Cover in groß "Wir sind die Guten"
Willi Bischof, Irit Neidhardt

Wir sind die Guten

Antisemitismus in der radikalen Linken


ISBN: 3-89771-400-0
Ausstattung: br., 188 Seiten
Preis: 14.00 Euro

Der Titel ist vergriffen.

„Das Buch mag so manche/n provozieren, und auch der Vorwurf, es spiele den Falschen in die Hände, wäre für radikale Linke nichts Ungewöhnliches. Argumente, es nicht zu lesen, sind das jedoch nicht. Im Gegenteil.“ aktuelles

Aus dem Inhalt

Bruchstücke
Irit Neidhardt

Entdeckungen und Erfahrungen bei dem Versuch,
Antisemitismus in den eigenen Kreisen zu
enttabuisieren – Fragmente
Willi Bischof

[Bind-ungs-los]-ig-keit
Kontinuitäten im NS-Erziehungsstil
Frank Lohscheller

Autonome Antifa-Politik
Antisemitismus kein Thema?
Tobias Ebbrecht

Die Linke und ihre Stunde Null
Ein Reisebericht
gruppe demontage

Die radikale Linke, Israel und Palästina
Eine Collage
Irit Neidhardt

Anhang
»Gerd Albartus ist tot.« (Dokumentation)
Plakate (Dokumentation)
Die Titelidee (Dokumentation)

Rezensionen:

"Die Beiträge zeigen, dass Kritik an der Politik Israels erlaubt und notwendig sein muss, dass diese aber mit den historischen Begebenheiten insbesondere für deutsche/österreichische Linke abgeglichen werden muss. Insgesamt ein wertvoller Beitrag und Arbeitsauftrag für die radikale Linke."
hobo, TATblatt (Auszug)
http://www.nadir.org/nadir/periodika/tatblatt/151linkerantisemitismus.htm
A wie Antifa bis Z wie Zionismus.

Radikale Linke auf der Suche nach ihrem Antisemitismus.


Der Antisemitismus in der Linken ist so alt wie die Linke selbst und so finden sich auch innerhalb der radikalen Linken immer wieder Texte, die es verdient haben, antisemitisch genannt zu werden. Auch die jetzt durch staatliche Repression zur linken Mystifizierung freigegebenen Revolutionären Zellen (RZ) zeichneten sich vielfach durch rhetorische Bagatellisierung des Antisemitismus und der Shoah aus. In ihren Bekennerschreiben Ende der siebziger Jahre ist so z.B. die Rede vom "faschistischen Genozid am palästinensischen Volk" und dem "Holocaust an den Palästinensern".

Grund genug, sich mit dem linken Antisemitismus auseinanderzusetzen. Auf diese Weise entstand das Buchprojekt "Wir sind die Guten. Antisemitismus in der radikalen Linken", in dem sich vier AutorInnen - denen eine politische Biographie in der radikalen Linken gemein ist - und die Gruppe Demontage auf die Suche nach den Schattenseiten linker Politik machen.

Am Anfang des Buchs steht die Erkenntnis, daß es sich beim Begriff "Antisemitismus" um ein Konzept handelt, das Linke zu keiner Zeit unbefangen auf sich selbst anwenden würden - ein Umstand, der aber mitnichten auf seine Nicht-Existenz hinweist. Im Gegenteil: Es gibt ihn, den linken Antisemitismus, und das sogar sehr facettenreich. Mal kommt er als verkürzte Kapitalismuskritik mit antisemitischen Implikationen daher, mal als Vergleich der israelischen Siedlungspolitik in den palästinensischen Gebieten mit der systematischen Vernichtung der europäischen Juden.

Da aber auch Linke nicht als Antisemiten geboren werden, widmen sich die BuchautorInnen vorerst ihrer eigenen Erziehung. Hier kommen vor allem die für die Erziehungspolitik des Nationalsozialismus immens wichtigen Erziehungsratgeber der Ärztin Johanna Haarer zur Geltung. Während die Linke die vielen Kontinuitätslinien in der bundesrepublikanischen Gesellschaft anklagt, habe sie die fortdauernden Erziehungsnormen und somit auch sich selbst vergessen, lautet der Vorwurf der AutorInnen: "Unsere Eltern sind nach dem NS Erziehungsstil erzogen worden, und haben, bewußt oder unbewußt, wichtige Bestandteile des NS Erziehungsstils in unsere Erziehung einfließen lassen und somit am Leben erhalten."

Die AutorInnen widmen sich dann einem Politikfeld, in dem andauernd vom Faschismus bzw. vom Nationalsozialismus die Rede ist und daher eigentlich auch vom Antisemitismus gesprochen werden müßte. Die Rede ist vom autonomen Antifaschismus. Dieser zeichne sich jedoch leider durchaus nicht durch seine intensive Beschäftigung mit diesem Thema aus. Die Versuche einiger Antifa-Gruppen, eine adäquate Politikform in bezug auf Antisemitismus zu entwickeln, blieben in letzter Zeit eher marginal und auf die Aktivitäten gegen Aktionärsversammlungen der IG Farben beschränkt. Die Liste antifaschistischen Versagens in der Auseinandersetzung um den Antisemitismus in Deutschland hingegen sei lang: Bitburg, zweiter Golfkrieg, 8. Mai 1995, Goldhagen, Gollwitz, Walser-Debatte und die Relativierungen der deutschen Verbrechen im Krieg gegen Jugoslawien - um nur die bekanntesten Beispiele zu nennen. Die Ursachen hierfür sind zweifellos in der Linken selber zu suchen.

Als horribles simplificateurs machten Linke hierzulande den Antifaschismus zum "Kampf ums Ganze" (AAB) und das Horkheimersche Diktum - daß wer vom Kapitalismus nicht reden will, auch vom Faschismus schweigen solle - erfährt, da es zur Bewertung des letzteren, statt als Aussage über den Kapitalismus gelesen wird, in der Parole "Hinter dem Faschismus steht das Kapital" eine für den autonomen Antifaschismus typische Umsetzung.

Solch eine Analyse verweist für die AutorInnen auf "die Schwierigkeit, die Shoah nur in der Distanzierung wahrnehmen zu können, während die Nähe zu den TäterInnen und ihrer Gesellschaft schon durch den eigenen Standpunkt bestimmt ist". Statt jedoch radikal mit dem Volk der Täter zu brechen und uneingeschränkte Solidarität mit den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus zu üben, ist das linke Verhältnis zu den Opfern geprägt von identifikatorischer Vereinnahmung für die eigene Politik. Verfolgung erlitt nach linker Lesart vor allem der kommunistische Widerstand. Umgekehrt folgte daraus, daß wer verfolgt wurde eigentlich widerständig im kommunistische Sinne gewesen sein mußte, also auch die jüdischen Opfer. Zur Legitimation jener Vereinnahmung bedurfte es seit 1945 zudem einer besonderen Rhetorik: So soll die Linke in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg immer ebenso Opfer eines hundsgemeinen "Faschismus" gewesen sein: KPD-Verbot, Stammheim, Überwachungsstaat etc. pp.

"Was immer die Motivation gewesen sein mag, durch die - bewußte oder unbewußte - Gleichsetzung ihrer selbst mit den Opfern des Nationalsozialismus machten sich die GenossInnen zu Betroffenen und gaben sich eine scheinbar unanfechtbare Definitionsmacht über Gut und Böse", schlußfolgert Irit Neidhardt, die für das vorliegende Buch den mit Abstand interessantesten Beitrag ("Die radikale Linke, Israel und Palästina") vorgelegt hat. Hierin skizziert sie die Verwendung jener analytischen Platitüden durch die Solidaritätsarbeit für Palästina. Geltend gemacht wird jedoch auch, daß dies nicht immer so war. Bis 1967 immerhin war die Sympathie der deutschen Linken für Israel groß. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit dem Sechs-Tage-Krieg. Während die Konservativen hierzulande die Stärke Israels feierten, um sich ihrer Verantwortung für die nationalsozialistische Barbarei zu entledigen, behauptete nun auch die Linke, daß Israel - bis dahin Symbol für die jüdischen Opfer - nun zum Täter avanciert sei. Diese Politik kulminierte am 9. November 1969, als die linke Gruppe Schwarze Ratten TW in Berlin mehrere jüdische Mahnmale schändete und in einem jüdischen Gemeindehaus eine Bombe deponierte. Begründung: "Jede Feierstunde in Westberlin und in der BRD unterschlägt, daß die Kristallnacht von 1938 heute tagtäglich von den Zionisten in den besetzten Gebieten, in den Flüchtlingslagern und in den israelischen Gefängnissen wiederholt wird. Aus den vom Faschismus vertriebenen Juden sind selbst Faschisten geworden, die in Kollaboration mit dem amerikanischen Kapital das palästinensische Volk ausradieren wollen."

Ein weiteres Beispiel für die Konsequenzen aus solch haarsträubenden Annahmen ist die Flugzeugentführung nach Entebbe im Sommer 1976 durch zwei Mitglieder der RZ und zwei Palästinenser. Diejenigen, die damals das Flugzeug in ihre Gewalt brachten, selektierten zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Passagieren, wobei sie letztere innerhalb weniger Tage freiließen. "Die Selektion erfolgte entlang völkischer Linien" und sozialrevolutionäre Maßstäbe wurden gegen "Sippenhaft" eingetauscht, kritisiert eine Gruppe der RZ diese Aktion in dem im Anhang des Buches dokumentierten "Albartus-Text". Dieses Papier - dessen Lektüre hiermit ausdrücklich empfohlen sei - stellt gegen den Antisemitismus der kritisierten Aktion das Existenzrecht Israels. Dieser Staat habe seine Notwendigkeit "als Ort der Zuflucht für die Überlebenden und Davongekommenen, (...) solange eine neuerliche Massenvernichtung als Möglichkeit von niemandem ausgeschlossen werden kann, solange also der Antisemitismus als historisches und soziales Faktum fortlebt" - Ein Diktum, dessen Gültigkeit zweifellos andauert, auch wenn es in der Linken noch weit davon entfernt ist, theoretisches Allgemeingut zu werden.

Die Teile der Linken jedoch, in denen das Existenzrecht Israels einen hohen Stellenwert besitzt, finden in dem Buch keinerlei Beachtung. Erinnert sei hier beispielsweise an die Antisemitismus-Diskussionen im Rahmen des zweiten Golfkriegs in und um die Zeitschrift konkret. Radikale Linke scheinen hier für die AutorInnen nicht am Werk gewesen zu sein. In Anbetracht der Antisemitismus-Diskussion der letzten zehn Jahre in der radikalen Linken sind die in dem Buch versammelten Erkenntnisse also nur für einen bestimmten Teil der deutschen Linken relevant. Selbst für diesen sind sie nicht neu, aber wenigstens konzentriert.


Kyo Gisors
kyo.gisors@ornament-und-verbrechen.de

http://www.ornament-und-verbrechen.de/abisz0400.html

aus Süddeutsche Zeitung, POLITISCHES BUCH

Wer sind die Guten?
Dissidenten aus der „Antifa“-Szene über linken Antisemitismus

Der Antisemitismus sei eine Domäne der Rechten – dieses alte Gerücht pflegen die Linken seit jeher liebevoll. Es ist also ein kleines Jahrhundertereignis, wenn ein paar linke Intellektuelle sich öffentlich Gedanken machen über „linken Antisemitismus“. Die Autoren des recht heterogenen Bändchens sind dafür denn auch prompt aus der Gemeinde der Antifaschisten exkommuniziert worden.
(...)
Hier schreiben Leute, denen etwas faul vorkommt an der bedingungslosen, selbstverständlichen „Solidarität“ junger Deutscher mit dem „Befreiungskampf“ von PKK und PLO. Und denen die Augen aufgegangen sind für die Ressentiments gegenüber Juden, die dahinter versteckt sind.
Das Buch lenkt den Blick auf den durchaus eigenartigen Umstand, dass gerade junge Linksradikale sich hier zu Lande kaum für diejenigen interessieren, die Opfer der Nazis waren: für die Juden. Stattdessen wird von „israelischen Imperialisten“ schwadroniert. Sinnbildhaft dafür steht die Mode des Palästinensertuchs in den 80er Jahren: Es gibt, so die polemisch formulierte Erkenntnis, wahrlich noch andere Verdammte auf dieser Erde, die folkloristische Stoffmuster produzieren, welche man sich um den Hals hängen kann.
Ein paar Abbildungen, leider viel zu wenige, zeigen Plakate und Flugblätter aus der „Antifa“-Szene, anhand derer sehr schön zu erkennen ist, wie die „autonome“ Kritik am internationalen Kapitalismus unversehens als Menetekel von der jüdischen Weltverschwörung daherkommt: der Zigarre rauchende Strippenzieher im Hintergrund, die weltumspannende Krake – das kennt man auch von gewissen Plakaten aus den 20ern und 30ern.
Trotz all dieser bemerkenswerten Qualitäten: Das Standardwerk zum Thema linker Antisemitismus ist und bleibt Henryk Broders „Der ewige Antisemit“.
FLORIAN SENDTNER

alert! - vakblad voor antifascisten:

Deze bundel
met teksten heeft als doel om de Duitse linkse
beweging een spiegel voor te houden over het in
Duitsland zeer gevoelige thema antisemitisme.
Personen en groepen uit links-radicale kringen doen
aan kritische zelfreflectie en provoceren de lezer tot
nadenken. Soms zie je in Duitsland het bizarre
schouwspel van voor de vrijheid van Palestina
demonstrerende neonazi’s tegenover antifascisten, met
als blok daartussenin een groep links-radicale personen
met Israëlische vlaggen, de zogenaamde ‘anti-
Deutschen’. Kortom, een aanrader.


aus Allgemeine Jüdische Wochenzeitung vom 6.7.2000

Altes Feindbild - Neu verpackt


Bischof Willi, Neidhardt Irit (Hg.), Wir sind die Guten, Antisemitismus in der radikalen Linken, Unrast-Verlag, Münster 1999, 188 Seiten, 26,80 DM

"Am 31. Jahrestag der faschistischen Kristallnacht wurden in Westberlin mehrere jüdische Mahnmale mit ‘Schalom und Napalm’ und ‘El Fatah’ beschmiert. Im jüdischen Gemeindehaus wurde eine Bombe deponiert. Beide Aktionen sind nicht mehr als rechtsradikale Auswüchse zu diffamieren, sondern sie sind ein entschiedenes Bindeglied internationalistischer sozialistischer Solidarität." Nicht von einer Neonazigruppe sondern von den sich links verstehenden ‘Schwarze Ratten - Tupamaros’ wurde dieses Bekennerschreiben im November 1969 verfaßt. Die Gruppe ist längst vergessen. Ihre Ergüsse wurden auszugsweise in einem Buch abgedruckt, dass sich mit dem Antisemitismus in der radikalen Linken befaßt. Die hatte sich im Gefolge der Studentenbewegung in Abgrenzung zu den traditionellen Linksparteien gebildet und wurde mit solch unterschiedlichen Begriffen wie Spontis, Basisgruppen, Undogmatische oder Autonome belegt.

Spätestens seit dem Golfkrieg Anfang der 90er Jahre ist viel über den linken Antisemitismus geschrieben worden. Doch das vom Unrast-Verlag herausgegebene Buch nähert sich dem Thema einmal nicht mit Analysen und Zitatensammlungen. Die vier Autoren und eine Gruppe, alle nach 1960 geboren und in unterschiedlichen Teilbereichen der radikalen Linken aktiv, beschreiben vielmehr ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Antisemitismus in der Szene.

Dieser subjektive Ansatz ist nicht ohne Tücken. So mag der Beitrag des Pädagogen Frank Lohscheller, der sich mit seinen langsamen Abnabelungsprozess von der autonomen Szene befaßt und dabei immer wieder Rückblicke auf die Nazivergangenheit seiner Großeltern liefert, interessant zu lesen sein. Warum er aber in einem Band zum linken Antisemitismus Eingang gefunden hat, der in dem Aufsatz nur kurz gestreift wird, muss das Geheimnis der Herausgeber bleiben.

Auch Tobias Ebbrecht verliert sich in seinem Text gelegentlich in Abschweifungen, kommt allerdings doch immer wieder zum Thema zurück. Dem Unvermögen aktiver Antifaschisten, Empathie mit dem noch lebenden Opfern der Shoah zu entwickeln. Eine wesentliche Ursache sieht er in einer Faschismus-Analyse, die in den Nazis lediglich Marionetten des Kapitals sieht. "Die Besonderheiten des Nationalsozialismus, mit ihnen der Antisemitismus, gehen dadurch verloren."

Am Beispiel eines Gesprächs der Generationen, daß Marburger Linke 1998 als Rahmenprogramm zur Wehrmachtsausstellung organisiert hatten, zeigt Ebbrecht die Konsequenzen einer solchen Politik. Während ein an der Runde teilnehmender ehemalige SS-Mann allein für seine Anwesenheit gelobt wurde, obwohl er Fragen über seinen Beteiligung an NS-Verbrechen auswich und sich selbst zum Opfer stilisierte, wird einer KZ-Überlebenden und der Tochter eines Auschwitzhäfltings, die beide im Publikum sassen, jede Anteilnahme verweigert. Beide verliessen schließlich nach Protesten vorzeitig die Veranstaltung. In den Bündnissen für die Entschädigung der Zwangsarbeiter und die Enteignung des IG-Farben-Konzerns sieht Ebbrecht bescheidene Ansätze für eine Antifapolitik, die auf die NS-Opfer Bezug nimmt.

Den interessantesten Beitrag lieferte die Politikwissenschaftlerin Irit Neidhardt. Weil sie einen Teil ihrer Kindheit in Israel verbrachte und auch später immer wieder das Land besuchte, wurde sie von ihren linken Mitkämpfern ganz selbstverständlich als Jüdin betrachtet, was teilweise kuriose Ergebnisse hatte. Da gab es eine Erleichterung in der Politgruppe, wenn sie Formulierungen zu Israel und den Palästinakonflikt schließlich nach längerer Diskussion doch akzeptierte. "Habt ihr euch besser gefühlt, die Golfkriegsflugflätter zu schreiben mit einer Jüdin in Eurer Runde"; so Neidhardts ironischer Kommentar.

Doch nicht nur dem linke Antisemitismus begegnet Neidhardt mit bissiger Ironie: "Für Verkitschung und die Liebedienerei gegenüber Israel , die seit einiger Zeit in gemäßigter Form auch in der radikalen Linken einsetzt, gibt es in der BRD nur einen innenpolitischen Grund." Ein wirkliches Interesse an der Situation in Israel und Israel vermißt sie in der deutschen Linken. Auch die Intifada-Begeisterung der hiesigen Linken in den 80er Jahren habe sich im Wesentlichen aus "antisemitisch motivierter Genugtuung an der menschenverachtenden Palästinapolitik Israels" gespeisst.

Israel-Boykott-Aufrufe, wie sie auf dem im Anhang abgedruckten Plakaten aus den späten 80er Jahren zu finden waren, gehören heute in der Linken wohl der Vergangenheit an. Nicht aber linker Antisemitismus, wie die antinationale Gruppe demontage am Beispiel der Kurdistansolidarität verdeutlichte. Ohne jeden Beweis wurde im Februar ‘99 der Mossad für Öcalans Verhaftung verantwortlich gemacht und auf PKK-Solidaritätsdemonstrationen israelische Fahnen verbrannt.

Es gibt also genügend Anlaß, sich mit dem linken Antisemitismus zu gegangen. Wenn auch nicht alle Beiträge gelungen sind, regt das Buch zum Nachdenken und zur Diskussion an. Peter Nowak

Die AutorInnen

Willi Bischof.
Jahrgang 1962, Verlagskollektiv Unrast, Lektor.

gruppe demontage.
Hamburg. Im Juli 1998 erschien bei Unrast ihr Buch »Postfordistische Guerrilla – Vom Mythos nationaler Befreiung«.

Tobias Ebbrecht.
Jahrgang 1975. Seit 1991 in verschiedenen lokalen und bundesweiten Antifa-Zusammenhängen aktiv, u.a. im Bündnis gegen die IG Farben/Marburg.
Autor und Mitherausgeber: gruppe offene Rechnung, THE FINAL INSULT, Unrast-Verlag 2003

Frank Lohscheller.
Jahrgang 1964, arbeitet heute als freiberuflicher Jungenarbeiter an Schulen. Von 1981 bis 1993 war er in verschiedenen Antirassismus- und Antfaschismusgruppen aktiv.
Autor: Typisch Junge, Unrast-Verlag 2002

Irit Neidhardt.
Jahrgang 1969. Politikwissenschaftlerin, seit Jahren politisch aktiv im Bereich Antifa und in der kulturellen Bildungsarbeit zu Israel und Palästina. Lebte mehrere Jahre im Nahen Osten.

weitere Titel der Autorin:
Irit Neidhardt (Hrsg.): Mit dem Konflikt leben!? , Berichte und Analysen
von Linken aus Israel und Palästina

weitere Informationen siehe:
Textsammlung Antisemitismus
Hier finden Sie eine Auswahl von Grundlagentexten zum Thema Antisemitismus und aktuellen Bücher zum Thema.

Aus der Rubrik: Politik - Antifaschismus