In der aktuellen bioethischen Debatte hat die unmittelbare Bezugnahme auf Darwins Evolutionstheorie eine bemerkenswerte Renaissance erfahren.
In der Kontroverse um die gegenwärtige Embryonenforschung greifen einige Wissenschaftler explizit auf die von Darwin beschriebene Entwicklung vom Affen zum Menschen zurück, um zunächst die herausragende Stellung des Menschen zu unterstreichen, um dann nach den Grenzen eben dieses Menschseins zu fragen.
Wo beginnt das Menschliche und was ist "Noch-nicht-Mensch"?
Der Nobelpreisträger und Entdecker der DNA-Doppelhelix James D. Watson setzt sich zudem unter Rekurs auf Darwins Idee der natürlichen Selektion konkret für die Abtreibung "erbgeschädigter" Embryonen ein (FAZ, 26.09.2000). Sein Plädoyer wurde als eine Form "neuer Eugenik" diskutiert.
Was macht Darwins Theorie im Kontext der Debatte so aktuell? Welche Wissensformationen entwickelte Darwin innerhalb seiner Theorie von der Abstammung des Menschen, die für die Generierung eugenischer Konzepte bis in die Gegenwart produktiv sind? Wie rezitieren Wissenschaftler diese Formationen in ihren aktuellen Beiträgen?
Mit diesen Fragen beschätigt sich Dorothee Obermann in ihrer Analyse der Diskursgeschichte der Eugenik: "
Eugenik im Wandel: Kontinuitäten, Brüche und Transformationen":
Dorothee Obermann-Jeschke
Eugenik im Wandel:
Kontinuitäten, Brüche und Transformationen
Eine diskursgeschichtliche Analyse
Edition DISS Bd. 19
ISBN 978-3-89771-748-0
Unrast Verlag, 2008