 in Bayern und 1977 in Baden-Württemberg die Verfasste Studierendenschaft verboten wurde, um den "linken Sumpf an den Unis trockenzulegen" , kann sich wieder eine stetig wachsende Gruppe Studierender mit autoritären Thesen identifizieren. Die Mehrheit interessiert sich selbst nicht für Politik, und empfindet es zudem als anmaßend und störend, wenn sich das kleine Grüppchen überzeugter linker Basisdemokraten an der Uni politisch engagiert und mit so unangenehmen Themen wie Rechtsradikalismus beschäftigt.
Dass der Staat kein Interesse an kritischen Stimmen aus den Hochschulen hat, wird klar, wenn man betrachtet, wie (nicht nur in Bayern) mit ASten, die das politische Mandat wahrnehmen, verfahren wird. So wurde der AStA der "Freien" Universität Berlin für eine, dem hier dokumentierten Kongress nicht unähnliche Veranstaltung mit dem Titel "Rassismus in der Wissenschaft", wegen missbräuchlicher Wahrnehmung des politischen Mandats zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 DM verurteilt.
Emanzipatorisches Engagement an den Hochschulen widerspricht, sobald es wie 1968 eine gesellschaftliche Resonanz erreicht, der Funktion des Bildungssystems und wird daher unterdrückt. Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus jedoch sind weder der Wissenschaft noch den Hochschulen wesensfremd und die bürgerliche Gesellschaft hat kein Interesse, daran etwas zu ändern. Im Gegenteil: "Wie die neoliberale Hegemonie die Demokratie gefährdet, so fördert das bildungs- und wissenschaftspolitische Konzept der Ökonomisierung und Wettbewerbsorientierung [...] die Herausbildung einer marktradikalen und standortnationalistischen Rechten."

...UND SO GIBT ES EINE MENGE ZU LESEN

Anknüpfend an die Ereignisse um die Ausstellung der Sudetendeutschen Landsmannschaft an der Uni München gibt Samuel Salzborn in seinem Essay Heimat ohne Holocaust? "Vertreibung" versus Vertreibung einen Überblick über die neuesten - auch bildungspolitischen - Aktivitäten von Vertriebenenverbänden und deren geschichtsrevisionistische Thesen. Dabei geht er insbesondere auf die Auseinandersetzung über das geplante "Zentrum für Vertreibungen" ein, wo der Holocaust und die kausal damit zusammenhängende Umsiedlung der Deutschen nach dem II. Weltkrieg gleichgesetzt werden sollen. Deutlich wird dabei auch die Rolle, die Vertriebenenverbände in der deutschen Osteuropapolitik spielen.
Als der Schriftsteller, Antisemit und geistige Brandstifter Martin Walser im Herbst 2001 in München war, empörte er sich über ein Grüppchen DemonstrantInnen u.a. mit den Worten: "Ihr beschäftigt euch immer mit Dingen, von denen ihr keine Ahnung habt". Dies ist für Studierende zunächst eigentlich ein Lob. Er bezog sich aber auf den Nationalsozialismus und meinte, dass nur Leute, die sich damit auskennen, die also wie er dabei gewesen waren, sich mit der Geschichte des "Dritten Reiches" beschäftigen dürften - mal wieder die Forderung nach einem Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit. Alfred Schoberts Beitrag Von Walser zu Finkelstein. Neue Etappen der Geschichtspolitik thematisiert die prägenden vergangenheitspolitischen Debatten der Berliner Republik. Schobert arbeitet heraus, wie antisemitische und revanchistische Thesen von der Öffentlichkeit bereitwillig aufgenommen werden, während die Universitäten es nicht für nötig halten, dem entgegenzutreten.
Die Münchner Autorin und Sozialpädagogin Claudia Barth geht in ihrem Aufsatz Von der leitkulturellen Tauglichkeit der Esoterik dem weit verbreiteten Irrationalismus auf den Grund. Dabei entlarvt sie die Grundlagen der "Wald- und Wiesen-Esoterik", die "antihumanes, demokratiefeindliches, rassistisches und sozialdarwinistisches Denken in sich tragen, ohne damit den staatlich erwünschten ethischen Vorstellungen zuwiderzulaufen; im Gegenteil: die Grundwerte esoterischen Denkens verbinden sich trotz oder gerade wegen ihres inhumanen Charakters aufs vortrefflichste mit konservativen und faschistischen Gesellschaftsvorstellungen."
In ihrem Beitrag Wissenschaftlicher Rassismus in der Geschichte der Rassenhygiene, Humangenetik und Gynäkologie stellt Anna Bergmann dar, wie Selektion und "Ausmerzung" wissenschaftlich legitimiert und damit in der Gesellschaft leichter akzeptiert wurden und werden: Sie beschreibt, wie sich Ende des 19. Jahrhunderts an europäischen Universitäten die rassenhygienische und eugenische Bewegung formierte, deren Ziel es war, durch die Vermeidung oder Vernichtung von damals als erblich bedingt geltender "Minderwertigkeit" (z.B. Diabetes, Blindheit, Alkoholismus, Schizophrenie, Homosexualität) eine "leidfreie" Gesellschaft zu erzeugen. Die Traditionslinie von Zucht durch "Ausmerze" und der alten Rassenhygiene mit der Humangenetik, Bevölkerungswissenschaft und Reproduktionsgynäkologie von heute werden in diesem Beitrag nachgezeichnet.
Stephan Lippels beschreibt in seinem Beitrag Soziobiologie - Der moderne Sozialdarwinismus, inwieweit die Soziobiologie eine naturwissenschaftliche Rechtfertigung des Wettbewerbes, der Selektion nach dem Recht des Stärkeren und der Elitenbildung darstellt. Durch einfache Analogieschlüsse aus der Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt auf die menschlichen Gesellschaft werden politisch derzeit nicht offen tragbare rassistische und sexistische Ideologien im neuen wissenschaftlichen Gewand propagiert.
Alex Demirovic kommt in seinem Beitrag Studierende und rechtes Gedankengut zu dem Ergebnis, dass die relativ starke Gruppe von Studierenden mit nationalistischen und rassistischen Tendenzen eine größere Gefahr darstellt als die Nazi-Glatzen auf der Straße: "Es gilt immer noch die Überlegung von Adorno aus den fünfziger Jahren, dass gefährlicher als die Feinde gegen die Demokratie die Feinde in der Demokratie sind." Angesichts der Tatsache, dass die junge rechte Intelligenz aus den Universitäten kommt, stellt Demirovic die Frage, ob eine Mischung aus oberflächlich demokratischen Lippenbekenntnissen und im Rechtsextremismus verankertem "Antidemokratismus" und Nationalismus allgemein unter Studierenden Verbreitung findet. Dabei wird davon ausgegangen, dass rechte Propaganda nicht erst von außen an die Studierenden herangetragen werden muss.
Der im Frühjahr 2001 begonnene "Aufstand der Anständigen" gegen Burschenschaften und die rechten Umtriebe an den Unis hielt nicht lange an. Schon heute redet kaum jemand mehr darüber, wie schlimm es doch sei, dass die Burschenschaften plötzlich von rechts "unterwandert" werden. Wer wen unterwandert, lässt sich in dem Beitrag von Dietrich Heither über Burschenschaften und Rechtsextremismus nachlesen. Das politische Gedächtnis der deutschen Öffentlichkeit ist so kurz und so selektiv, dass sich daher kaum jemand bewusst ist, dass Studentenverbindungen seit der gescheiterten bürgerlichen Revolution 1848 in Deutschland stets die Vorhut einer reaktionären Elite waren. Heither beschreibt die Deutschen Burschenschaft als Sammelbecken für Neonazis und Rechtsradikale. Er weist auch nach, dass sich die restlichen Verbindungen keineswegs von der DB! distanzieren, sondern bei spezifischen Verbindungsinteressen durchaus zur Zusammenarbeit mit Rechtsradikalen bereit sind.
Zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen an das Problem Rechtsextremismus im Bildungswesen stellte der AK Gewerkschaften der GSU in seinem Seminar Pädagogen und rechte Schüler oder "Sind Lehrer auch nur Bullen?" vor:
Faschistische Schmierereien in den Toiletten, vom Staatsschutz verhaftete Neonazis, rechtsradikale Musik in den Walkmans und aktive NPD-Jungnazis im Unterricht gehören zu den Problemen, mit denen sich Lehrer im Schulalltag konfrontiert sehen. Der praxisorientierte Beitrag Rechtes Gedankengut an Berufsschulen - eine pädagogische Herausforderung! von Constantin Dietl-Dinev, einem Lehrer an einer städtischen Berufsschule in München, stellt Erfahrungen und Lösungsvorschläge zum Umgang mit rechten SchülerInnen dar.
Florian Beck erläutert in seinem Beitrag Pädagogenausbildung und rechte Schüler die gesellschaftliche Funktion des Bildungssystems am Beispiel des Umgangs mit dem "rechten" Schüler. Er kommt zu dem wenig Mut machenden Urteil, dass es auch bei diesem Thema kein Richtiges im Falschen geben kann. Aufgrund seiner Betrachtung stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, dafür zu kämpfen, die Universitäten nicht den Rechten zu überlassen, wenn diese ebenso wie das ganze Bildungssystem sowieso nur dem Zweck der Reproduktion des Kapitalismus dienen.
Der Geschichtswissenschaftler und Aktionskünstler Wolfram Kastner dokumentiert in seiner sehr pointierten Darstellung der letzten zehn Jahre an einigen Beispielen, wie öffentliches Gedenken verhindert oder behindert wurde. Die Mitgliedschaft an der "bundesdeutschen Tafelrunde der Beschöniger" deutscher Vergangenheit ist von Parteizugehörigkeiten unabhängig und die Liste der Städte, die das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus lieber im Hinterzimmer behalten, liest sich endlos. Dennoch zeigt Kastner durch den Bericht über seine praktische Auseinandersetzung mit deutschen Behörden, dass, wer sich nicht von unglaublich dämlichen Ausreden beirren lässt, hin und wieder auch einen Erfolg mit kreativen Formen der Erinnerungsarbeit erzielen kann.
Eine weitere Möglichkeit, dem Geschichtsrevisionismus zu begegnen, skizziert Dr. Ulrich Grochtmann in seinem Beitrag über die bildungspolitische Arbeit der Capek-Gesellschaft. Grochtmann beschreibt deren Ausstellung über den tschechischen Karikaturisten Josef Capek und dokumentiert damit eine Möglichkeit, durch Bildungsprojekte aktiv gegen rechte Thesen zu arbeiten. Am Beispiel Josef Capeks, der mit seinen Karikaturen vor und während des Zweiten Weltkrieges Faschismus und Krieg bekämpfte und dafür im Konzentrationslager Bergen-Belsen sterben musste, wird auch die Geschichte der Tschechoslowakei und die Rolle der Sudetendeutschen bei der Zerschlagung dieses Landes erläutert.

KEINE HERREN - KEINE RECHTEN!

Während des Kongresses trugen die AStA-Mitglieder T-Shirts mit einem Foto der Weißen Rose und dem Spruch: "Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg". Einigen erschien dies vielleicht keine aktuelle Forderung zu sein, doch der fortschreitende Abbau von Grundrechten und Schilys Sicherheitspakete geben zu denken. Aus der Erfahrung des Nationalsozialismus heraus war u.a. die Trennung zwischen Polizei und Geheimdienst vollzogen worden, die nun schleichend wieder rückgängig gemacht wird. Je mehr Instrumente zur allgemeinen Überwachung und Kontrolle dem deutschen Staat in die Hand gegeben werden, desto weniger Möglichkeiten gibt es, außerparlamentarisch auf die "Demokratie" Einfluss zu nehmen.
Und was die Forderung "Nie wieder Krieg" angeht, so wissen wir spätestens seit 1999, dass Deutschland einen grundgesetz- und völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien führen konnte, ohne dafür belangt zu werden. Der Einsatz der Bundeswehr in Mazedonien wurde im Sommer 2001 nur von denjenigen vorläufig verzögert, die noch mehr Geld in den Wehretat pumpen wollten. Nun - im Januar 2002 - haben wir schon wieder einen neuen Krieg, an dem sich die Bundeswehr beteiligt, und es wird nicht der letzte gewesen sein.
Die im deutschen Bundestag und der Regierung sitzenden Menschen, die mehrheitlich eine angeblich auf humanistischen Prinzipien fußende Hochschulausbildung genossen haben, befehlen einen Kriegseinsatz nach dem anderen. Das Problem sind also nicht so sehr die Burschenschaften, die fordern, dass Deutschland wieder als stolze Nation seine Interessen verteidigen soll, sondern die Probleme sind Deutschland, das wieder Krieg führt, die Politiker, die diese Kriege befehligen, und ein Gesellschaftssystem, das dies nötig macht.

Für den AStA: Alex Geller, Cornelia Fiedler, Philip Bauer

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