Cover in groß "Das Plagiat"
Helmut Kellershohn (Hg.)

Das Plagiat

Der völkische Nationalismus der Jungen Freiheit


ISBN: 3-927388-44-0
Ausstattung: br., 340 Seiten
Preis: 17.50 Euro

DISS - Backlist
lieferbar ab 1.1.2004

Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Sammelbandes sind "tief eingestiegen in den rechtsextremen Sumpf, um dort die intellektuelle Szene wissenschaftlich auszuleuchten, die organisatorischen Vernetzungen sowie die Rezensions- und Zitierkartelle aufzuspüren"
(Die Zeit).

Inhalt:

Kurzchronologie der Jungen Freiheit 1986 bis 1994
Helmut Kellershohn: Das Projekt Junge Freiheit. Eine Einführung
Helmut Kellershohn: Die selbsternannte Elite. Anmerkungen zum Personal der Jungen Freiheit
Anton Maegerle: Criticon: Die Junge Freiheit im Zeitschriftenformat. Strategieorgan rechtskonservativer Intellektueller
Exkurs: Thule-Netz und Junge Freiheit
Martin Dietzsch: Kader gegen die Fünfundvierziger. Die völkische Gesinnungsgemeinschaft Witikobund
Heinz Hachel: Poor Impact: Werbeträger Junge Freiheit
Siegfried Jäger: Die Debatte um den Kulturbegriff in der Jungen Freiheit. Eiertanz um den heißen Brei
Klaus Kriener: Plettenberg - Freiburg - Potsdam. Über den Einfluß Carl Schmitts auf die Junge Freiheit
Sebastian Reinfeldt / Richard Schwarz: "Ethnopluralismus" made in Germany
Sabine van den Bruck / Renate Schmitz: "Emanzipation der Frau von der Frauenemanzipation" - oder: Bevölkerungspolitik à la Junge Freiheit
Alfred Schobert: Geschichtsrevisionismus à la carte. Mit Nolte und Zitelmann gegen "Westextremismus"
Alfred Schobert / Ronald Papke: Ab durch die Mitte. Der Mitteleuropa-Gedanke in der Jungen Freiheit


Vorwort
Das Superwahljahr 1994 ist auf dem Zeitungsmarkt durch ein beachtenswertes Ereignis eingeläutet worden. Seit dem 21. Januar erscheint in Potsdam die jungkonservative Wochenzeitung Junge Freiheit (JF).
Unser Interesse gilt der Jungen Freiheit aus folgendem Grund: Die JF verkörpert in prägnanter Weise eine neue politisch-weltanschauliche Konstellation, an deren Entwicklung und Verbreitung sie selbst, seit ihrer Gründung, aktiv, wenn auch lange Zeit eher randständig, mitgewirkt hat. Diese neue ideologische Konstellation, deutlich sichtbar geworden z.B. im Fall Heitmann, hat sich in den letzten Jahren in den Kontroversen um die internationale Rolle und die innere Verfassung der Bundesrepublik herangebildet. Sie ist der geistige Ausdruck zweier sich gegenseitig bedingender politischer Prozesse, auf der einen Seite eines Rechtstrends der offiziellen Politik und gewichtiger Teile der bürgerlichen Öffentlichkeit, auf der anderen Seite eines Rechtsdrucks in die bürgerliche "Mitte" hinein. Den Kern bildet, salopp ausgedrückt, ein 'Ideologiebrei', in dem rechtskonservative und nationalliberale Essentials und das Gedankengut des intellektuell modernisierten Rechtsextremismus - teilweise bis hin zur Ununterscheidbarkeit - vermengt sind. Wir bezeichnen dieses Gebilde als Völkischen Nationalismus.
Der völkisch 'begründete' Nationalismus ist zweifellos die die moderne deutsche Geschichte dominierende Version des Nationalismus, in der Vergangenheit mal stärker, mal schwächer ausgeprägt (vgl. Alter 1985). Er ist Bestandteil des "Kältestroms" (Ernst Bloch), der die deutsche Geschichte besonders seit 1878, dem Jahr der großen innenpolitischen Wende im Kaiserreich, durchzieht und im Faschismus seine barbarische und zugleich seine vorläufig modernste Ausdrucksform gefunden hat. Nach 1945 trat diese vorherrschende ideologische Tradition zwar in den Hintergrund, konnte jedoch nicht nur im rechten Parteienspektrum politisch gleichsam 'überwintern'. Weitaus wichtiger war, daß völkische Essentials im Grundgesetz verankert und damit Bestandteil der offiziellen Staatsideologie blieben. Dieter Oberndörfer, einer der vehementesten Kritiker des Völkischen Nationalismus, spricht mit Blick auf den Art. 116 GG von "einem völkischen Kern des Grundgesetzes" (Oberndörfer 1992, S. 25; vgl. auch ders. in FR 20.11.1993 u. Die Zeit 4.2.1994).
Es war das historische Verdienst der Studentenbewegung und der Reformära der 70er Jahre, einer geistigen Haltung bis in die Tiefen des Alltagsbewußtseins hinein Geltung verschafft zu haben, die dem Anliegen des Völkischen Nationalismus diametral entgegensteht. Der Geist der 68er war der eines sinnlichen Materialismus, der die Institutionen der Gesellschaft und die Gesellschaft als Ganzes nur gelten lassen wollte, sofern sie sich vor den Bedürfnissen der Individuen und ihrem Anspruch nach selbstbewußter und gleichberechtigter Regelung ihrer Lebensverhältnisse legitimieren können.
Dieser sinnliche Materialismus war das erklärte Feindbild, mit dem die bürgerliche Wende-Regierung zu Beginn der 80er Jahre antrat (vgl. Dubiel 1985, S. 21ff.). Ökonomische Modernisierung war angesagt, eine kulturelle Restauration als Kompensation für die negativen Folgen einer marktradikalen Wirtschaftspolitik im Angebot. Der "völkische Kern" der Staatsideologie wurde in diesem Sinne reaktiviert und zusammen mit anderen nationalistischen Motiven systematisch zu einem Kampffeld konservativer Politik ausgebaut, bis hin zum vorläufigen Höhepunkt, der Asyldebatte. Der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, die sog. Wiedervereinigung mit ihren z.T. katastrophischen Folgen für den "Industriestandort" Ostdeutschland, der Golfkrieg und die vielerorts beschworene neue Rolle Deutschlands in der Weltpolitik wurden derart thematisiert, daß mittlerweile und in zunehmenden Maße ein völkischer Idealismus zum Grundton (nicht nur) des konservativen Politikerdiskurses geworden ist: Mit Emphase und Pathos werden Volk und Nation herbeizitiert, in Wirklichkeit sind Macht, Herrschaft und die Mehrung des Profits gemeint. Nachdem die Parteilichkeitsapostel des Marxismus-Leninismus mit dem Umbruch von 1989 das Zeitige gesegnet haben, haben nun die Parteilichkeitsapostel des Völkischen Nationalismus Hochkonjunktur. An die Stelle des Bekenntnisses zur "Arbeiterklasse" tritt zunehmend das allgemeine Bekenntnis zur Nation als "Schicksalsgemeinschaft". Nicht das vielbeschworene Ende der Ideologie scheint damit der markante Zug der Zeit zu werden, sondern die Renaissance von Ideologie in ihrer elendigsten Form, nämlich in Gestalt einer sadomasochistischen Ersatzreligion. Diese Entwicklung ist freilich keineswegs abgeschlossen, sie vollzieht sich eher allmählich, zuweilen zugespitzt wie in der Asyldebatte; sie wird immer wieder durchbrochen und durchkreuzt von gegenläufigen Prozessen und Tendenzen. Es gibt eben zur Zeit kein einheitliches Bild, sondern eher eine Art Flickenteppich multipler Kämpfe und Gegenkämpfe.
Nutznießer und zugleich Verstärker der skizzierten Entwicklung, die wohlgemerkt nicht an den Rändern, sondern in der bürgerlichen "Mitte" der Gesellschaft ihren Ausgangspunkt genommen hat, ist das rechtsextreme Lager[1], das immer schon dem Geist des Völkischen Nationalismus pur verpflichtet gewesen ist. Auf dem Hintergrund der sozialen Desintegrationsprozesse und ideologischen Umbrüche, die mit dem neokonservativen Wende-Projekt einhergingen, konnten sich die Republikaner, von ihrem Ursprung her "Fleisch vom Fleische der CDU" (Rohrmoser), als eine Formation herausbilden, in welcher der Völkische Nationalismus eine unverfälschtere, gewissermaßen "integrale" Gestalt annehmen konnte, während er in den Unionsparteien bis heute noch durch gegenläufige Strömungen konterkariert und relativiert wird. Neben diesem Versuch, auf populistischem Wege, über die Bildung von Massenparteien und den Kampf um Parlamentssitze Einfluß zu gewinnen, steht der Versuch des intellektuellen Rechtsextremismus in und außerhalb der rechtsextremen Parteien, in die kulturellen Apparate hineinzuwirken, den Kampf um die kulturelle Hegemonie zu führen.
Wir können und wollen in diesem Buch die Renaissance des Völkischen Nationalismus insgesamt nicht nachzeichnen. Wir konzentrieren uns auf einen Strang innerhalb dieser Entwicklung. Unser Thema ist die Junge Freiheit. Dazu drei Vorbemerkungen.
Die Junge Freiheit ist keineswegs so "jung" und so "modern", wie sie sich gibt. Ihr Vorbild ist eine ideologische Strömung der 20er Jahre, die unter dem Sammelbegriff "Konservative Revolution" bekannt geworden ist und damals eine Vielzahl von rechtsintellektuellen, präfaschistischen Zirkeln zwischen Deutschnationalen und Nationalsozialisten umfaßte. Die JF-Mannschaft (die Redaktion besteht ausschließlich aus Jungmännern) schlachtet diese Tradition - am systematischsten Carl Schmitt - aus, plagiiert sie, frischt die damaligen Argumentationsmuster auf und reichert damit den völkisch-nationalistischen 'Ideologiebrei' an.
Die Junge Freiheit ist darüberhinaus auch nicht das, was man als ein Organ der 'Neuen Rechten' bezeichnen könnte. Diese Einschätzung ist durchaus verbreitet, wir teilen sie in dieser Einfachheit nicht, obwohl auch wir zu Beginn unserer Arbeit davon ausgegangen sind (vgl. Kellershohn/Maegerle 1993). Einmal abgesehen davon, daß wichtige Mitglieder der Redaktion, u.a. der Chefredakteur und Mitbegründer des Blattes, Dieter Stein, diesen Begriff für sich selbst nicht reklamieren und ihn eher als eine Bezeichnung für die an der französischen 'Nouvelle Droite' orientierte Gruppierungen verstehen, ist der Begriff zu global und verdeckt nur die unterschiedlichen strategischen Optionen, die unter dem Etikett 'Neue Rechte' subsumiert werden. Die sog. 'Neue Rechte' ist kein selbständiges, politisch handlungsfähiges Subjekt[2] und sie ist erst recht kein politisches Subjekt, das "durch Politik und Medien" geradezu gezielt unterstützt würde, wie etwa Wolfgang Gessenharter in seinem an sich lesenswerten und anregenden Buch Kippt die Republik? unterstellt.
Es ist eher genau umgekehrt. Wir haben es in der Jungen Freiheit mit Jungmännern zu tun, die schlicht und ergreifend Funktionäre - Gramsci würde sagen "organische Intellektuelle" - ganz bestimmter gesellschaftlicher Machtgruppen sind und ohne die sie nie ihr Zeitungsprojekt bis zu dem Punkt hätten ausbauen können, an dem sie jetzt stehen.[3] Allen voran ist hier das Lager der Vertriebenen (speziell der elitäre Braintrust der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der Witikobund) zu nennen, das nun nach der "kleindeutschen" Lösung neue Wege sucht, um großdeutschen Interessen durchzusetzen. Und sie sind Exponenten einer breiten Strömung im Übergangsfeld zwischen Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus, der die Bundesrepublik einfach noch zu liberal und durch den Geist der 68er noch zu "zersetzt" erscheint. Aus dieser "Grauzone" ist insbesondere eine "bündische Korporation" zu nennen, die Deutsche Gildenschaft, die mindestens fünf der zwölf Redakteure (inklusive Chefredakteur) [4] der Jungen Freiheit stellt: Mit guten Verbindungen zum "Stahlhelmflügel" der CDU, zum Witikobund und zu der wichtigen Zeitschrift Criticón, der "Jungen Freiheit im Zeitschriftenformat" (Anton Maegerle).
Dritte Vorbemerkung: Man darf das Auftreten der Jungen Freiheit als Wochenzeitung nicht isoliert betrachten. Vielmehr steht dieses Auftreten im Zusammenhang des Versuchs, in solchen Medienapparaten wie z.B. der Welt konservative Positionen im konservativ-revolutionären bzw. völkisch-nationalistischen Sinne schärfer zu pointieren. Der Fall "Zitelmann" ist hinlänglich bekannt. Alfred Schobert ist in diesem Buch auf die Hintergründe dieses Falles genauer eingegangen. Mittlerweile scheint Rainer Zitelmann, der noch Anfang Juli als verantwortlicher Redakteur des Ressorts "Geistige Welt" im Impressum geführt wurde, die Federführung für dieses Ressort aus der Hand genommen worden zu sein. Sein Problem war, daß er zu demonstrativ und undiplomatisch, im Stile Armin Mohlers, die Feigheit des sog. "Nischenkonservatismus" anprangerte und damit die konservativ-liberale Mehrheit in der Welt-Redaktion brüskierte.[5]
Aber der Fall "Zitelmann" war auch ein Fall Junge Freiheit, denn auf sie hat er immer wieder als positives Beispiel verwiesen - und auf den Gildenschafter Karlheinz Weißmann, mit dem er, noch als Cheflektor des Ullstein/Propyläen Verlages, das Buch Westbindung. Chancen und Risiken für Deutschland publizierte.
Der Fall Zitelmanns war wiederum der Hintergrund für die Eröffnung einer Debatte in der FAZ, die der Mitherausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, Chef des Feuilletons, unter dem Titel "What's right?" organisierte. Sicherlich auch, um der internen Diskussion in der FAZ eine Verlaufsform zu bieten, die sich im wesentlichen um die Positionen Zitelmanns und Weißmanns zur Frage der Westbindung drehte. Bemerkenswerterweise nahm Eckhard Fuhr nicht in dieser Reihe im Feuilleton Stellung, sondern in einem Kommentar (FAZ 8.6.1994) auf der Titelseite, in dem er zwar die Auflösung der Westbindung ablehnte, aber diesen Diskurs insoweit aufnahm, als er es als eine Hauptaufgabe "im Kampf um kulturelle Hegemonie" bezeichnete, den "Westen" heute neu zu denken - und zwar in einem antiliberalen Sinne. Die von ihm gewählte Diktion[6] ist in der JF gang und gäbe. Sollte also der JF unterwegs auf ihrem "langen Marsch" die Puste ausgehen: Ihre Position, ihr Stil wird uns in der FAZ, der Welt oder Welt am Sonntag erhalten bleiben.[7]

Zum Buch
Unser Anliegen ist folgendes: Wir wollen aufzeigen, wie die Junge Freiheit die Ideologie des Völkischen Nationalismus artikuliert oder - anders ausgedrückt - welchen Diskursstrang sie im Rahmen des völkisch-nationalistischen Gesamtdiskurses organisiert. Es geht uns also um die Position der JF innerhalb dieses umgreifenden Diskurses. Wir gebrauchen in diesem Zusammenhang den Begriff strategische Option. Die strategische Option der Jungen Freiheit bezeichnen wir - unter Rückgriff auf einen Traditionsstrang der Konservativen Revolution - als jungkonservative Option, um deutlich zu machen, daß sich die Position der JF in charakteristischen Merkmalen von dem absetzt, was gemeinhin als 'neurechte' Position verstanden wird, und sich andererseits eng anlehnt an das rechtskonservative Lager innerhalb der Unionsparteien. Kompaktester Ausdruck dieser jungkonservativen Option ist im übrigen Karlheinz Weißmanns Rückruf in die Geschichte.
Die AutorInnen des vorliegenden Bandes sind entweder MitarbeiterInnen des DISS, wie der Herausgeber selbst, oder arbeiten eng mit dem DISS zusammen. Wir verfolgen durchaus plurale theoretische Ansätze, die man in etwa umschreiben kann mit den Begriffen Diskurstheorie - vgl. hierzu die Arbeiten von Siegfried Jäger -, Ideologietheorie und Ideologiekritik. Diese unterschiedlichen Ansätze, von denen wir meinen, daß sie sich nicht widersprechen müssen, sondern sich ergänzen können, finden sich auch in diesem Buch wieder, auch wenn dies nicht immer explizit gemacht wird.
Zum Aufbau des Buches: Nach einer Einführung, die versucht, die Kernaussagen des Buches zu umreißen und die strategische Option der JF näher zu bestimmen, folgen drei Aufsätze, die das JF-Personal näher untersuchen: dessen soziale und geistige Herkunft, das elitäre Selbstverständnis in der Tradition antidemokratischer Elitetheorien (Helmut Kellershohn) sowie die engen Zusammenhänge mit der Zeitschrift Criticón um Caspar von Schrenck-Notzing und Armin Mohler (Anton Maegerle) einerseits, dem revisionistisch-revanchistischen Witikobund (Martin Dietzsch) andererseits. Heinz Hachel untersucht - diesen Teil abschließend - die JF als Werbeträger und kommt u.a. zu dem Ergebnis, daß die Junge Freiheit, allein von ihrem Werbeaufkommen betrachtet, reichlich unterfinanziert ist.
Im zweiten Teil geht es um die Analyse und Beschreibung der JF als einer ideologischen Formation, wobei wir uns an den Kernideologemen des Völkischen Nationalismus orientieren. Siegfried Jäger untersucht die Kulturdebatte in der JF mit diskursanalytischen Mitteln; Klaus Kriener gibt einen Einblick in die politische Theorie Carl Schmitts und untersucht dessen Bedeutung für die Freund-Feind-Bestimmung in der JF; Sebastian Reinfeldt und Richard Schwarz analysieren einen für die Einschätzung der JF zentralen Aspekt, nämlich die Umformung des 'neurechten' Ethnopluralismusmodells zu einem nationalistischen Modell, das in der volkstumspolitischen Tradition der 20er Jahre steht; Sabine van den Bruck und Renate Schmitz skizzieren das schlichtweg reaktionäre, im wesentlichen bevölkerungspolitisch motivierte Frauenbild der JF; Alfred Schobert steckt das ideologische und organisatorische Umfeld der Revisionismusdebatte ab und geht dabei besonders auf Ernst Nolte, Rainer Zitelmann, Armin Mohler und Herbert Fleissners Ullstein/Langen-Müller Verlag ein; und abschließend arbeiten Alfred Schobert und Ronald Papke genauer die Hauptlinie des außenpolitischen Programms der JF - gruppiert um solche Begriffe wie "Geopolitik", "Mitteleuropa" und "Reich" - heraus.
Zum Abschluß: Das vorliegende Buch ist ein Gemeinschaftsprojekt. Das schließt nicht aus, daß die Autorinnen und Autoren zu einzelnen Punkten unterschiedliche Meinungen vertreten. Wir betrachten dieses Buch auch als Vorarbeit zu einer im engeren Sinne inhaltsanalytischen und sprachwissenschaftlichen Untersuchung der Jungen Freiheit, die wir uns für später aufheben.
Duisburg, im Juli 1994
Helmut Kellershohn
Fußnoten
1. Wenn wir in diesem Buch den Begriff Rechtsextremismus verwenden, dann in dem Sinne, daß alle diejenigen Gruppierungen gemeint sind, die die Institutionen der bürgerlichen Demokratie entweder abschaffen oder massiv in eine autoritär-etatistische Richtung verändern wollen. Gerade in Hinblick auf die zweite Bedeutung sind die Übergänge zum Rechtskonservatismus fließend.
2. Karlheinz Weißmann hat im Rahmen der FAZ-Debatte "What's right?", in seinem Beitrag Die Nation denken (FAZ 22.4.1994), die Existenz einer einheitlichen "Neuen Rechten" (im Text in Anführungszeichen) verneint. Er konnte es sich jedoch bei dieser günstigen Gelegenheit nicht verkneifen, von einer sich möglicherweise heranbildenden "Neuen Rechten" im Sinne eines "erste[n] Meinungslager[s] des wiedervereinigten Deutschland" - unter Einbeziehung der "zornigen jungen Männer" [?!] der JF - zu sprechen. Dann müßte aber doch wohl eher von einer 'Neuen Neuen Rechten' die Rede sein; denn zu der Zeit, als Weißmann noch die Schulbank drückte, gab es ja schon mal eine Bewegung, die sich als 'Neue Rechte' verstand. Weißmanns Gedächtnislücke macht im Prinzip die Fragwürdigkeit des Begriffs 'Neue Rechte' deutlich.
3. Wenn Klaus Schönekäs die 'neurechten' Intellektuellen der 70er und 80er Jahren mit Karl Mannheim als "freischwebende Intelligenz" bezeichnet, so trifft dies für manche Redakteure und Autoren der JF durchaus zu, aber keineswegs für die Kerngruppe. Auch bestimmte Abgrenzungen gegenüber der 'Alten Rechten', die Schönekäs aufzählt, wie z.B. die "Distanz zum »Revisionismus
4. Als 11. Redakteur, zuständig für das Ressort Naturwissenschaften tritt Dr. Karsten Niefind im Mai (ab Nr. 21/94) in die Redaktion ein. Er wurde bei der Vorstellung der Redaktion in diesem Buch (vgl. Die selbsternannte Elite) noch nicht berücksichtigt. - Niefind ist Mitglied der Deutschen Gildenschaft (DHG Schwarzer Herzog zu Braunschweig), steht mit dem Bund Heimattreuer Jugend (BHJ-Der Freibund) in Verbindung und ist 1993 zweiter Vorsitzender im "Verein zur Förderung der Rußlanddeutschen in Trakehnen e.V.", über den er in den Blättern der deutschen Gildenschaft (3/93, S. 90-94) berichtet. In der JF 4/94 wird die Arbeit dieses Vereins von dem Gildenschafter Martin Schmidt gewürdigt.
5. Der Konflikt um den politischen Kurs der Welt war bereits im Februar (Ausg. v. 22.2.94) deutlich geworden, als ein Artikel eines freien Mitarbeiters, Frank Elsner, gegen die JF (Eine Zeitung in der Grauzone) und damit indirekt gegen Zitelmann erschien. Ende Februar konnte man die antisemitisch gefärbte Kritik Will Trempers an Spielbergs Film Schindlers Liste lesen, dann die Kritik Zitelmanns an den domestizierten Konservativen (5.3.). Dem Protest in der Redaktion gegen Zitelmann folgte prompt die Aktivierung des Zitelmannschen Zitier- und Publikationskartells, das mit einer Ehrenerklärung an die Öffentlichkeit trat, um Zitelmann vor dem Vorwurf zu schützen, er arbeite den Republikanern in die Hände. Unter den 22 Ehrenbezeugern finden sich etliche JF-Autoren und Interviewpartner. Zitelmanns Artikel vom 5.3. wurde übrigens in Aula nachgedruckt - zusammen mit einer Eloge des JF-Redakteurs Hatzenbichler auf den "rechten Kulturrevolutionär" und "Eisbrecher" Zitelmann.
6. Z.B.: "Der aus der fast libidinösen Beziehung zur Schuldgeschichte Deutschlands, aus dem schrecklichen Faszinosum der nationalsozialistischen Verbrechen gespeiste negative Nationalismus, das antideutsche Deutschtum, wendet sich aggressiv gegen jeden, der die »Westbindung
7. Vgl. insgesamt zu 'neurechten' Tendenzen in Welt und FAZ Gessenharter 1994, S. 196-214


Projekte zum Thema im Internet

Texte bei Wikipedia :
Judenfeindlichkeit
Rechtsextremismus
Junge Freiheit

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Aus der Rubrik: Politik - Antifaschismus