Ein Beitrag gegen das aktuelle Staatsbegräbnis der 68er und eine Aufarbeitung militanter Politik.

Hier wird nicht nur ein Horizont an Erfahrungen sichtbar, der sich mit der Macht des Faktischen nicht versöhnte.
In ihm wird auch das lebendig, was sich dem, was ist, nicht beugen will.
aus dem Inhalt 1. Einleitung
2. Ein Staatsbegräbnis für die ›68er‹ Revolte
Wolf Wetzel
3. Vom Erziehungsheim bis zum Häuserkampf in Frankfurt Anfang der 70er Jahre
Ein Streifzug mit Hans-Joachim Klein
Wolf Wetzel
4. Die verlorene Hoffnung auf den Sieg- das Konzept der trikontinentalen Befreiung
Christoph Villinger
5. Der Überfall eines deutsch-palästinensischen Kommados auf die OPEC-Konferenz in Wien 1975
Wolf Wetzel
6. Wege und Irrwege antiimperialistischer und antizionistischer Solidarität in den 70er Jahren
Hugo Victor
7. ›Die letzte Schlacht gewinnen wir …‹
Frankfurter Spontis im Kampf gegen den ›Terrorismus‹
Wolf Wetzel
8. Steine oder Kugeln- alles andere als ein Gedicht
Wolf Wetzel
9. Down by law
Der OPEC-Prozeß und
Im Hause staatlicher Kronzeugen-Präparateure?
Wolf Wetzel
10. Joschka Fischer als Zeuge vor Gericht
Wolf Wetzel
11. Offener Brief an den Außenminister Joschka Fischer
12. Interview mit dem ehemaligen RZ-Mitglied Gerd Schnepel
13. Eine Start- und Landebahn für den militanten Widerstand?
Wolf Wetzel
14. Zwischen Selbstauflösung und Neubestimmung militanter Politik
Wolf Wetzel
15. Tod eines Märchenprinzen
Über den Umgang mit Verrat und das Schweigen über die RZ/ Rote Zora
autonome L.U.P.U.S.-
Gruppe
16. Von der Militanz der Angst
Judith David
17. Diskussionspapier anläßlich der Gerichtsprozesse gegen die Revolutionären Zellen/ Rote Zora 2001
Einige Autonome aus Berlin und Frankfurt
18. Offener Brief ehemaliger Bekannter an den für die Bundesanwaltschaft tätigen Kronzeugen Tarek Mousli
19. Chronologie von 1970 bis 2001
Chronologie von 1970- 2001 Ereignisse, die in diesem Buch angesprochen, gestreift und als Hintergrund für das Verständnis hilfreich sein können
1970- 1974
Häuserkampf in Frankfurt
Im Laufe der ersten zwei Jahre werden über 10 leerstehende Häuser besetzt. Überall in der Stadt entstehen Stadtteilgruppen. Mietstreiks begleiten den Kampf gegen die kapitalistischen Umstrukturierungsmaßnahmen: »Die Hausbesetzungen artikulieren zum ersten Mal massiv das Unbehagen an dieser Politik der Stadtteilzerstörung und Vertreibung der Wohnbevölkerung. Massiv, das heißt von den Inhalten und Kampfformen her, im Gegensatz zu den legalistischen Aktionen der Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) und Jusos. Besetzungen und Streiks, militante Demos, das waren jetzt die Kampfformen und 10% des Lohns für Miete, bessere Wohnungen für Studenten und Emigranten, das waren unsere Forderungen.« (Häuserrat Frankfurt, Wohnungskampf in Frankfurt, S. 26) Die SPD-Regierung reagiert mit einem Räumungs-Moratorium und der Spaltung des Protestes in ›Politrocker‹ und ›besorgte Bürger‹.
Die zweite Hälfte der ›Legislaturperiode‹ des Häuserkampfes sind von Kriminalisierungs- und Räumungsversuchen (z.B. Kettenhofweg 51), gewaltsamen Räumungen (wie z.B. ›Block‹ Schumannstr./ Bockenheimer Landstr.) und massiven Straßenschlachten, an denen sich bis zu 10.000 Menschen beteiligen, geprägt.
11.5.1972
Bombenanschlag der RAF auf das Hauptquartier des V. US-Korps in Frankfurt
September 1973
Das chilenische Militär putscht – unter Anleitung der USA – die durch Wahlen an die Macht gekommene sozialistische Regierung. Der Präsident Allende wird ermordet.
7.9.1973
Sprengstoffanschlag auf den Messestand einer israelischen Firma durch die Gruppe Schwarzer September/ RZ
1974
Das ›Frankfurter Tribunal‹ erhebt öffentlich den Vorwurf der Folter und der systematischen Mißhandlungen durch uniformierte und ›zivile‹ Polizeibeamte im Zuge der Zerschlagung des Häuserkampfes: »Wenn hier das Beispiel Chile angebracht wurde, dann nicht so, daß wir gesagt haben, es existieren hier Verhältnisse wie in Chile. Das wäre absurd … Aber die Bullen, und das ist ein Faktum, das hier herauskam, haben subjektiv und in ihrer Verhörpraxis Santiago auf die Tagesordnung gesetzt!« (Joschka Fischer, Zerstörung-Terror-Folter, Im Namen des Gesetzes, S. 5)
Mai 1974
Unter dem Motto Nulltarif und ›Fahrzeit = Arbeitszeit‹ finden heftige Straßenkämpfe gegen den neu eingeführten Frankfurter Verkehrsbund (FVV) statt.
Der massiven Polizeipräsenz wurde z.T. recht erfolgreich durch die ›Auflösung‹ der Demonstration in viele kleine Demonstrationsherde im gesamten Innenstadtbereich ausgewichen.
5.6.1974
Ermordung des ›2.Juni‹-Mitgliedes Ulrich Schmücker wegen angeblichen Verrats durch das ›Kommando Schwarzer Juni‹.
12.6.1974
Sprengstoffanschlag auf das chilenische Generalkonsulat in Berlin durch eine RZ-Gruppe
9.11.1974
Das am Hungerstreik beteiligtes RAF-Mitglied Holger Meins stirbt in der JVA Wittlich.
10.11.1974
Der Berliner Kammergerichtspräsident Günter v. Drenkmann wird von der ›Bewegung 2.Juni‹ erschossen.
»Innerhalb der Spontis führt die Antwort des ›2.Juni‹ auf die Ermordung von Holger Meins zu heftigen Kontroversen. Der Tenor lautet: ›Solidarität mit den Opfern – ja, bewaffneter Kampf – nein!›« (Wildcat, Nr. 40)
1975
Die erste Ausgabe der Zeitung ›Revolutionärer Zorn‹ erscheint. In ihr begründen die RZ die Notwendigkeit, illegale Strukturen aufzubauen, sowohl zum Schutz vor staatlicher Repression als auch als »Keimzellen einer neuen Gesellschaft« im weltweiten Kampf um Befreiung.
27.2.1975
Die ›Bewegung 2. Juni‹ entführt den Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz. Im Austausch von 5 inhaftierten Mitgliedern bewaffneter Gruppen wird er freigelassen.
4.3.1975
»Im Jahre 1975 treten ›die Frauen der Revolutionären Zellen‹ das erste Mal als solche mit einer Bombe gegen das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in Erscheinung. Ihren Anschlag sehen sie als Beitrag zum Kampf gegen den §218.
Ab 1977 wird die Rote Zora als eigenständige feministische Gruppierung auftreten, die sich allerdings immer in der Nähe der RZ verortet. Einige Grundsatzpapiere sind weiterhin gemeinsam von RZ und Rote Zora unterzeichnet.« (Interim 499)
25.4.1975
Die Caetano-Diktatur in Portugal wird gestürzt. Überall im Land entstehen Bauern-Soldaten und ArbeiterInnenräte. Über den BND fließen 30 Millionen Mark (auch) nach Portugal, um diese revolutionäre Entwicklung zu stoppen.
30.4.1975
Der Vietcong zieht als Sieger in die vietnamesische Hauptstadt Saigon ein. Seitdem hat der ›Weltpolizist‹ USA ein Vietnam-Trauma.
29.4.1975
Die RZ bekennt sich zu einem Sprengstoffanschlag auf die Berliner Ausländerpolizeibehörde
September 1975
Anläßlich der Vollstreckung von 5 Todesurteilen im faschistischen Spanien wird in Frankfurt das spanische Konsulat angegriffen: »Dieser Aktion kommt u.a. deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil sie von einem Kreis aus der ›Politiker‹-Fraktion des RK initiiert wurde … Auf Initiative jenes Kreises hin trafen sich … 100-150 Leute, die über Ziel und Ablauf der Aktion nicht informiert waren, eine oder zwei Stunden vor der Aktion. Vor dem Konsulat standen zwei Mannschaftswagen der Bullen, die aber von dem Aufmarsch völlig überrascht waren … Die vorderen und hinteren Reihen der Angreifenden waren mit Mollies ausgerüstet, die mittleren mit Steinen. Die ganze Geschichte lief total schief.« (wildcat, Nr.40)
8.10.1975
Fünf Fahrscheinautomaten des Frankfurter Verkehrsverbundes (FVV) werden im Zuge der zweiten Protestwelle gegen Fahrpreiserhöhungen von der RZ ›außer Betrieb‹ gesetzt. In den nächsten Wochen werden weitere FVV-Automaten von der RZ unbrauchbar gemacht.
21.12.1975
OPEC-Aktion in Wien durch ein PFLP-Kommando »Arm der arabischen Revolution«
1976
Der Hochsicherheitsstaat schafft sich die passenden Gesetze:
§ 129a (Bildung einer terroristischen Vereinigung)
§ 88a (verfassungsfeindliches Befürworten von Straftaten)
§ 140 (Belohnung und Billigung von Straftaten)
10.5.1976
»Bei einer Demonstration zum Tod von Ulrike Meinhof und gegen die Haftbedingungen der anderen RAF-Gefangenen in Stuttgart-Stammheim kommt es in der Frankfurter Innenstadt zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei; dabei wird ein Polizist durch einen Molotow-Cocktail, durch den sein Dienstfahrzeug in Brand gesetzt worden ist, lebensgefährlich verletzt. Gegen 16 Uhr treffen sich rund 1.000 Demonstranten auf dem Campus, um trotz eines Demonstrationsverbotes durch die Innenstadt … zu ziehen. Die Polizei … versucht systematisch zu verhindern, daß Protestierende bis zum Citybereich vordringen können … Als dort ein kleiner Demonstrationszug von hinten angegriffen wird, fliegen erneut Steine und Molotw-Cocktails. Dabei wird ein einzelnes Polizeifahrzeug, das von der Seite in die Menge gefahren ist, von einem Brandsatz erwischt … aufgrund eines Hinweises … werden am Morgen des 14. Mai gegen 5 Uhr 30 gleichzeitig 14 Wohngemeinschaften … durchsucht. Dabei werden 12 Männer und 2 Frauen aus dem Umkreis der Gruppe Revolutionärer Kampf (RK) festgenommen. Die Aufnahmen, die von ihrer erkennungsdienstlichen Behandlung gemacht werden, sind abends im Hessischen Fernsehen zu sehen. Auf einem der Bilder ist der 28jährige Joseph Fischer, genannt ›Joschka‹ zu erkennen.« (W. Kraushaar, Frankfurter Schule und Studentenbewegung,BD.1, S. 552-554)
Pfingsten 1976
»Anti-Repressionskongreß des Sozialistischen Büros (SB), an dem ein Spektrum von Spontis, Falken, Jusos, Trotzkis und KB (Kommunistischer Bund) teilnimmt. Demo von 20.000, auf der Joschka Fischer die Guerilla auffordert, die Knarren wegzuschmeißen.« (wildcat, Nr.40)
27.6.-4.7.1976
»Auf dem Flug von Tel Aviv nach Paris wird ein Airbus … mit 248 Passagieren … von propalästinensischen Guerilleros … in ihre Gewalt gebracht und … nach Entebbe in Uganda entführt … Das Kommando Che Guevara … fordert die Freilassung von 53 ›Freiheitskämpfern‹, die sich »für die palästinensische Sache« eingesetzt hätten – 40 in israelischen Gefängnissen, sechs in bundesdeutschen, fünf in kenianischen und jeweils einen bzw. eine in Frankreich und in der Schweiz.« (W. Kraushaar, Frankfurter Schule und Studentenbewegung, Bd.1, S. 555)
8.12.1976
RZ-Anschlag auf die Schwarzfahrerkartei des FVV in Frankfurt.
Mai 1977
Der ›Spiegel‹ veröffentlicht einen Brief von Hans-Joachim Klein, in dem dieser seinen Ausstieg aus der RZ bekannt gibt und vor angeblich zwei geplanten Morden an jüdischen Gemeindevorsitzenden warnen will.
7.4.1977
Das RAF-Kommando ›Ulrike Meinhof‹ tötet den Generalbundesanwalt Siegfried Buback zusammen mit seinem Fahrer und einem Justizhauptmeister.
30.6.1977
Ein RAF-Kommando erschießt den Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank, Jürgen Ponto bei einem Entführungsversuch.
5.9.-19.10.1977
Ein RAF-Kommando entführt den Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Arbeitgeber, Hans Martin Schleyer und fordert für seine Freilassung die vorzeitige Haftentlassung von elf RAF-Gefangenen. Die Bundesregierung antwortet mit Hinhaltetaktik gegenüber den Entführern, mit Nachrichtensperre gegenüber der Öffentlichkeit, mit Kontaktverbot gegenüber den Gefangenen – mit dem Szenarium eines nicht ausgerufenen ›Notstandes‹.
18.10.1977
Die Bundesregierung erklärt den Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Karl Raspe, die lebensgefährlichen Verletzungen von Irmgard Möller für Selbstmord bzw. Selbstmordversuch.
19.10.1977
»Einen Tag darauf teilt das RAF-Kommando Siegried Hausner mit, daß es die ›klägliche und korrupte Existenz‹ von Schleyer ›beendet‹ habe. Der Leichnam des Arbeitgeberpräsidenten wird kurze Zeit später an der angegebenen Stelle im elsässischen Mühlhausen im Kofferraum eines PKW gefunden.« (W. Kraushaar, Frankfurter Schule und Studentenbewegung, Bd.1, S. 561-562)
17.6.1978
Die NPD kündigt für ihr ›Deutschlandtreffen‹ an, Frankfurt wieder »deutsch und nationaldemokratisch« zu machen. Daraufhin wird der geplante Kundgebungsort, der Römer, von über 10.000 AntifaschistInnen besetzt. Der damalige SPD-Polizeipräsident Müller beschließt die gewaltsame Räumung und löst damit eine stundenlange Straßenschlacht, mit Barrikaden und einigen erfolgreichen Gegenangriffen aus.
August 1978
»Im Sommer 1978 explodiert in Heidelberg Hermann Feiling eine für das Generalkonsulat des argentinischen Militärregimes bestimmte Bombe beim letzten Test auf seinem Schoß. Ihm müssen beide Beine amputiert und beide Augen entfernt werden.« (Interim 499)
Unter folter-ähnlichen Umständen wird er verhört. Mithilfe dieser Aussagen werden sieben Haftbefehle erlassen. Rudolf Schindler, Sabine Eckle, Sonja Suder, Christian Gauger und Rudolf Raabe, denen die angebliche Mitgliedschaft in der (Frankfurter) RZ vorgeworfen werden, tauchen rechtzeitig ab.
25.11.1978
Bei einer militanten Demonstration von über 10.000 TeilnehmerInnen gegen das Schah-Regime im Iran scheitert der Sturm auf das amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt ganz knapp.
16./ 17.6.1979
Abermals versucht die NPD in Frankfurt ihr ›Deutschlandtreffen‹ abzuhalten. Zahlreiche Gegendemonstrationen werden angekündigt. Daraufhin verhängt die CDU-Regierung unter Wallmann ein generelles Demonstrationsverbot, das auch für das ›Rock gegen Rechts‹-Musikspektakel gelten soll. Im letzten Moment wird dieser Kulturbeitrag unter strengen Auflagen genehmigt.
Ein Tag zuvor demonstrieren trotz Verbot und ausgerufenem ›polizeilichen Notstandes‹ ca. 40.000 AntifaschistInnen aus der ganzen BRD gegen den geplanten NPD-Aufmarsch.
19.7.1979
Mit dem triumphalen Einzug der Frente sandinista in die Hauptstadt Managua ist der Sturz der Somoza-Diktatur in Nicaragua besiegelt.
3.3.1980
Nach einer Filmveranstaltung in der Stadt in der ich damals noch nicht lebte, stand ich am Bahnhof, wartete auf die S-Bahn. Ich hatte einen Film gesehen, der mich entsetzt und ratlos, ohnmächtig ob der Übermacht der gezeigten Gewalt zurückgelassen hatte: »Wenn die Berge erzittern.« Ein Film über Guatemala. Nicht zum ersten Mal grübelte ich darüber nach, welche Möglichkeiten es geben könnte, gegen Verbrechen wie die gezeigten zu kämpfen, was könnte ich denn tun? Ganz konkret? Und mit wem? Die Bahn ließ auf sich warten, ich ging auf und ab. Schließlich fiel mein Blick auf einen kleinen Aufkleber am Stationsschild. Einer der ›Bäpscher‹, an denen ich inzwischen achtlos vorbei gehe, damals war er ein Fingerzeig, der mir half, klarer zu sehen: ›Die Selbsthilfe gegen den Faschismus organisieren‹ stand da. Selbsthilfe, selbst, ohne Institution! Hilfe, das klang nach nicht alleine sein, geholfen bekommen, sich gegenseitig unterstützen! Ich löste dieses inspirierende Klebestreifchen vorsichtig ab und drückte es auf mein Portemonnaie. Jahrelang blieb er dort, bis schließlich die letzten verblichenen Reste abgeblättert waren.
15/ 16.6.1980
Da Antifaschismus nicht als Musikmesse (›Rock gegen Rechts‹-Festival) zu verstehen ist, wird im Frankfurter Westend die Siesmayerstr.2-4 besetzt.
1980/ 81
Im Laufe des zweiten Häuserkämpfzyklus werden überall in der BRD Wohnungen, Häuser und leere Fabrikgebäude besetzt: »370 Besetzungen in 74 Städten – Erste Zwischenbilanz in Sachen Häuserkampf 1981. Von Flensburg bis Konstanz und von Aachen bis Berlin.« (taz vom 4.5.81)
In Frankfurt werden über 10 Wohnungen bzw. Häuser/ ehemalige Fabriken besetzt.
11.5.1981
Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Startbahn-West verübt eine RZ-Gruppe einen tödlichen Anschlag auf den hessischen Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry. Sein Tod sei »nicht beabsichtigt, sondern ein Unfall« gewesen. Es sei lediglich geplant gewesen, den als entschiedenen Befürworter des Baus der Startbahn West am Frankfurter Flughafen und anderer Großprojekte verhaßten »Türaufmacher des Kapitals« in die Beine zu schießen und ihn damit für längere Zeit »daran zu hindern, seine widerlichen und zerstörerischen Projekte weiterzuverfolgen«. (W. Kraushaar, Frankfurter Schule und Studentenbewegung, Bd.1, S. 581)
4.10.-7.10.1981
Die BI gibt Alarm wegen des erwartenden Baubeginns auf dem bereits gerodeten 7 ha-Gelände. Bis zu 4000 StartbahngegnerInnen beteiligen sich an der 2 Tage und Nächte lang an der Platzbesetzung. Nach der erfolgten polizeilichen Räumung wird mit dem Bau der Mauer begonnen.
2.11.1981
Völlig überraschend wird das Hüttendorf geräumt. Es kommt zu ›bürgerkriegsähnlichen‹ Auseinandersetzungen, zu bis dahin ungeahnten Polizeiübergriffen.
3.11.1981
Aus Protest gegen die Hüttendorfräumung kommt es in Frankfurt zu einer Demonstration, die in einem polizeilich geplanten Exzeß endet: Als die Demonstration in die Rohrbachstraße einbiegt, wird diese vorne und hinten abgeriegelt. Eine wahre Gewalt-Orgie wird an fluchtunfähigen DemonstrantInnen verübt.
7.11.1981
Der sogenannte Nacktensamstag: Über 30.000 demonstrieren gegen die erfolgte Hüttendorfräumung. Mitglieder aus dem Kreise der BI überschreiten in einem kafkaesken Akt der Gewaltfreiheit, mit nacktem Oberkörper und erhobenen Händen, die Nato-Drahtrollen, um auf der ›anderen‹ Seite sinnlose Verhandlungen aufzunehmen. 10.000e werden zur Kulisse eines Scheinerfolges: »Man wolle über einen Baustopp reden.« Die BI gerät nach diesem Schauspiel unter massiven Druck.
15.11.1981
Der Aufruf zur ›Begehung des Flughafens‹ endet in einer über Stunden gehenden Blockade des Flughafens. Sie signalisiert das Ende symbolischen Protests und den Anfang polizeilicher und journalistischer Kriminalisierungs- und Spaltungsversuche.
30.1.1982
Letzte Platzbesetzung gegen die Rodung des für Baulos 2 vorgesehenen Waldgeländes. Über 10.000 StartbahngegnerInnen liefern sich mit der Polizei eine aussichtslose Schlacht. Wer immer noch den Rechtsstaatsglauben hegt, verliert ihn dort.
11.6.1982
Der US-Präsident Ronald Reagan besucht Berlin und die RZ begleiten dieses Ereignis mit insgesamt neun Anschlägen auf Einrichtungen der US-Armee.
Januar-März 1982
Aus dem Scheiterns des (›gewaltfreien‹) Widerstandes im ›Wald‹ zieht die RZ die Konsequenz und greift in den folgenden Monaten mehrere Firmen an, die am Bau der Startbahn West beteiligt sind.
Februar 1982
Beginn der Sonntagsspaziergänge: eine wunderbare Mischung aus Kuchenstand und Wald›guerilla‹.
16.12.1983
Erste Blockade eines Castortransportes nach Gorleben mit ca. 70 Atomkraft-GegnerInnen. Am 26.3.01 werden über 15.000 erwartet, die sich quer stellen.
1.1.1984
100. Sonntagsspaziergang: Aus gegebenem Anlaß wird ein halbfertiger Strommast von 50-100 StartbahngegenInnen umgezogen.
12.4.1984
Tag der Einweihung der Startbahn 18 West. Während sich sukzessive BI-Ortgruppen auflösen und den Kampf gegen die Startbahn West für verloren erklären, wächst der Organisierungsgrad und die Verantwortungsbereitschaft autonomer Gruppen, den Widerstand fortzuführen.
Über 10.000 demonstrieren in 4 Zügen an der ›Mauer‹ und gegen die ›Mauer‹. Das Konzept, auf der einen Seite der Mauer Hundertschaften der Polizei zu binden, um auf der anderen Seite der Mauer Platz für Kleingruppen-Aktionen zu schaffen, geht mangels handlungsfähiger Gruppen nur in sehr bescheidenem Maße auf.
28.9.85
Günther Sare wird während einer Anti-NPD-Demonstration in Frankfurt von einem Wasserwerfer tot gefahren. Die Grünen, erstmals mit in der Regierung, beweisen Zuverlässigkeit und Koalitionsfähigkeit und lassen – rückstandsfrei – Gras drüber wachsen.
Pfingsten 1985
Dem bundesweiten Aufruf zum ›Rückbau‹ der geplanten Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf folgen über 10.000 Menschen. Der für unüberwindlich gehaltene Sicherheitszaum wird an mehreren Stelle durchlässig. Es kommt zu massiven Auseinandersetzungen.
7.6.1986
Militante Demonstration gegen das AKW Brockdorf
Mitte 1986
Der Reaktorunfall in Tschernobyl, die radioaktive Freisetzung des sog. Restrisikos, löst bundesweit nicht nur Demonstrationen aus. Es kommt zu einem flächendeckenden Angriff auf die Atom- und Energiewirtschaft. Nach dem Motto: ›So wie sie liegen, stehen sie richtig‹ werden über 150 Strommasten gefällt.
Diese militante Praxis wird auch von Startbahnzusammenhängen aufgegriffen. Im Laufe dieses und des folgenden Jahren werden im Rhein-Main-Gebiet 4 Strommasten umgesägt. Bei eine dieser Strommastaktionen wird eine Aktivistin durch einen in die ›falsche‹ Richtung fallenden Strommasten (Offenthal vom 26.8.1986) schwer verletzt. Der an der Startbahn inoffiziell verteilte Erklärungsversuch löst starke Kritik an der Durchführung und am Umgang mit der schwer verletzten Aktivistin aus.
Oktober 1986
»Mit der Herausgabe des Zorn-Extra, der 9. Zeitung der RZ, im Oktober 1986, starten die RZ ihre Flüchtlingskampagne: ›Wir wollen zur Rückgewinnung eines konkreten Antiimperialismus in der BRD beitragen – in diesem Zusammenhang steht unsere Orientierung an der Flüchtlingsfrage.‹ … Ihr Vorschlag richtet sich an die autonome und sozialrevolutionäre Linke, ›die Flüchtlingsfrage zum Prüfstein des politischen Handelns auf verschiedenen Ebenen zu machen‹.« (Interim 499)
28.10.1986
Eine RZ-Gruppe schießt dem Leiter der Ausländerbehörde Berlin, Harald Hollenberg, in die Beine.
1.2.1987
Sprengstoffanschlag der RZ auf die Zentrale Sozialhilfestelle für Asylbewerber (ZSA) in Berlin.
16.4.-20.4.1987
Mehr als 2.000 TeilnehmerInnen aus dem anarchistischen und autonomen Spektrum nehmen an den in Frankfurt stattfindenden ›Libertäre Tagen‹ teil. In mehreren Arbeitsgruppen wird u.a. der ›Stand autonomer Bewegungen‹ und das Verhältnis zum bewaffneten Kampf der RAF diskutiert.
15.8.1987
Die Rote Zora verwüstet neun ADLER-Filialen in der ganzen Bundesrepublik durch Brandsätze.
1.9.1987
Eine RZ-Gruppe schießt dem Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht in Berlin, Günter Korbmacher, in die Beine.
10.10.1987
Trotz Demonstrationsverbot und brutaler Polizeieinsätze demonstrieren rund 30.000 AtomkraftgegnerInnen gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf.
Anschlag auf das Umspannwerk in Rüsselsheim. Es entsteht ein Sachschaden von DM 500.000.
2.11.1987
Anläßlich des 6. Jahrestages der Räumung des Hüttendorfes beteiligten sich ca. 200-300 StartbahngegnerInnen an einer Nacht-Aktion. Während des Rückzuges werden zwei Polizisten durch Schüsse tödlich verletzt. »Im Laufe der Nacht finden im gesamten Rhein-Main-Gebiet über 20 Hausdurchsuchungen statt. Mindestens 48 Personen werden dabei festgenommen, unter ihnen auch der 33jährige Andreas Eichler.« (W. Kraushaar, Frankfurter Schule und Studentenbewegung, Bd.1, S. 598).
Drei Jahr später wird Andreas Eichler zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der wegen Mordes mitangeklagte Frank Hoffmann wird freigesprochen.
18.12.1987
Bundesweite Razzia (Aktion ›Zobel‹) gegen RZ und Rote Zora. 33 Wohnungen werden durchsucht. Einige Beschuldigte sind ›nicht zu fassen‹. Ulla Penselin und Ingrid Strobl werden verhaftet. Die radikale Linke greift die von der Bundesanwaltschaft (BAW) kreierten ›anschlagsrelevanten Themen‹ wie Gen- und Reproduktionstechnologien auf. 1 ½ Jahre später wird Ingrid Strobl wegen ›Unterstützung einer terroristischen Vereinigung‹ zu 5 Jahren, später zu 3 Jahren Haft verurteilt.
Herbst 1988
2. Bundesweiter Kongress ›Frauen gegen Gen- und Reproduktionstechnologien‹ in Frankfurt.
Im Laufe der Vorbereitung zu diesem Kongreß verschwand die Tatsache, daß nicht allein ›Frauen‹ von der Bundesanwaltschaft (BAW) kriminalisiert wurden, sondern ebenso die Rote Zora und die RZ. Die Solidaritäts-Kampagne für Ulla und Ingrid nahm Züge einer Unschuldskampagne an. Die unterschiedlichen politischen Positionierungen bzw. das Schweigen der Kongreßvorbereitung zu dieser Frage führte dazu, daß von den Kritikerinnen des Kongresses parallel dazu eine Demonstration zum Frauenknast in Frankfurt/ Preungesheim durchgeführt wurde.
1991
In einer mit ›Revolutionäre Zellen‹ unterschriebenen Erklärung wird die Ermordung des (ehemaligen) RZ-Mitgliedes Gerd Albartus durch »eine Gruppierung, die sich dem palästinensischen Widerstand zurechnet«, bekannt gegeben. Darin setzen sie sich zugleich kritisch mit ihrem damaligen Verhältnis zu nationalen Befreiungsbewegungen und ihrem Verständnis von Antizionismus auseinander. (›Gerd Albartus ist tot‹ in : Früchte des Zorns, Bd.1, S. 20-34)
Februar 1991
Als Reaktion auf den US-alliierten Krieg gegen den Irak verübt eine RZ-Gruppe einen Sprengstoffanschlag auf die Berliner Siegessäule.
1991-1993
Berlin bewirbt sich als Ausrichter für die Olympiade 2000, die Autonomen (AOK) überzeugen mit schier unglaublichen Bedrohungsszenarien und das olympische Komitee in Genf ist beeindruckt und entscheidet sich gegen den Austragungsort Berlin.
18.9.1991
Mit diesem Tag beginnt eine tagelange Bedrohung und Belagerung des Flüchtlingsheimes in Hoyerswerda. Von Deutschland-Politikern mit Verständnis und ›klammheimlicher Freude‹ versorgt, von der Polizei völlig unbehelligt, greifen am Wochenende (21./ 22.9.) Hunderte mit Molotw-Cocktails und Stahlkugeln und mit viel Applaus begleitet, abermals das Flüchtlingsheim an. Der Rassismus der ›Straße‹ findet staatliche Unterstützung: am 23./ 24.9. werden 230 Flüchtlinge unter dem Gejohle der Deutschland-SiegerInnen evakuiert.
Januar 1992
Eine RZ-Gruppe aus NRW erklärt das »Ende unserer Politik« und läutet damit die Auflösung der RZ/ Rote Zora ein (Früchte des Zorns, Bd. 1, S. 35-47).
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz rechnet ab und zählt insgesamt 285 RZ/ Rote Zora Aktionen.
5.2.1992
Weltwirtschaftsgipfel (WWG) in München. Über 10.000 beteiligen sich an der Demonstration: ›WWG angreifen‹. Sondereinheiten der bayerischen Polizei zeigen, wie ›angreifen‹ geht.
4.4.1992
Im Rahmen der Strategie, die Infrastruktur und die darin führenden Personen von neo-nazistischen Parteien und Organisationen anzugreifen, wird der Funktionär der ›Deutschen Liga‹, Gerhard Kaindl in einem Berliner Restaurant unbeabsichtigterweise getötet. Die Durchführung dieser Aktion löst erhebliche Kritik aus. Bei den Verhafteten, die im Zuge der Fahndung festgenommen werden, kommt es zu belastenden Aussagen.
28.5.1992
Das tagelang zuvor verbreitete Gerücht, eine 16-jährige Deutsche sei von einem Bewohner des Flüchtlingsheimes in Mannheim-Schönau vergewaltigt worden, findet am ›Vatertag‹ seine wahren Beschützer: Ca. 500 ›aufgebrachte‹ BürgerInnen belagern in Pogromstimmung das dortige Flüchtlingsheim.
Anti-rassistische Initiativen organisieren Wachen und führen mehrere Demonstrationen durch. Die SPD-Regierung antwortet mit Demonstrationsverboten und brutalen Knüppeleinsätzen der Polizei zu deren Durchsetzung.
24.8.1992
Unter Schirmherrschaft von Polizei und Politikern von CDU/ CSU bis hin zur SPD wird seit Tagen das Flüchtlingsheim in Rostock-Lichtenhagen belagert. An diesem Tag wird stundenlang, mit Steinen und Molotow-Cocktails, unter erregtem Applaus ›unbescholtener‹ BürgerInnen das Flüchtlingsheim angegriffen. Die Polizei wartet so lange, bis es lichterloh brennt. Nur durch einen Zufall können sich die BewohnerInnen retten.
22.11.1992
In Mölln wird auf ein von türkischen Familien bewohntes Haus ein Brandanschlag verübt. 3 Menschen kommen in den Flammen um.
Das Drehbuch für diese rassistischen und nationalistischen Anschläge liegt in (fast) jeder Parteizentrale, in (fast) jeder Polizeidienststelle, in (fast) allen Redaktionsstuben bürgerlicher Öffentlichkeit aus.
26.5 1993
Die Pogromstimmung ›besorgter‹ BürgerInnen, die Brandanschläge auf Flüchtlingsheime, die rassistischen (Mord-)Anschläge auf alles, was nicht ›deutsch‹ aussieht, finden in der Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl ihre staatliche Anerkennung. An diesem Tag segnet eine satte 2/ 3 Mehrheit im Bundestag die Abschiebung des Asylrechts in sogenannte sichere Drittländer ab.
Die Früchte wochenlanger, bundesweiter Vorbereitungen zur Blockade des Bundestages fallen dagegen mager aus: Ca. 1.500 Menschen beteiligen sich ab 8 Uhr morgens an dem Blockadekonzept. Es gelingt, zumindest für ein paar Stunden, den Abgeordneten das Gefühl zu vermitteln, was es heißt, ›unerwünscht‹ zu sein.
1992-94
Die geplante Umstrukturierung, sprich Veredlung ›problematischer‹ Wohnviertel, wie z.B. Kreuzberg, führt in Berlin neben Anschlägen auf Architektenbüros, Baufirmen und Youpie-Läden, zu einer neuen, offiziell noch nicht zugelassenen Wettkampfdisziplin: die ›Wagen-Sport-Liga‹. Über 100 Fahrzeuge werden wegen zu hoher PS-Zahl, übertriebener Image-Pflege und anderer persönlicher/ politischer Gründe aus dem Verkehr gezogen.
1994-97
Der atomare Strom-Kreis, zu dem der Transport von abgebrannten Brennelementen in Castor-Behältern gehört, wird immer wieder durch ›Hakenkrallen‹ kurzgeschlossen und empfindlich gestört. Zwischenbilanz: über 150 Anschläge auf das Bundes-Bahn-Netz.
1994/ 95
Auf dem langen Weg zur ›außenpolitischen Normalität‹, sprich deutscher Kriegsbeteiligung, werden öffentliche (Rekruten-)Vereidigungen und Militäraufmärsche immer wieder durch militante Aktionen gestört.
1995
Autonomiekongress mit ca. 2000 TeilnehmerInnen in Berlin.
»Eine formidabel organisierte Beerdigungsfeier im besten bürgerlichen Sinne.« (ein Mitorganisator)
24.7.-2.8.1998
Erstes bundesweit organisierte ›Grenz-Camp‹ in Rothenburg bei Görlitz mit ca. 500 TeilnehmerInnen.
Im geographischen wie politischen Sinne werden Grenz-Übergänge zwischen staatlichem und ›alltäglichem‹ Rassismus / Nationalismus durch Veranstaltungen und Aktionen thematisiert.
8.9.1998
Hans-Joachim Klein wird in Frankreich festgenommen.
13.5.1999
Dem bundesweiten Aufruf zur Verhinderung des grünen Sonderparteitages in Bielefeld, auf dem die Zustimmung zum bereits stattfindenden Krieg gegen Jugoslawien festgeklopft werden soll, folgen 300 – 400 Anti-KrieggegnerInnen. Nachdem der Versuch scheiterte, den Sonderparteitag zu stürmen, erreicht eine Blockade der Zugänge eine mehrstündige Verspätung. Drinnen trifft rechtzeitig ein Farbbeutel den Außenminister Joschka Fischer am rechten Ohr.
13.11.1999
Rudolf Schindler wird wegen ›Beihilfe zum Mord‹ (OPEC-Aktion) in Frankfurt festgenommen.
23.11.1999
Tarek Mousli wird erneut festgenommen, diesmal unter dem Vorwurf »Rädelsführer der Berliner RZ« und Tatbeteiligter an den Beinschüssen auf Repräsentanten des institutionellen Rassismus gewesen zu sein. Im Gegensatz zu seiner ersten Festnahme am 19.5.1999 macht Tarek Mousli, dieses Mal als Kronzeuge, umfangreiche Aussagen und belastet dabei mehrere ehemalige GenossInnen schwer.
19.12.1999
Aufgrund seiner Aussagen werden Sabine Eckle in Frankfurt, Axel Haug und Harald Glöde in Berlin als angebliche Mitglieder der RZ-Gruppe in Berlin festgenommen. Zeitgleich wird im Alternativ-Zentrum ›Mehringhof‹ in Berlin nach Sprengstoff gesucht – ohne Erfolg.
Aufgrund weiterer belastenden Aussagen wird im April 2000 Matthias Borgmann in Berlin und ein paar Wochen später Lothar E. in Kanada festgenommen. Während ersterer in Haft genommen wird, strengt die BAW in letztem Fall die Auslieferung an.
16.1.2000
In Paris werden Sonja Suder und Christian Gauger festgenommen. Der Haftbefehl stützt sich auf Aussagen des Kronzeugen Tarek Mousli, der sie der Mitgliedschaft in der RZ bezichtigt. Am 24.3.2000 erhalten beide Haftverschonung. Alles spricht dafür, daß die Pariser Staatsanwaltschaft die vorgebrachten Gründe für ein Auslieferungsbegehren für nicht ausreichend hält.
18.12 2000
Im Schein-Prozeß gegen das frühere RZ-Mitglied und den heutigen Kronzeuge Tarek Mousli wird seine militante Vergangenheit mit seinen Verdiensten im Kampf gegen den ›Terrorismus‹ abgewogen. Ergebnis: Zwei Jahre Haft auf Bewährung und ein Gehalt als Kronzeuge zwecks neuer Identitätsfindung.
22.3.01
In Berlin beginnt der Prozeß gegen Sabine Eckle, Axel Haug, Harald Glöde und Matthias Borgmann wegen angeblicher Mitgliedschaft in der Berliner RZ-Gruppe in der Zeit von 1985-1991. Das Gericht rechnet mit einer fünfmonatigen Verfahrensdauer.
29.3.01
Der erst Castor-Transport unter der Regie eines grünen Umweltministers trifft im Zwischenlagen Gorleben ein. Dieses Mal sind noch mehr Polizeieinheiten im Einsatz. Trotzdem kommt der Castortransport einen Tag später als geplant an.
30.3.01
Der Bundesgerichtshof (BGH) hebt die Entscheidung des Berliner Kammergerichts, wegen ›Strafklageverbrauch‹ kein Hauptverfahren gegen Rudolf Schindler zu eröffnen, auf.
5.4.01
Das Berliner Kammergericht setzt das laufende Verfahren gegen die vier angeblichen RZ-Mitglieder aus, um dieses mit Rudolf Schindler zusammen im Mai neu zu eröffnen.
Buchbesprechung - einmal ganz anders: Und was sagt der ehemalige Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Dr. Peter Frisch, dazu:
»(…) Die ›Zeitreise durch die Geschichte der letzten 30 Jahre‹ verzichtet auf den pseudo-wissenschaflich-pittoresken und schlicht unverständlichen Stil der früheren ›Neue Linken‹, gleicht dies aber durch das Fehlen eines roten Fadens (…) und durch eine Fülle von kaum strukturierten, verschiedentlich widersprüchlichen, wenn auch teilweise durchaus lesenswerten Gedankengängen aus. (…) Die Broschüre nennt viele Fehler in der Vergangenheit, wie zum Beispiel den versuchten Anschlag auf die Siegessäule in Berlin, verschweigt aber auch nicht eine letztlich positive Beurteilung der massenhaften Anschläge auf Strommasten oder Hakenkrallenanschläge. Das seien Aktionen, die sich selbst erklärten und die nicht die Militanz auf die Gewaltfrage reduzierten. (…) Diese und andere Bemerkungen sollen (…) nicht den erkennbaren Eifer abwerten, mit denen die Probleme der militanten Protestbewegung in der Broschüre abgehandelt werden. Und so mancher Grundsatzkritik kann man (…) durchaus zustimmen: sie wird im linksradikalen und vor allem auch im linksextremistischen Bereich genug Gegenkritik hervorrufen: Die Einseitigkeit der Kritik an Israel, der völlige Verzicht auf eine kritische Hinterfragung palästinensischer Positionen und die Leugnung eines Existenzrechtes für Juden in Palästina (…) werden überraschend deutlich als das bezeichnet, was sie sind, nämlich als Reproduktion eines antisemitischen Grundmusters. Wie gesagt, einiges ist lesenswert in dieser Broschüre.«
Literatur aus der ›Szene‹ Bellende Hunde! Beißende Hunde?, in: Extremismus und Demokratie, 14. Jahrgang 2002, Uwe Backes/Eckhard Jesse (Hrsg.), S. 281-84, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 2002
Siehe auch:
Wolf Wetzel – Krieg ist Frieden