Cover in groß "„... Macht und Anteil an der Weltherrschaft“"
Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hg.)

„... Macht und Anteil an der Weltherrschaft“

Berlin und der deutsche Kolonialismus


ISBN: 3-89771-024-2
Ausstattung: Hardcover, 284 Seiten
Preis: 28.00 Euro

Großformat B5, ca. 120 Abbildungen

Gegenwärtig werden die vielfältigsten Fragen der deutschen Kolonialpolitik diskutiert, darunter vor allem die nach den Rückwirkungen des Kolonialprojekts auf die deutsche Gesellschaft selbst. Dabei ist unumstritten, dass der koloniale Diskurs mit einem rassistisch geprägten Superioritätsdenken einherging, beanspruchte doch das Deutsche Reich durch seinen Kolonialbesitz wie durch seine expansive Flottenpolitik nicht mehr nur eine kontinentale Großmacht, sondern gar eine Weltmacht zu sein. Die ehemalige Kolonialmetropole Berlin bietet den Anlass dazu, über die Kolonialgeschichte nachzudenken, um auf diese Weise die Verflechtungen von deutsch-afrikanischer bzw. europäisch-außereuropäischer Geschichte aufzuzeigen. Einer der Schwerpunkte des reich illustrierten Sammelbandes liegt auf dem Komplex des Kolonialismus als kulturelles Phänomen. Dazu gehört etwa der Umgang mit dem kolonialen Fremden, der Exotismus wie die Kolonialwissenschaften. Neben der afrikanischen Diaspora werden auch die antiimperialistischen Vereinigungen der 1920er Jahre vorgestellt.

Aus dem Inhalt

Kolonialpolitik
Gerd Fesser:
Der Traum vom „Platz an der Sonne“
Das Reichskolonialamt zwischen nationalem Geltungsbewusstsein und Weltbürgertum.
Birthe Kundrus:
Die Staatssekretäre Friedrich von Lindequist und Wilhelm Solf.
Jens Ruppenthal:
Die Kolonialabteilung im Auswärtigen Amt der Weimarer Republik.
Klaus Jaschinski:
Kaiser Wilhelm II. auf Pilgerfahrt im Heiligen Land.
Thomas Morlang:
„Finde ich keinen Weg, so bahne ich mir einen.“ Der umstrittene „Kolonialheld“ Hermann von Wissmann.
P. Werner Lange:
„Und ich zweifelte, ob ich ein Krieger sei ...“ Der Kolonialoffizier und Pazifist Hans Paasche.
Tanja Hemme:
„Deutschland hat Hände im Uebermaß für eine solche Arbeit zur Verfügung“.
Ulrich van der Heyden:
Ernst von Weber – Diamantensucher und Kolonialagitator. Die Wüsteninsel Arguin.

Kolonialwirtschaft
Ulrich van der Heyden:
Benjamin Raule und Berlin.
Helmut Caspar:
„Durch Gottes Führung.“ Koloniale Münzen und Medaillen der Hohenzollern.
Dieter Brötel:
Hermann Wallich. Von Pariser Banken zum Asiengeschäft der Deutschen Bank (1850–1889).
Wolfgang G. Schwanitz:
„Wir speisen im Adlon“: Herbert M. Gutmann und die Deutsche Orientbank.

Berliner Institutionen und die Kolonialwissenschaften
Hans-Dietrich Schultz, Heinz Peter Brogiato:
Die „Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin“ und Afrika.
Pascal Grosse:
Die Deutschen Kolonialkongresse in Berlin 1902, 1905 und 1910.
Harald Sippel:
Die Reichstags-Kommission zur Erforschung des „Eingeborenenrechts“.
Jan Henning Böttger:
«Bienvenue dans la capitale de l’Empire!» Die Tagung des ‚Institut Colonial International‘ in Berlin (1897).
Dirk van Laak:
Die Berliner „Arbeitsgemeinschaft für Kolonial- und Tropentechnik“.
Holger Stoecker:
Koloniale Großforschung im „Dritten Reich“. Die Kolonialwissenschaftliche Abteilung des Reichsforschungsrates.

Forscher und Technik
Christine Stelzig:
Felix von Luschan. Ein kunstsinniger Manager am Königlichen Museum für Völkerkunde zu Berlin.
Martin Albrecht:
Hans Schomburgk, seine Zelte in Afrika und ein Schulzoo in Pankow.
Anna Bergmann:
Tödliche Menschenexperimente in Kolonialgebieten. Die Lepraforschung des Arztes Eduard Arning auf Hawaii 1883-1886.
Reinhart Bindseil:
Richard Kandt und die indirekte Kolonialherrschaft in Ruanda.
Reinhard Klein-Arendt:
Die Funkstation Nauen bei Berlin.

Szenarien kolonialer Kultur
Winfried Speitkamp:
Totengedenken als Berlin-Kritik. Der Kult um die Kolonialpioniere.
Sylke Kirschnick:
Koloniale Szenarien in Zirkus, Panoptikum und Lunapark.
Jeff Bowersox:
„Neuer Lebensraum in unseren Kolonien“. Die Berliner Kolonialausstellung von 1933.
Stefanie Michels:
Herrschaftspose, Hetzbild, Anklage. Streit um eine Kolonialfotografie.
Oliver Simons:
Der Raub der Nofretete.
Susanne Ziegler:
„Musikproben von allen Völkern der Erde.“ Das Berliner Phonogramm-Archiv.

China und die Südsee
Mechthild Leutner:
Kiautschou – Deutsche „Musterkolonie“ in China?
Thoralf Klein:
Sühnegeschenke: Der Boxerkrieg.
Sebastian Conrad:
„Die Sehnsucht nach Chinesen.“ Chinesische Arbeiter in der preußischen Landwirtschaft?

Weißes Berlin? Die Schwarze Präsenz in der Reichshauptstadt
Joachim Zeller:
Abd el Faradj alias Henry Noël. Befreiter Sklave und „Mohr von Berlin“.
Marianne Bechhaus-Gerst:
W.E.B. Du Bois in Berlin.
Joachim Zeller / Stefanie Michels:
Kamerunischer Nationalheld – treuer deutscher Diener und Soldat. Mebenga m’Ebono alias Martin Paul Samba.
Ursula Trüper:
„Das Blut der Väter und Mütter“. Otto Hegner und der Arierparagraph.
Suphot Manalapanacharoen:
König Chulalongkorn und die Stadt Berlin.

Die Anti-Kolonialmetropole
Peter Sebald:
Eine kolonialkritische Stimme: G. A. Krause - Malam Musa.
Peter Martin:
Die „Liga gegen koloniale Unterdrückung.“
Robbie Aitken und Eve Rosenhaft:
Politik und Performance: Deutsch-Kameruner in der Anti-Kolonialbewegung der zwanziger und dreißiger Jahre.
Lothar Günther:
Die Indische Legion.