Vorwort
»Wege durch die Wüste« ist die überarbeitete Fassung von »durch die wüste« aus dem Jahre 2000. Dem damals geschriebenen Vorwort haben wir nur wenig hinzuzufügen, deshalb haben wir es auch übernommen. Während der Arbeit haben wir festgestellt, dass etliche Artikel immer noch aktuell sind, andere mussten grundlegend überarbeitet oder erst geschrieben werden. Die »Repressionapparate« haben sich weiterentwickelt. Die Polizeigesetze der Bundesländer wurden weiter verschärft, so dass Bullen und Justiz mehr und verschärfte Möglichkeiten zur Verfügung haben. Beispielhaft sind hier zu nennen: die in vielen Ländern länger möglichen »Ingewahrsamnahmen«, verdachtsunabhängige Kontrollen und die »präventive« Datensammlung. Die technische Entwicklung spiegelt sich im Bereich »Überwachung/Computersicherheit« wieder, dem wir eine sehr genaue Beschreibung der aktuellen technischen Möglichkeiten gewidmet haben, der aber schon beim Druck des Buches an einigen Stellen wieder »veraltet« sein kann. Die aktuell geplante Zusammenarbeit der diversen Polizeibehörden und Geheimdienste, von Verfassungsschutz, Länderpolizeien bis Militärischer Abschirmdienst und deren Bedeutung für den »Widerstand« konnte in dem vorliegenden Werk leider nicht mehr berücksichtigt werden. Trotz aller anstehenden Veränderungen/Entwicklungen sind wir davon überzeugt, einen praktischen Ratgeber für dich/euch produziert zu haben. Das Gelesene bedarf aber immer wieder der Auseinandersetzung in politischen Zusammenhängen und der Diskussion für jede konkrete Situation. Immer wieder sind wir damit konfrontiert, dass unsere Aufklärung über die Funktionsweise und die Arbeitsmethoden der Repressionsorgane Paranoia und Angst verbreitet. Wir bekommen aber auch immer wieder positive Reaktionen von Menschen, die in für sie extreme Situationen geraten sind und sich auf Grund der vorherigen Beschäftigung mit Repression sicherer in diesen bewegen konnten – und übrigens: Lasst euch nicht erwischen! Gerne verweisen wir auch noch auf die Homepage:
www.ermittlungsausschuss.eu Das AutorInnenkollektiv, 2007
Vorwort von »durch die Wüste« aus dem Jahre 2000 Wir haben die Erfahrung gemacht, daß sich die Linke erst dann mit dem Thema Repression und deren Folgen auseinandersetzt, wenn das Dilemma über den einen oder die andere bereits hereingebrochen ist. Oft wirkt die erste Begegnung mit den VertreterInnen der »unheimlichen Art« absolut abschreckend. Manch eine und einer verzichtet dann lieber darauf, weiterhin Unmut und Wut über die herrschenden Verhältnisse auf die Straße oder anderswohin zu tragen. Die Gründe dafür sind verschieden. Beim einen wirkt die Abschreckung, während bei der anderen die
fehlende Unterstützung der Auslöser sein kann. Deshalb ist es so wichtig, sich vorab mit Themen wie Festnahmesituation und Aussageverweigerung gemeinsam zu beschäftigen.
Die konkrete Auseinandersetzung und das Wissen über die Mittel des Repressionsapparats haben vielen geholfen, mit klarem Kopf eine repressive Situation wie beispielsweise eine Festnahme durchzustehen. Diese Auseinandersetzung hilft auch dem einen, sich weiterhin auf die Straße zu begeben, und zeigt der anderen, daß sie mit der Konfrontation nicht alleine gelassen wird und Unterstützung von FreundInnen oder der Gruppe bekommt.
Um euch eine Möglichkeit zum Nachlesen und eine Grundlage für Diskussionen anbieten zu können, haben sich nach vielen Jahren wieder einige Antirepressionsgruppen zusammengesetzt und die 1. Auflage von »durch die Wüste« aus dem Jahr 1987 neu bearbeitet und erweitert. Da es in den vergangenen Jahren bekanntlich eine Reihe von Veränderungen und Verschärfung staatlicherseits gegeben hat, haben wir z. B. die Artikel »Das Schnellverfahren« und »Genetischer Fingerabdruck« sowie den Themenkomplex »Überwachung« und »ComputerUnsicherheit« in
das Buch aufgenommen. Alle Texte wurden jeweils von einzelnen Gruppen vorbereitet und entworfen und dann von allen gemeinsam durchgesprochen. Bei manchen Texten war das ganz einfach, bei anderen haben wir lange diskutiert. Am Schwierigsten war es, wenn es um politischer Einschätzungen, Wertungen und Herangehensweisen
ging. Wir haben es nicht geschafft, immer einen Konsens zu finden. Wir wollen daher ausdrücklich darauf hinweisen,
daß nicht alle Meinungen von allen Gruppen getragen werden.
Noch eine weitere Erklärung ist notwendig: In den folgenden Texten werdet ihr immer wieder auf den Begriff »Rechtshilfen oder Rechtshilfegruppen« stoßen. Damit sind sowohl Ermittlungsausschüsse (EAs), Bunte Hilfen, Rote Hilfen, Schwarz-Rote Hilfen und andere Rechtshilfegruppen gemeint. Wir wissen, daß es regionale Namensunterschiede gibt und haben uns daher für den Sammelbegriff »Rechtshilfen« entschieden.
Wir hoffen, die umfangreichen Verhaltenstips, die wir in diesem Buch zusammengefaßt haben, werden euch auf dem Weg durch die »Wüste der Repression« unterstützen.
Natürlich lassen sich nicht alle Reaktionsmöglichkeiten in einem Buch dokumentieren, und nicht
jedeR kann sich alle vorgeschlagenen Verhaltensweisen vorstellen.
Überlegt also gemeinsam und seid kreativ! Allein machen sie dich ein!
Das AutorInnenkollektiv
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Wege durch die WüsteEin Antirepressionshandbuch für die politische Praxis