unrast news - 5. Februar 2009
Ende Januar hob der Papst die Exkommunikation von vier Bischöfen der lefebvristischen Priesterbruderschaft St. Pius X. auf. Die angestrebte Aussöhnung mit den katholischen Fundamentalisten hat ihren Preis: der unselige christliche Antijudaismus, der durch das Zweite Vatikanische Konzil überwunden geglaubt schien, wird wieder hoffähig gemacht. Ein solcher Trend kündigte sich bereits an mit der uneingeschränkten Wiederzulassung der tridentinischen Messe samt des Karfreitagsgebetes für eine Konvertierung von Jüdinnen und Juden zum Christentum.
Das TV-Interview des frisch vom Papst rehabilitierten Bischofs Richard Williamson, in dem er die Shoah leugnete, war für Kenner der Szene keine Überraschung. Ähnliche Videos verbreitet er schon seit Jahren im Internet. Auch wenn nicht alle Pius-Brüder bekennende Shoah-Leugner sein mögen, christlicher Judenhass im Stil der „action française“ gehört für die Pius-Brüder zum Kern der ewigen Wahrheit, zu der die Amtskirche nach ihrem Willen zwingend zurückkehren muss.
Dies war dem Papst lange vor seiner Entscheidung bekannt. Schließlich bemühte sich Joseph Ratzinger bereits als Päpstlicher Ehrenprälat um die Wiedereingliederung des traditionalistischen Katholizismus.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wird diskursiv auch von der extremen Rechten in Deutschland gestützt. Detailliert belegt wird dies in der diskursanalytischen Studie „Das Kreuz mit der Nation. Christlicher Antisemitismus in der Jungen Freiheit“ von Regina Wamper, in der die Verbindungslinien zwischen der neurechten Wochenzeitung und fundamentalistischen und traditionalistischen christlichen Strömungen offengelegt werden.
Regina Wamper
Das Kreuz mit der Nation Christlicher Antisemitismus in der Jungen Freiheit
Edition DISS Band 18
ISBN 978-3-89771-747-3 | 208 Seiten | 22 Euro