Annika Nickenig zu "Antisemitismus und Geschlecht"

A.G. Gender-Killer (Hg.): Antisemitismus und Geschlecht.
Auszug aus der Rezension von Annika Nickenig: Auf den Leib geschrieben. literaturkritik.de Nr. 8, August 2007
"... Auch wenn antisemitische Stereotypen schon immer auch über äußere, etwa physiognomische Merkmale funktionierten, so ist die grundlegende Feststellung von der 'Verkörperlichung' der antisemitischen Ideologie zweifelsohne für den Zeitraum der nationalsozialistischen Herrschaft besonders virulent. Der jüdische Körper wird in der Propaganda des "Dritten Reiches" einmal mehr als Abweichung entworfen, als unmittelbares Gegenbild zum arischen Idealkörper. Der herausragende Körperkult, die Mechanismen der Disziplinierung und zugleich der Entsexualisierung der deutschen Männer und Frauen, erklärt die Wirksamkeit einer auf die leibliche Ebene bezogene Matrix von Norm und Abweichung: was in den Körper hineingelegt wird, kann anschließend wieder an ihm abgelesen werden. Entsprechend begegnet man in Darstellungen jener Zeit so widersprüchlichen Zuschreibungen wie dem Bild des jüdischen Mannes als schmächtig und entmännlicht, zugleich als lüstern, bedrohlich und kriminell, oder dem Bild der jüdischen Frau als femme fatale und bolschewistisches 'Flintenweib'.
(...)
Unter anderem durch die perspektivische Heterogenität der Einzelbeiträge versucht der Band, die Kluft zwischen theoretischer Auseinandersetzung und praktischer Dringlichkeit der Thematik gering zu halten. Das Diktum Adornos, dass Auschwitz dazu zwingt, dafür Sorge zu tragen, dass es sich niemals mehr wiederhole, ist den Aufsätzen vorangestellt und bestimmt damit die Ausrichtung des Buches als Anregung zur Diskussion, als kontroverse Auseinandersetzung mit den ideologischen Hintergründen, Bedingungen und Kontinuitäten kultureller Bilder und ihren Festschreibungen bis heute. "

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Annika Nickenig: Auf den Leib geschrieben. literaturkritik.de Nr. 8, August 2007

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A.G. Gender-Killer (Hg.): Antisemitismus und Geschlecht.
Von „maskulinisierten Jüdinnen“, „effemierten Juden“ und anderen Geschlechterbildern. Münster: Unrast Verlag