unrast news, 9.12.08
Bis zum Februar 2009 wird das Gelände des ‚Palasts der Republik’ mit etwa 20.000 Tonnen Sand aufgefüllt werden. Bis 2010 soll sich darauf eine Grünfläche als "Zwischennutzung" erstrecken, bis mit dem Wiederaufbau des Berliner Hohenzollernschlosses begonnen wird, entsprechend den nostalgischen Plänen des italienischen Architekten Franco Stella.
Berliner Republik im Rückwärtsgang?
Zur Hauptstadtdebatte erschien in der Edition Diss der Titel:
Schleichende WendeDiskurse von Nation und Erinnerung bei der Konstituierung der Berliner Republik
von Joannah Caborn
Auf der Suche nach nationaler Identität konkurrieren seit der deutschen Einheit 1990 in Politik und Feuilleton Entwürfe von Bonner und Berliner Republiken. Joannah Caborn analysiert die damit einhergehenden Verwerfungen im Diskurs über die Nation und insbesondere über Erinnerung.
Schon bei der Konstituierung der Berliner Republik wird das Gebot unterlaufen, sich der NS-Zeit und ihrer Verbrechen zu erinnern. Die Grundsätze, denen zufolge die Bundesrepublik mit Bonn eine quasi nicht-nationale Hauptstadt hatte, werden in Berlin ignoriert oder auf den Kopf gestellt. So kann unter anderem die Analyse der Regierungsarchitektur in Bonn und Berlin zeigen, wie der Einfluss des Erinnerungsdiskurses auf die nationale Identität abnimmt. Dabei wird das diskursanalytische Instrumentarium in Richtung einer Dispositivanalyse erweitert.
Dass die zuvor viel beschworenen 'Lehren aus der Geschichte' schon beim Start der Berliner Republik derart ins Hintertreffen gerieten, stimmt nachdenklich in Hinblick auf die künftige politische Entwicklung Deutschlands.
Joannah Caborn, geboren in Hemel Hempstead (England) langjährige Mitarbeiterin am DISS und in der Duisburger Diskurswerkstatt, arbeitet zur Zeit bei der UN in Genf.
Weitere Titel zum Thema:
Diskurse von Nation und Erinnerung