
Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und virulentes Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als »Zigeuner« diskriminiert und teilweise verfolgt. Gleichzeitig mangelt es an politischen und theoretischen Analysen. Das gilt auch für eine linke Kritik, die oft nicht über moralische Empörung hinaus geht. Dieser Sammelband soll zu einer breiteren und differenzierteren Diskussion und Kritik des Antiziganismus beitragen. Neben unterschiedlichen gesellschaftstheoretischen Ansätzen werden internationale Fallstudien zu Italien, Kosovo und Rumänien ebenso bearbeitet wie der Bereich medialer Repräsentationen und die Verwerfungen im bundesdeutschen Gedenken an den nationalsozialistischen Massenmord. Eine Kritik der Mehrheitsgesellschaft tritt hierbei an die Stelle eines nicht selten antiziganistischen Schreibens über Roma.
Aus dem Inhalt
Vorwort von Rudko KawczynskiMarkus End, Kathrin Herold und
Yvonne Robel
Antiziganistische Zustände – eine EinleitungVirulenzen des Antiziganismus und Defizite in der Kritik
Zur Theorie und Kritik des AntiziganismusRoswitha ScholzAntiziganismus und Ausnahmezustand.
Der »Zigeuner« in der Arbeitsgesellschaft
Rafaela EulbergDoing Gender and Doing GypsyZum Verhältnis der Konstruktion von Geschlecht und Ethnie
Jan Severin»Zwischen ihnen und uns steht eine kaum zu überwindende Fremdheit.«
Elemente des Rassismus in den »Zigeuner«-Bildern der deutschsprachigen Ethnologie
Markus EndAdorno und »die Zigeuner«
Bundesdeutscher ErinnerungsdiskursYvonne RobelKonkurrenz und Uneinigkeit.
Zur gedenkpolitischen Stereotypisierung der Roma
Kathrin Herold»Das Leid der Roma und Sinti in der NS-Zeit berechtigt nicht zu rechtswidrigen Handlungen heute.« Bleiberechtskämpfe Hamburger Roma an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Mediale RepräsentationenInes BuschDas Spektakel vom »Zigeuner«. Visuelle Repräsentation und Antiziganismus
Petra Maurer»Das Außerordentliche begleitet die Ordnungen wie ein Schatten«
Zur Konstruktion des »Zigeuners« in der Kinder- und Jugendliteratur
Antiziganismus in EuropaAnda Nicolae Vladu und
Malte KleinschmidtVon Zigeunern und Vampiren.
»Der Zigeuner« als das Andere des rumänischen Selbst
Katrin LangeDie Stille durchbrechen. Antiziganistische Stimmungsmache
in Italien und der Widerstand dagegen
Dirk AuerZwischen den Fronten – Die Vertreibung der Roma aus dem Kosovo
und die Verantwortung der
Internationalen GemeinschaftDjevdet Berisa und
Klaus StrempelRomane Aglonipe – Roma-Flüchtlinge aktiv
Rezensionen Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte
Radio: Radio Darmstadt
Redaktion und Moderation: Walter Kuhl
Radio Darmstadt:
Antiziganistische Kontinuitäten (via
unrast wild.cat)
Aric
Das Problem heißt: Antiziganismus. CEE IEH #168
Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments. www.lernen-aus-der-geschichte.de
Themen Schwerpunkt Antiziganismus. In: Huch 61
"Ce livre qui relève les carences des partis de gauche à ce sujet et dresse le bilan des méfaits est fort bien enrichi d’études historiques, ethnologiques, sociologiques. Avec beaucoup de place aux polémiques actuelles." Lionel Richard. In:
le monde diplomatique, Octobre 2009.
Doing Gypsy: Wie funktioniert Antiziganismus? Von Vina Yun in
an.schläge November 09
"Äußerst empfehlenswert ist der Beitrag von Dirk Auer über die Roma im Kosovo. Die systematische Vertreibung der Roma des Kosovo durch die Mehrheitsbevölkerung und die völlige Zerstörung der Roma-Mahallas, die Quasi-Inhaftierung der Roma im bleiverseuchten Flüchtlingslager nördlich von Mitrovica, dies alles unter Duldung der KFOR nach Ende des bewaffneten Konflikts, sind kaum ins Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit gedrungen. Bis heute ist die Haltung der Internationalen Gemeinschaft inklusive der Europäischen Union zu dieser Katastrophe von mangelnder Wahrnehmung und vollkommenem Versagen geprägt. Der Beitrag von Auer zeigt wesentlich deutlicher und eindrücklicher als jegliche diskurstheoretische Abhandlung, wie allgegenwärtig und fundamental in Europa die Feindseligkeit gegen Roma und das Desinteresse an ihrem Schicksal tatsächlich ist."
Peziza Cech in:
Romano Centro Heft Nr. 67, Mai 2010