Cover in groß "Antiziganistische Zustände"
Markus End, Kathrin Herold, Yvonne Robel (Hg.)

Antiziganistische Zustände

Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments


ISBN: 978-3-89771-489-2
Ausstattung: br., 284 Seiten
Preis: 18.00 Euro


Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und virulentes Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Gleichzeitig mangelt es an politischen und theoretischen Analysen. Das gilt auch für eine linke Kritik, die oft nicht über moralische Empörung hinaus geht. Dieser Sammelband soll zu einer breiteren und differenzierteren Diskussion und Kritik des Antiziganismus beitragen. Neben unterschiedlichen gesellschaftstheoretischen Ansätzen werden internationale Fallstudien zu Italien, Kosovo und Rumänien ebenso bearbeitet wie der Bereich medialer Repräsentationen und die Verwerfungen im bundesdeutschen Gedenken an den nationalsozialistischen Massenmord. Eine Kritik der Mehrheitsgesellschaft tritt hierbei an die Stelle eines nicht selten antiziganistischen Schreibens über Roma.

Aus dem Inhalt

Vorwort von Rudko Kawczynski

Markus End, Kathrin Herold und Yvonne Robel
Antiziganistische Zustände – eine Einleitung
Virulenzen des Antiziganismus und Defizite in der Kritik

Zur Theorie und Kritik des Antiziganismus

Roswitha Scholz
Antiziganismus und Ausnahmezustand.
Der »Zigeuner« in der Arbeitsgesellschaft

Rafaela Eulberg
Doing Gender and Doing Gypsy
Zum Verhältnis der Konstruktion von Geschlecht und Ethnie

Jan Severin
»Zwischen ihnen und uns steht eine kaum zu überwindende Fremdheit.«
Elemente des Rassismus in den »Zigeuner«-Bildern der deutschsprachigen Ethnologie

Markus End
Adorno und »die Zigeuner«

Bundesdeutscher Erinnerungsdiskurs

Yvonne Robel
Konkurrenz und Uneinigkeit.
Zur gedenkpolitischen Stereotypisierung der Roma

Kathrin Herold
»Das Leid der Roma und Sinti in der NS-Zeit berechtigt nicht zu rechtswidrigen Handlungen heute.« Bleiberechtskämpfe Hamburger Roma an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme


Mediale Repräsentationen

Ines Busch
Das Spektakel vom »Zigeuner«. Visuelle Repräsentation und Antiziganismus

Petra Maurer
»Das Außerordentliche begleitet die Ordnungen wie ein Schatten«
Zur Konstruktion des »Zigeuners« in der Kinder- und Jugendliteratur

Antiziganismus in Europa

Anda Nicolae Vladu und Malte Kleinschmidt
Von Zigeunern und Vampiren.
»Der Zigeuner« als das Andere des rumänischen Selbst

Katrin Lange
Die Stille durchbrechen. Antiziganistische Stimmungsmache
in Italien und der Widerstand dagegen

Dirk Auer
Zwischen den Fronten – Die Vertreibung der Roma aus dem Kosovo
und die Verantwortung der Internationalen Gemeinschaft

Djevdet Berisa und Klaus Strempel
Romane Aglonipe – Roma-Flüchtlinge aktiv

Rezensionen
Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte
Radio: Radio Darmstadt
Redaktion und Moderation: Walter Kuhl
Radio Darmstadt: Antiziganistische Kontinuitäten (via unrast wild.cat)


Aric


Das Problem heißt: Antiziganismus
. CEE IEH #168

Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments. www.lernen-aus-der-geschichte.de

Themen Schwerpunkt Antiziganismus. In: Huch 61

"Ce livre qui relève les carences des partis de gauche à ce sujet et dresse le bilan des méfaits est fort bien enrichi d’études historiques, ethnologiques, sociologiques. Avec beaucoup de place aux polémiques actuelles." Lionel Richard. In: le monde diplomatique, Octobre 2009.

Doing Gypsy: Wie funktioniert Antiziganismus? Von Vina Yun in an.schläge November 09

"Äußerst empfehlenswert ist der Beitrag von Dirk Auer über die Roma im Kosovo. Die systematische Vertreibung der Roma des Kosovo durch die Mehrheitsbevölkerung und die völlige Zerstörung der Roma-Mahallas, die Quasi-Inhaftierung der Roma im bleiverseuchten Flüchtlingslager nördlich von Mitrovica, dies alles unter Duldung der KFOR nach Ende des bewaffneten Konflikts, sind kaum ins Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit gedrungen. Bis heute ist die Haltung der Internationalen Gemeinschaft inklusive der Europäischen Union zu dieser Katastrophe von mangelnder Wahrnehmung und vollkommenem Versagen geprägt. Der Beitrag von Auer zeigt wesentlich deutlicher und eindrücklicher als jegliche diskurstheoretische Abhandlung, wie allgegenwärtig und fundamental in Europa die Feindseligkeit gegen Roma und das Desinteresse an ihrem Schicksal tatsächlich ist."
Peziza Cech in: Romano Centro Heft Nr. 67, Mai 2010

Aus der Rubrik: Politik - Antifaschismus