Cover in groß "Feminismus im Widerstreit"
Susan Arndt

Feminismus im Widerstreit

Afrikanischer Feminismus in Gesellschaft und Literatur


ISBN: 3-89771-201-6
Ausstattung: br., 206 Seiten
Preis: 13.00 Euro

Feministische Wissenschaft 5


„ Umfassend und doch differenziert vergleichend geschrieben, eine wunderbar verständliche Einführung ins Thema aus weißer westlicher (Ein-)Sicht.“
(Gunda Thielking/ aradia-frauenbuchladen)

Ein Buch ausschließlich über die unterschiedlichen Denk- und Betrachtungsweisen, die Schwarze afrikanische Feministinnen auf ihre Gesellschaften und die Welt im allgemeinen werfen. Sich abgrenzend zu den subtilen und offenen Rassismen weißer europäischer und amerikanischer Frauen, auf der Suche nach anderen, treffenderen Begriffen, im Widerstreit miteinander – ein Buch über die Vielfalt afrikanisch-feministischen Denkens, das sich in der belletristischen Literatur verschiedener Autorinnen und Länder widerspiegelt. Umfassend und doch differenziert vergleichend geschrieben, eine wunderbar verständliche Einführung ins Thema aus weißer westlicher (Ein-)Sicht. (Gunda Thielking/ aradia-frauenbuchladen)

Inhalt:

Die Ignoranz des Feminismus. Statt eines Vorwortes 11
»Wer hat Angst vorm Feminismus?«
Einführende Bemerkungen 15
»Ich bin keine Feministin, aber keine Feministin bin
ich auch nicht.« Die Feminismusdebatte in Afrika 21
Feminismus im interkulturellen Streit. Afro-amerikanische
und afrikanische Alternativkonzepte zum Feminismus 30
Afrikanischer Feminismus. Eine Definition 57
Strömungen der afrikanisch-feministischen Literatur.
Eine Klassifikation 65
Versöhnlerischer Optimismus und militante Resignation.
Das Spektrum der afrikanisch-feministischen Literatur 75
Von Versöhnung und Optimismus.
Reformerische afrikanisch-feministische Literatur 76
Die Ignoranz überwinden. The Graduate und Grace Ogots
Vorstellungen von einer reformierten Gesellschaft 76
Bescheidener Widerstand. Neue Perspektiven auf kinderlose
Ehen in Ifeoma Okoyes Behind the Clouds 82
»Zwei Männer können nicht zusammen leben.« Kinderlosigkeit,
Ehe und weibliche Selbstbestimmung in Flora Nwapas Efuru 87
Vom Glauben an Veränderungen und Komplementarität. Transformatorische afrikanisch-feministische Literatur 93
Vom Tropfen auf dem heißen Stein. Über die Selbstbestimmung von Frauen in Akachi Adimora-Ezeigbos Kurzgeschichte Ubaaku 93
Über Frauen, die das Glück anderer Frauen in der Hand haben.
Mariama Bâs Une si longue Lettre 102
»Es ist unmoralisch für eine Frau, sich selbst untergehen zu
lassen.« Frauenleben in Buchi Emechetas The Joys of Motherhood 109
Von Schätzen und Zerstörern. Männerfiguren in Bessie Heads
Kurzgeschichte The Collector of Treasures 121
Resignation und Aggression.
Radikale afrikanisch-feministische Literatur 130
Von brutalen Männern und blinden Frauen. Pat Ngurukies
Kurzgeschichte Mother of Daughters 130
»Als ich tötete, tat ich es mit der Wahrheit und nicht mit
einem Messer.« Nawal El Saadawis Eine Frau am Punkt Null 134
Jenseits der Differenz von Schwarz und Weiß. Neue Betrachtungen
der globalen Frauensolidarität in Calixthe Beyalas Tu t’appelleras
Tanga 149
Afrikanisch-feministische Literaturen
und womanistische Theorien 165

Susan Arndt, geb 1967 in Magdeburg; 2 Kinder: 1986 Abitur, 1986 - 1990 Studium der Anglistik und Germanistik an der Humboldt Universität zu Berlin, 1991/92 Studium der Afrikawissenschaften an der Londoner School of Oriental and African Studies, 1992 - 1997 Promotion zur afrikanischen Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin, 1997 - 1998 Fellow am St. Anthony’s College (Oxford University), seit 1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Publikationen zur Oralliteratur in Nigeria, zur afrikanischen Frauenliteratur und zum afrikanischen Feminismus; Autorin von: African Women’s Literature, Orality and Intertextuality. Igbo Oral Narratives as Nigerian Women Writers’ Models and Objects of Writing Back (Bayreuth 1998). Im UNRAST Verlag erschien von der Autorin: AfrikaBilder : Studien zu Rassismus in Deutschland (Münster 2001) und: Feminismus im Widerstreit. Afrikanischer Feminismus in Gesellschaft und Literatur (Münster 2000). The Dynamics of Feminsm. Defining and Classifying African feminist Literatures. Trenton, N.J. 2001.

Pressespiegel:

quer/elles Nr. 9 (2. Halbjahr 2001, Newsletter der
frauenbibliothek).
“Ich bin keine Feministin, aber keine Feministin bin ich auch nicht.”
In dieser paradoxen Aussage zeigt sich die Distanz afrikanischer Frauen zum Begriff Feminismus. Da sie westliche Feministinnen als ignorant, arrogant und bevormundend erleben, zögern sie, sich als Feministinnen zu bezeichnen - selbst wenn ihre Anliegen denen westlicher Feministinnen ähneln.
Am Beispiel der afrikanischen Literatur von Frauen stellt Susan Brandt die afrikanische Ausprägung des Feminismus sowie die verschiedenen feministischen Strömungen innerhalb Afrikas dar. Feministische Positionen werden hier nicht bloß konstatiert, sondern in Form einer Geschichte emotional überzeugend dargestellt.
Arndt unterscheidet drei Richtungen der afrikanisch-feministischen Literatur: die reformerische, die transformatorische und schließlich die radikalfeministische. Diese unterscheiden sich weniger durch die konkreten Kritikpunkte als durch die Stellung, die sie jeweils beziehen. Gemeinsam ist die starke Ausrichtung auf den familiären Bereich. In fast allen Texten geht es um die Sehnsucht nach Liebe innerhalb der Ehe - allerdings stellen radikalfeministische Texte diese als unerfüllbar dar. Auch Mutterschaft wird durchweg positiv gesehen. Kritisiert werden traditionelle in afrikanischen Gesellschaften verankerte Formen der Diskriminierung von Frauen wie Genitalverstümmelung und Ehe-Konventionen. Am größten ist die unterschiedliche Sichtweise in Hinblick auf die traditionelle Arbeitsteilung und auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen. Reformerische und transformatorische Texte sind sehr optimistisch und lassen traditionelle Rollenmuster meist unkritisiert, erstere idealisieren sie sogar. Radikalfeministische Texte dagegen betrachten eine Veränderung der Gesellschaft als illusorisch.
Arndts Untersuchung ist angenehm klar und flüssig geschrieben. Spannend ist das Buch nicht allein wegen des differenzierten und fundierten Bildes der afrikanischen Situation, sondern zugleich als Anstoß für westliche Feministinnen, ihre eigene Position zu überdenken. (Anne Lehnert)

www.frauenzimmer.at
WEIBERDIWAN - Winter 2000
Lisa Ndokwu:
Afrikanischer Feminismus
Seit den 60er Jahren publizieren afrikanische Autorinnen im europäischen Raum. Ihre Texte werden im Westen großteils als feministische Literatur rezipiert. Doch kaum eine der Autorinnen tritt in der Öffentlichkeit als Feministin auf. Susan Arndt versucht der Frage nach der Verweigerung des westlichen Konzepts des Feminismus nachzugehen. Afrikanische und afroamerikanische Alternativkonzepte, die die spezifische Situation der schwarzen Frau berücksichtigen, werden im ersten Teil des Buches detailliert vorgestellt. Alle Theorien - vom Womanismus Alice Walkers bis zum Stiwanismus Ogundipe-Leslies - bauen auf der Idee der Komplementarität der Geschlechter auf. Und aus allen Theorien klingen die Verletzungen und Demütigungen durch den Kolonialismus und Neokolonialismus nach. Nicht zu Unrecht wird dem westlichen Feminismus Kulturimperialismus vorgeworfen. Um der Darstellung der Komplexität und Widersprüchlichkeit von afrikanischen Gesellschaftssystemen und Geschlechterverhältnissen in der Frauenliteratur gerecht zu werden, entwirft Susan Arndt ein dreigeteiltes Klassifikationsmodell, das, wie sie betont, als heterogenes Modell zu betrachten sei. Der zwar behutsame Versuch die unterschiedlichen Texte und Positionen von Autorinnen eines ganzen Kontinents in dieses Modell einzuordnen, spiegelt letztlich eine eurozentrische Sichtweise afrikanischer Lebenswelten wider. Lisa Ndokwu
Susan Arndt: Feminismus im Widerstreit. Afrikanischer Feminismus in Gesellschaft und Literatur. 220 Seiten, Unrast, Münster 2000 S 181,-

NewsLetter 48: Feministische Theorie & Philosophie

Arndt, Susan: Feminismus im Widerstreit : afrikanischer Feminismus in Gesellschaft und Literatur. - Münster : Unrast, 2000.
Signatur: 1610802-B.Neu
Der Feminismus hat in Afrika einen schweren Stand. Neben den üblichen Vorbehalten begegnen in afrikanischen Gesellschaften auch viele SympathisantInnen dem Feminismus mit kritischer Distanz. Diese wurzelt in dem Vorwurf, der weiße, westliche Feminismus sei zu eurozentristisch und thematisiere die Geschlechterverhältnisse losgelöst von anderen sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Formen der Diskriminierung. Dadurch motiviert, entwickeln AfrikanerInnen verschiedene feministische Alternativkonzepte (Womanismus, Stiwanismus). Susan Arndt macht deutlich, dass der afrikanische Feminismus in seiner Bandbreite auch eine Herausforderung für den weißen westlichen Feminismus darstellt.

last update by Ariadne: 07.05.2001

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edition diskord. Tübingen, 2000
feine Bücher, die wir empfehlen
Selbstbilder rechter Frauen - zwischen Antisexismus und völkischem Denken

Die These, dass rechte Frauen unterschiedliche Positionen zum Geschlechterverhältnis vertreten, ist nicht neu. Die kürzlich von Renate Bitzan veröffentlichte Studie ,,Selbstbilder rechter Frauen`` belegt es nun auch wissenschaftlich: das Klischee vom blondbezopften Trachtenmädel und Heimchen am Herd hat mit der Selbstwahrnehmung der meisten Frauen im rechtsextremen Spektrum kaum etwas zu tun. Im Gegenteil: Antisexistische Positionen im Bezug auf Pornografie und sexuelle Gewalt sind keine Seltenheit und auch die Forderung nach Gleichberechtigung im Arbeitsleben ist nicht unüblich.
Feminismus im Widerstreit

Afrikanischer Feminismus in Gesellschaft und Literatur; von Susan Arndt, erschienen im UNRAST-Verlag im Mai 2000. Der Feminismus hat in Afrika einen schweren Stand. Neben den üblichen Vorbehalten begegnen in afrikanischen Gesellschaften auch viele SympathisantInnen dem Feminismus mit kritischer Distanz. Diese wurzelt in dem Vorwurf, der weiße, westliche Feminismus sei zu eurozentristisch und thematisiere die Geschlechterverhältnisse losgelöst von anderen sozialen, politischen, ökologischen und kulturellen Formen der Diskriminierung. Dadurch motiviert, entwickeln AfrikanerInnen verschiedene feministische Alternativkonzepte (Womanismus, Stiwanismus).
Susan Arndt macht deutlich, daß der afrikanische Feminismus in seiner Bandbreite auch eine Herausforderung für den weißen westlichen Feminismus darstellt.
,,Worin auch immer die Unterschiede zwischen dem schwarzen und dem weißen Feminismus bestehen mögen, kann es keinen Zweifel darüber geben, daß beide bestimmte ethische Positionen teilen.`` Akachi Adimora-Ezeigbo
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HUMBOLDT 2-2000/2001 vom 9. November 2000 :

Bin ich eine Feministin?
Afrikanische Autorinnen
Susan Arndt
Feminismus im Widerstreit
Afrikanischer Feminismus in Gesellschaft und Literatur
Münster Unrast- Verlag, 2000; 205 S., 24, -DM
Flora Nwapa sieht sich als "normale Frau, die über das schreibt, was sie kennt". Die nigerianische Schriftstellerin will nicht Feministin genannt werden, nur weil sie kritisch über die Situation afrikanischer Frauen schreibt. Sie sagt: "Ich verwende das Wort nicht, weil ich das Wort nicht mag." Feministinnen, so die stereotype Vorstellung, hassen Männer, lieben Frauen und verweigern sich der Mutterschaft.

Die Afrika-Literaturwissenschaftlerin Susan Arndt setzt sich in dem kürzlich erschienenen Buch "Feminismus im Widerstreit" mit der kontroversen Debatte um den Feminismus in Afrika auseinander und definiert afrikanisch-feministische Literatur. Ihre Arbeit zeigt anhand vieler Textbeispiele, wie breit gefächert feministische Literatur ist. "Wenn es gelingt, den Feminismus differenzierter zu betrachten," sagt Susan Arndt, "dann fällt es afrikanischen Schriftstellerinnen vielleicht auch leichter, sich als Feministin zu bezeichnen."
Nicht jeder Roman, der Probleme von Frauen aus der Sicht von Frauen schildert, ist ein feministischer Roman. "Es müssen schon wirklich die Geschlechterverhältnisse analysiert und kritisiert werden", betont Susan Arndt. "Dabei muss deutlich werden, woran es liegt, dass es den Frauen so schlecht geht". Der Mann könne als Verbündeter im Kampf gegen Diskriminierungen beschrieben werden oder als hoffnungslos brutal und egozentrisch.
Feministische Literatur kann vorsichtig, reformerisch bis hin zu radikal, resignativ sein. Die Übergänge sind fließend. Und trotzdem gibt es Texte, zwischen denen Welten liegen. Die Mutter afrikanischer Frauenliteratur, Grace Ogot, zeigte sich versöhnlich: Gemeinsam engagieren sich Männer und Frauen für eine gerechtere Welt. Doch selbst wenn Frauen Berufe ergreifen und Ministerposten erhalten, bleiben die traditionellen Rollen bestehen: Der Mann ist das Oberhaupt der Familie, die Frau demutsvoll, dankbar und selbstlos.

Ganz anders Calixthe Beyala. Sie ist massiv männerfeindlich. Männer sind in ihren Augen brutal, herzlos und nicht bereit, sich zu ändern. Ihr Roman "Tu t'appeleras Tanga" ist eine militante Resignation und sagt: Für Frauen in Afrika gibt es keine Hoffnung. Einerseits weil der Kolonialismus Afrika zertrümmert hat, andererseits weil afrikanische Männer moralisch absolut verdorben seien.
Auf die Vielfalt afrikanischer Frauenliteratur hinzuweisen hält Susan Arndt für sehr wichtig, "weil man sonst Calixthe Beyala liest und sich sagt: Mit Feminismus will ich nichts zu tun haben, sich aber mit der Sichtweise Grace Ogots durchaus identifizieren könnte".

Bloß nichts mit Feminismus zu tun haben, das wollen nicht nur viele afrikanische Autorinnen, sondern vor allem afrikanische Männer. Das Ganze sei nichts als eine "Revolte im Paradies", urteilt der nigerianische Kulturhistoriker Chinweizu. Männer mögen die Welt regieren, aber Frauen regieren die Männer. Afrikanische Frauen brauchen also nicht befreit werden. Sie sind es schon.
Das sieht Susan Arndt anders: "Afrikanische Gesellschaften waren und sind ganz klar patriarchalisch organisiert." Männer hatten immer mehr Rechte und Privilegien als Frauen. So erlaubt die Polygynie dem Mann mehrere Frauen zu haben – nicht aber umgekehrt. Die Tradition der Beschneidung verwehrt Frauen sexuelle Befriedigung. Und in vielen Ländern Afrikas brauchen Frauen heute noch die Unterschrift des Mannes, um Kredite aufzunehmen oder einen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen.
Gab es in den traditionellen afrikanischen Gesellschaften immer auch Nischen für die Frauen – beispielsweise als einflussreiche Priesterin – so waren sie im kolonialisierten Afrika zusehens für Kinder und Küche zuständig. Die weißen Eroberer akzeptierten nur Männer als Verhandlungspartner, schickten nur Männer in Schulen, und gründeten zentralistische Staaten, in denen traditionelle Frauenorganisationen kaum Einfluss hatten. Entschieden bei den Igbo in Nigeria traditionell Ältestenräte und Frauenräte gemeinsam. So bestimmt heute die nigerianische Zentralregierung in Abuja was zu tun und lassen ist.

Ab Mitte der sechziger Jahre profitierten Afrikanerinnen dann allmählich vom Bildungssystem, das in der Kolonialzeit entstanden war. Immer mehr Frauen besuchten höhere Schulen, zogen in Städte, studierten sogar im Ausland und lösten sich von ihren Familien. Sozial und ökonomisch unabhängig stellten sie die alten Regeln in Frage und schafften sich neue Freiräume.
Susan Arndt sieht die neuen Freiheiten nüchtern: "Die Strukturen im Kopf bleiben oft auch dann bestehen wenn, sich die äußeren Umstände ändern." Auch wenn die schwere körperliche Arbeit wegfällt, die größtenteils den Frauen oblag, bleiben traditionelle Rollen bestehen. "Eine Intellektuelle in einem afrikanischen Land würde nicht erwarten, dass ihr Mann bei der Kindererziehung mithilft," sagt Susan Arndt, "selbst Feministinnen fordern das nicht". Berufstätige Frauen lösen das Problem der Doppelbelastung, indem ein Kindermädchen eingestellt wird oder Verwandte aushelfen.
Traditionelle Rollenvorstellungen sind ein Grund, weshalb afrikanische Schriftstellerinnen nichts mit Feminismus zu tun haben wollen. Ein anderer ist das Auftreten westlicher Feministinnen. Sie belehren und bevormunden ihre "afrikanischen Schwestern" und sprechen im Namen aller Frauen, ohne zu bemerken, dass sich Angehörige anderer Nationen gar nicht an der Diskussion beteiligen.

Dass afrikanische Frauen den westlichen Feminismus ablehnen, kann Susan Arndt gut verstehen: "Wenn ich ausgegrenzt und bevormundet werde, dann sage ich, ich brauche euch nicht." So haben denn auch afrikanische Feministinnen ihre eigenen Konzepte entwickelt. Chikwenye Okonjo Ogunyemi den "Womanismus", Ogundipe-Leslie den "Stivanismus". Bewusst grenzen sie weiße Frauen aus. Es gilt, das Eigene unter Abwesenheit weißer Frauen zu entdecken. Anders als im radikalen oder liberalen westlichen Feminismus beschreiben afrikanische Konzepte die Unterdrückung der Frau immer zusammen mit anderen gesellschaftlichen Problemen wie Rassismus, Neokolonialismus oder religiöser Fundamentalismus.
Die Schriftstellerinnen mögen feministisch denken, doch wer liest ihre Bücher? Die Rezeption in Afrika ist schwer einschätzbar. Sie hängt davon ab, in welchem Verlag die Bücher erscheinen: Wird ein Roman von einem renommierten Verlag in Paris publiziert, dann ist der Verkaufspreis so hoch, dass sich die wenigsten Bibliotheken, geschweige denn Privatpersonen, das Buch leisten können. Afrikanische Leser findet das Buch vor allem dann, wenn es als Raubkopie auf Märkten erscheint.
In Deutschland gibt es nach wie vor große Berührungsängste gegenüber afrikanischer Literatur. Sie gilt immer noch als exotisch, als fremd. Das muss nicht so sein: "Wenn man zum Beispiel Shakespeare liest, dann ist das auch eine ganz andere Gesellschaft und trotzdem kann man aus diesen Stücken viel für sich rausnehmen", sagt Susan Arndt. Genauso ist es mit den Texten afrikanischer Autorinnen.

Ina Schmidt


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HUMBOLDT 2-2000/2001 vom 9. November 2000

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Wer hat Angst vorm Feminismus?
Junge Welt vom 03.11.2000 Afrikanische Frauenrechtlerinnen und Leni Riefenstahls Bilder der Nuba. Für Leopold Senghor, den Schriftsteller und ersten senegalesischen Präsidenten, war die Sache noch ganz einfach: »Entgegen einer weitverbreiteten Meinung«, befand er, »braucht die Afrikanerin nicht befreit zuwerden. Sie ist schon seit Tausenden Jahren frei.« Befreie man erst einmal Afrika vom Kolonialismus, so dachten damals viele Männer und Frauen in derAufbruchsstimmung der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung, so werde sichdie Freiheit der afrikanischen Frauen ganz von selbst einstellen. DieseHoffnung war, wie sich mittlerweile gezeigt hat, ziemlich unbegründet.Globalisierung und neokoloniale Abhängigkeiten haben neue Formen derUnterdrückung geschaffen - gerade auch für die afrikanischen Frauen. Oftmals gehen »traditionelle« und »moderne« Formen der Frauenbenachteiligungeine unheilvolle Verbindung ein. Die traditionelle Aufgabe der Frauen, dieHaupternährerinnen ihrer Familie zu sein, hatte ihnen z.B. viel Arbeitverschafft, aber auch eine geachtete soziale Position. Auch heute noch sindes die Frauen, die sich für ihre Familie zuständig fühlen, die dafür sorgen,daß alle genug zu essen und ein Dach über dem Kopf haben, daß für Schulgeldund Schuluniform der Kinder gespart wird, daß die Enkel versorgt werden,während die Mutter Geld verdient oder ihre Ausbildung beendet. Aber heutesind die angesehenen und lukrativen Jobs in Industrie und Verwaltung denMännern vorbehalten - eine »Modernisierung«, die europäische Fabrikmanagerund Kolonialbeamte in Afrika eingeführt hatten und die sich auch nach derUnabhängigkeit in den allermeisten afrikanischen Ländern erhalten hat. Die Folge davon ist, daß auch heute, wie in vorkolonialen Zeiten, die Frauen dieHauptlast der Arbeit tragen, aber das soziale Prestige, das diese Arbeit mitsich bringt, ist deutlich geringer geworden.Wie die afrikanischen Frauen auf dieses Problem reagieren, dieser Frage geht Susan Arndt nach in ihrem Buch: »Feminismus im Widerstreit. AfrikanischerFeminismus in Gesellschaft und Literatur.« Susan Arndt konstatiert zunächst,daß viele Afrikanerinnen (und Afrikaner), die sich für mehr Frauenrechteeinsetzen, sich gleichzeitig vehement dagegen wehren, vom weißen westlichenFeminismus vereinnahmt zu werden. Die europäische und amerikanischeSituation, so argumentieren sie zu recht, könne nicht auf afrikanischeVerhältnisse übertragen werden. Und sie sehen keine Veranlassung, sichausgerechnet hier von »weißen« Konzepten bevormunden zu lassen. Nicht wenigeafrikanische Autorinnen (es sind in der Mehrheit naturgemäß Frauen, die sichmit dieser Frage auseinandersetzen) beziehen in diese Ablehnung auchausdrücklich die schwarzamerikanischen Alternativmodelle zum weißenFeminismus ein. Etwa das Konzept des »Womanismus« von Alice Walker, dasnicht nur die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts ablehnt, sondern jedeBenachteiligung, etwa aufgrund der Hautfarbe oder aufgrund der sozialenPosition. Auch die schwarzen Amerikanerinnen, so die afrikanischenFrauenrechtlerinnen, hätten kein Recht, stellvertretend für ihre»Schwestern« in Afrika zu sprechen.Welche Konzepte afrikanische Frauen selbst entwickeln, analysiert SusanArndt anhand der Werke von afrikanischen Autorinnen, die auch in Deutschlandeinem breiteren Publikum bekannt sind, wie z.B. die Senegalesin Mariama Bâs,die Ägypterin Nawal El Saadawi, die Kamerunerin Calixthe Beyala. Auch dieSchriften weniger bekannter Autorinnen wie der Kenianerinnen Grace Ogots undPat Ngurukies, der Nigerianerinnen Ifeoma Okoye, Flora Nwapa, AkachiAdimora-Ezeigbo und Buchi Echemeta, der Südafrikanerin Bessie Head werdeneinbezogen. Es ist der mühsame und aufregende Versuch verschiedenerafrikanischer Frauen, einen eigenen Weg in die eigene Unabhängigkeit zufinden, den Susan Arndt hier nachzeichnet.Westlich-weißer Feminismus kann auch bedeuten: gleichberechtigt mit den(weißen) Männern zur Herrenrasse zu gehören. Ein schönes Beispiel für dieseArt Emanzipation ist Leni Riefenstahl, die wichtigste Fotografin undFilmemacherin der Nazizeit. Unter Hitler verfilmte sie gekonnt die Olympiadeund den Nürnberger Reichsparteitag. In den 60er Jahren entdeckte sie ihrHerz für Afrika. Sie reiste mehrmals in den Sudan, um dort zu fotografieren.Ihre Bildbände »Die Nuba« und die »Nuba von Kau« wurden in der BRD Kult. DerKomet-Verlag hat sie jetzt in einem Band zusammengefaßt und neu aufgelegt.Natürlich fragt sich der (voreingenommene) Betrachter beim Durchblätternsofort: »Ist das nun faschistische Ästhetik?« I wo. Riefenstahl thematisierthier den alten Traum des Europäers, der sich in seiner Zivilisation unwohlfühlt und sich nun nach authentischer Natur und »naturbelassenen« Menschensehnt. Riefenstahls Nuba sind schön, sanft, heiter, verspielt, mit sich undihrer Umgebung im Einklang. Alles ist in warmen Erdfarben gehalten, dieLandschaft, die Häuser, die Menschen, was die Naturnähe noch betont. DieserDiskurs ist nicht faschistisch, sondern bürgerlich, und es gibt ihn seit derAufklärung. Kinder, Frauen und »Wilde« sind seit damals der Gegenentwurf zumentfremdeten bürgerlichen Mann, sie verkörpern all das, was die bürgerlichenMänner nicht sein dürfen oder nicht sein wollen. Im Falle Leni Riefenstahlsist es nun eine Frau, die die Position des europäischen Subjekts einnimmtund mit Hilfe ihrer Kamera die anderen, die »Wilden« zum Objekt macht. IhrBlick auf die nackten Nubamänner - es sind deutlich mehr Männer abgebildetals Frauen - ist der, den üblicherweise weiße männliche Fotografen aufFrauen richten, insbesondere auf schwarze Frauen. Eine Mischung auserotischer Faszination und der Selbstversicherung, daß das betrachteteObjekt nicht gefährlich ist, da es gesellschaftlich unterlegen, unschuldigund auch etwas dumm ist - »natürlich« eben. Dazu paßt die Unbefangenheit,mit der Leni Riefenstahl im Begleittext rassistische Stereotype verwendet.Sie schreibt von ihrer »Besessenheit, das echte, noch unberührte Afrika zufinden«, von den »noch so ursprünglich unschuldigen, schönen Menschen« undschildert ihre Enttäuschung, als sie bei einer Expedition eine Schuleentdeckt. »Denn wo es eine Schule gibt, findet man wohl kaum Eingeborene,die noch ihr ursprüngliches Leben führen.«Mit ihren Bildern vom sanften afrikanischen Naturmenschen muß Riefenstahldamals in Europa und den USA voll den Nerv der Zeit getroffen haben. Denndie Zeit, in der sie den Sudan bereiste und ihre Fotos machte, war auch dieZeit, in der einige der wichtigsten afrikanischen Staaten unabhängig wurden.Manche von ihnen machten keinen Hehl aus ihrer Sympathie für die UdSSR unddie Volksrepublik China. Die OAU, die Organisation für Afrikanische Einheit,wurde 1963 von allen unabhängigen Staaten Afrikas (außer Südafrika)gegründet. Sehr beunruhigend für Westeuropa und die USA, schien es dochdamals, als entgleite ein ganzer Kontinent der Kontrolle des Westens. Vondaher ist dieser Fotoband ein interessantes Dokument der Zeitgeschichte.Ursula Trüper*** Susan Arndt: Feminismus im Widerstreit. Afrikanischer Feminismus inGesellschaft und Literatur. Unrast Verlag, Münster 2000, 205 Seiten, DM24,80* Leni Riefenstahl: Die Nuba. Komet Verlag, Frechen 2000, 430 Seiten,Fotoband, DM 49,95Schlagworte: Frauen / Mädchen, Rassismus/Fremdenfeindlichkeit, Nationalsozialismus, Literarisches, Politik / international, Rechtsextremismus

aradia-frauenbuchladen

Ein Buch ausschließlich über die unterschiedlichen Denk- und Betrachtungsweisen, die Schwarze afrikanische Feministinnen auf ihre Gesellschaften und die Welt im allgemeinen werfen. Sich abgrenzend zu den subtilen und offenen Rassismen weißer europäischer und amerikanischer Frauen, auf der Suche nach anderen, treffenderen Begriffen, im Widerstreit miteinander – ein Buch über die Vielfalt afrikanisch-feministischen Denkens, das sich in der belletristischen Literatur verschiedener Autorinnen und Länder widerspiegelt. Umfassend und doch differenziert vergleichend geschrieben, eine wunderbar verständliche Einführung ins Thema aus weißer westlicher (Ein-)Sicht. (Gunda Thielking)
Susan Arndt, geb. 1967, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin; Deutsch- und Englisch-Studium in Berlin und London; 1997 Promotion mit einer Arbeit zur nigerianischen Literatur; 1997/98 Forschungsaufenthalt in Oxford. Gegenwärtig arbeitet sie an ihrer Habilitationsschrift zur afrikanischen Literatur.

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„Worin auch immer die Unterschiede zwischen dem schwarzen und dem weißen Feminismus bestehen mögen, kann es keinen Zweifel darüber geben, daß beide bestimmte ästhetische Positionen teilen.“
Akachi Adimora-Ezeigbo
„In Deutschland gibt es nach wie vor große Berührungsängste gegenüber afrikanischer Literatur. Sie gilt immer noch als exotisch, als fremd.“
Ina Schmidt, in Humboldt
„Eine anregende, gut lesbare Untersuchung.“
Reinhild Khan, EKZ

Susan Arndt, Dr. phil., geb. 1967 in Magdeburg, 2 Kinder, studierte Anglistik, Germanistik und Afrikawissenschaften in Berlin und London; promovierte 1997 mit einer Arbeit über Literaturen in Nigeria; 1996/97 Senior Fellow am St. Anthony’s College in Oxford; 1997 –2002 wiss. Mitarbeiterin am Seminar für Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, zur Zeit Mitarbeiterin am Zentrum für Literaturforschung. Buchpublikationen: African’s Women Literature, Orality and Intertextuality (Bayreuth 1998), Feminismus im Widerstreit (Münster 2000), Afrikabilder. Studien zu Rassismus in Deutschland (Hrsg., Münster 2001), The Dynamics of African Feminsm. Defining and Classifying African Feminist Literatures (Trenton, New Jersey 2002) sowie zahlreiche weitere Publikationen zu Literaturen in Westafrika, Oraturen, Performance und populäre Kultur in Afrika, Frauenliteratur in Afrika, Rassismus und Weiß-Sein als Konstrukt. Arbeitet zur Zeit an einer Habilitationsschrift zum Thema Konstruktionen von Weiß-Sein in der Literatur aus und über Afrika.

Aus der Rubrik: Emanzipation - Frauen